Verbraucherinnen und Verbraucher

Die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu den Grundprinzipien der nachhaltigen Entwicklung ist sehr groß. Über 90 Prozent befürworten einen schonenden Ressourcenverbrauch, Generationengerechtigkeit und fairen Handel zwischen reichen und armen Ländern.

Eine Frau kauft in einem Naturkostladen ein.

Bio-Produkte liegen im Trend

Foto: Burkhard Peter

Wie wichtig das Handeln der Verbraucherinnen und Verbraucher ist, wird zum Beispiel daran deutlich, dass mehr als 20 Prozent der Treibhausgasemissionen auf das Konto privater Haushalte gehen. Die Bundesregierung prüft in diesem Zusammenhang, ob in die Nachhaltigkeitsstrategie ein gesonderter Indikator zum nachhaltigen Konsum aufgenommen werden sollte. So könnten alle Akteure im Konsumbereich noch zielgerichteter handeln.

Diskussion über Lebensstile

Bereits auf dem Weltgipfel in Johannesburg 2002 wurde ein 10-Jahresrahmen für Arbeitsprogramme zu nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern verabschiedet. In Deutschland gibt es zahlreiche und vielseitige Initiativen, nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu fördern.

Seit einigen Jahren verstärkt sich der Trend hin zu einem nachhaltigkeitsbezogenen "moralischen Konsum". So wachsen Gruppierungen wie beispielsweise die "Lohas" (Lifestyle of Health and Sustainability), die Konsum bejahen, aber nachhaltig gestalten wollen, stetig an. Internetplattformen und elektronische Tauschbörsen sind Ausdruck dieser Entwicklung. Diesen Trend haben unter anderem die von der Bundesregierung unterstützten Organisationen Verbraucherzentrale Bundesverband, Stiftung Warentest, Verbraucher Initiative und der Nachhaltigkeitsrat aufgegriffen. Sie alle bieten Informationen zum nachhaltigen Konsum an.

Verbraucherbildung - Informationsstand verbessern

Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, den Informationsstand der Verbraucherinnen und Verbraucher hinsichtlich eines nachhaltigen Konsums weiter zu erhöhen. Dies erfolgt durch gezielte Information, Dialogforen und Unterrichtsmaterialien sowie durch Unterstützung von Initiativen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden. Denn mit ihrem Kaufverhalten haben Verbraucher großen Einfluss darauf, welche Waren sich auf dem Markt durchsetzen. Junge Menschen sollten deshalb frühzeitig über Vorteile eines nachhaltigen Lebensstils sensibilisiert werden.

"Zu gut für die Tonne" ist eine weitere Informationskampagne des Bundesernährungsministeriums. Verbraucher erhalten Tipps für richtiges Einkaufen und Lagern von Lebensmitteln sowie Informationen zum Umgang mit Mindesthaltbarkeitsdaten.

Die Kampagne soll dazu beitragen, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Es ist Ziel, bis zum Jahr 2020 die Menge der verwertbaren Lebensmittelabfälle um die Hälfte zu reduzieren. In Deutschland werden nämlich laut einer Regierungsstudie von jedem Bundesbürger pro Jahr - statistisch gesehen - rund 82 Kilo Lebensmittel weggeworfen. Nach einem aktuellen UN-Bericht landen 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Das sind nach Angaben der FAO rund ein Drittel der Nahrungsmittel, die hergestellt werden. So leiden auf der einen Seite 870 Millionen Menschen an Hunger und auf der anderen Seite bedeutet diese Lebensmittelverschwendung einen enormen, unnötigen Wasser- und Umweltverbrauch. Der Report "Food Wastage Footprint: Impacts on Natural Resources" zeigt die Folgen von Überproduktion für die Bodennutzung, das Wasser, das Klima und die Artenvielfalt auf.

Das Bundesverbraucherministerium unterstützt außerdem das mehrstufige Projekt "Mit Verantwortung – sozial und ökologisch handeln" der Stiftung Bildung und Jugend. In dessen Rahmen wurden eine Reihe von Unterrichtseinheiten für die Sekundarstufen I und II sowie berufsbildende Schulen erarbeitet. "MitVerantwortung" ist ein offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung".

Auch das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt führen themenbezogene Fachdialoge und Fachkonferenzen durch, um Wirtschaft, Verbraucherorganisationen und Verbraucher zu einem nachhaltigen Konsum anzuregen.

Nachhaltig einkaufen

Mehr Orientierung im Alltag

Seit Januar 2014 bietet das so genannte "Regionalfenster" Verbraucherinnen und Verbrauchern eine bessere Orientierungshilfe beim Einkaufen. Produkte mit dem Kennzeichen "Regionalfenster" sind mit Angaben zur Herkunft der verwendeten landwirtschaftlichen Zutaten und zum Ort der Verarbeitung versehen. Vor allem die Hauptzutat muss zu 100 Prozent aus der angegebenen Region kommen. Ein mehrstufiges Kontroll- und Sicherungssystem gewährleistet, dass die Angaben zuverlässig sind.

Jeder Vierte in Deutschland achtet beim Einkauf gezielt auf Bio-Produkte. Wie eine Umfrage für das "Ökobarometer" zeigt, sind artgerechte Tierhaltung und die Unterstützung heimischer Betriebe durch den Kauf von regionalen Produkten die wichtigsten Beweggründe beim Kauf von Bio-Lebensmitteln.
Quelle: BMEL Ökobarometer 2016

Eine Vielzahl einzelner Initiativen und Ansätze zur Förderung nachhaltigen Konsums geht von Verbraucherorganisationen aus: Car-Sharing-Projekte, Ratgeber für umweltfreundlichen Einkauf und Reparaturmöglichkeiten, FairTrade-Initiativen, Projekte zur Förderung regionaler Lebensmittelvermarktung und eines nachhaltigen Tourismus.

Die Bundesregierung unterstützt zahlreiche Initiativen, die mehr Transparenz in die Angebotsvielfalt bringen, was Fragen der nachhaltigen Produktion, Nutzung und Entsorgung anbelangt. Nachhaltige Waren entsprechen ökologischen beziehungsweise sozialen Kriterien in weitaus höherem Maße: zum Beispiel "schadstoffarm", aus "Fairem Handel" oder "ohne Kinderarbeit".

Häufig wird diese besondere Qualität durch unabhängige Siegel für Verbraucher erkennbar. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der Blaue Engel, das älteste und bekannteste Umweltzeichen in Deutschland. Neben dem Umweltschutz werden auch in hohem Maße Gesundheitsaspekte berücksichtigt. Die Produktspanne reicht vom Recyclingpapier über Matratzen und Fußbodenbelägen bis zum Beamer.

Auch das FairTrade-Siegel kennzeichnet Produkte, die unter Einhaltung von internationalen Umwelt- und Sozialstandards hergestellt wurden und für die die Produzentinnen und Produzenten in Entwicklungsländern einen fairen Preis erhalten. Mit dem FairTrade-Siegel versehen sind vor allem Lebensmittel. Darüber hinaus werden immer mehr andere Produkte wie zum Beispiel fair gehandelte Fußbälle und Textilien einbezogen.

Zu den Informationsinstrumenten, die die Bundesregierung gefördert hat, gehören die Projekte "Label-online" der Verbraucher Initiative e. V. und "EcoTopTen" des Öko-Instituts e. V.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) hat die Bundesregierung auch für die Baupraxis Nachhaltigkeitsstandards festgeschrieben. Ein wichtiges Gütesiegel heißt: "Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen". Es bezieht ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte sowie Informationen zur rechnerischen und planerischen Leistung in die Bewertung zunächst von Büro- und Verwaltungsgebäuden (Neubau) ein. Das Siegel geht über den internationalen Stand von Zertifizierungssystemen hinaus.

Wie lässt sich der "CO2-Fußabdruck" – der mit der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung verknüpfte Kohlendioxidausstoß – messen und auf Produkten festhalten? Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt gehen dieser Frage im Rahmen von Forschungsprojekten nach.

Einzelhandel unterstützen

An der Schnittstelle zwischen Produktion und Konsum kommt dem Einzelhandel eine zentrale Bedeutung für den nachhaltigen Konsum zu. Denn nur wenn entsprechende Produkte im Warensortiment angeboten werden, kann sich das Einkaufsverhalten der Menschen ändern. Die Bundesregierung unterstützt dies durch Kooperationsprojekte mit Handelsunternehmen und Umweltverbänden. Dazu gehört das Projekt "ökologischer Schulanfang" oder Maßnahmen im Rahmen des "Bundesprogramms ökologischer Landbau".

Nachhaltiger Warenkorb 

Das Ziel, Hilfen für Konsumentscheidungen zu geben, steht unter anderem auch im Mittelpunkt eines Projektes des Rates für Nachhaltige Entwicklung: Der "Nachhaltige Warenkorb" veranschaulicht Möglichkeiten und Vorteile eines nachhaltigen Konsums.

"Der Nachhaltige Warenkorb" ist auch in einer nutzerfreundlichen Tablet-Version verfügbar.

Das Projekt orientiert sich bewusst am Statistischen Warenkorb des Statistischen Bundesamtes. Dieser bemisst regelmäßig die Höhe und Struktur der Ausgaben privater Haushalte.

Grüne Informationstechnologie

Ein weiterer Schwerpunkt im Bereich nachhaltiger Konsum heißt "Green IT". Darunter versteht man den umweltschonenden Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Dies umfasst eine energieeffiziente und ressourcenoptimierte Anwendung der IKT.

Die CO2-Emissionen der IKT entsprechen weltweit mit rund zwei Prozent bereits dem Niveau der Emissionen aus dem Flugverkehr. Tendenz steigend. Allein in Deutschland wird der IKT-bedingte Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 voraussichtlich um mehr als 20 Prozent zunehmen. Setzt man auf effiziente IKT-Lösungen in anderen Branchen, so sind wesentlich größere Energieeinsparpotenziale möglich.

Dies betrifft zum Beispiel die Bereiche Mobilität, Gebäude, Stromnetze und Logistik. Die Bundesregierung setzt dabei vor allem auf Verbraucherinformation, Produktkennzeichnung und Forschungsaufträge.

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