Initiativen, die vielen nützen

Wie können wir den demografischen Wandel gestalten? Engagierte Menschen in ganz Deutschland nehmen die Dinge bereits in die Hand. Sie ergreifen die Chancen, die ihnen unser Gemeinwesen bietet.

Eine Frau leistet Bundesfreiwilligendienst beim Arbeitersamariterbund

Engagieren kann man sich beim Bundesfreiwilligendienst

Foto: Burkhard Peter

Unter den gegebenen Bedingungen werden im Jahr 2060, etwa 65 bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben. Das sind bis zu 17 Millionen Menschen weniger als heute. Doch es werden nicht nur weniger Menschen sein, sondern es entwickelt sich eine andere Alterszusammensetzung.

Um bei dieser Entwicklung auch weiterhin Wohlstand und hohe Lebensqualität für alle zu sichern, sind wir in der Zukunft noch mehr auf das Engagement jedes Einzelnen angewiesen – ob in seinem Wohnumfeld, in einem Verein oder für andere Menschen, die der Hilfe bedürfen. Das freiwillige bürgerschaftliche Engagement wird zu einer tragenden Säule unserer Gesellschaft werden müssen.

Bürgerschaftliches Engagement wirkt vielfach

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung über 14 Jahren engagiert sich freiwillig. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Sie reichen von der einfachen Nachbarschaftshilfe bis hin zur Teilnahme an speziellen Projekten. In Kindertagesstätten und Schulen sind zum Beispiel Lern- und Lesepatenschaften sehr willkommen.

Mit der "Aktion zusammen wachsen" unterstützt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration die Arbeit solcher und anderer Patenschaftsprojekte durch zielgenaue und nachhaltige Angebote. Zur Aktion gehören eine Online-Plattform, die wertvolle Hilfestellungen für Engagement gibt  und eine eigene Servicestelle (Kostenfreie Telefonnummer 0800 440 2005).

Entscheidend ist, dass jeder Interessent sich entsprechend seinen Fähigkeiten und zeitlichen Möglichkeiten einbringen kann. Um das Passende in Ihrem Umfeld zu finden, können Sie sich beraten lassen. In Deutschland gibt es viele lokale Freiwilligenzentren und -agenturen.

Hilfreiche Links für die Suche von Ansprechpartnern in der Region bietet die von der Bundesregierung unterstützte Internetseite "Engagement macht stark!".

Über Möglichkeiten eines freiwilligen Engagements im Ausland können Sie sich auf der Internetseite von Engagement Global informieren. Engagement Global ist tätig im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Angebote zum Mitmachen

Die Freie Wohlfahrtspflege: Einen unverzichtbaren Rahmen für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland bilden die Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege. Dort engagieren sich rund drei Millionen Menschen ehrenamtlich. Die Einrichtungen stellen Angebote für soziale Dienstleistungen, koordinieren Selbsthilfe- und Helfergruppen. Sie erschließen freiwillige private Hilfeleistungen, Spenden und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Verbände und Vereine: Viele Bürger engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen, vor allem in Sport, Freizeit, Kultur, Umwelt und Soziales. Mit ihrem flächendeckenden und breit gefächerten Angebotsspektrum stellen sich Vereine, Gruppen, Verbände und andere zivilgesellschaftliche Organisationen auch auf den demografischen Wandel ein.

Stiftungen: Stiftungen sind weitere bedeutende Akteure der Zivilgesellschaft. Sie übernehmen nachhaltig und dauerhaft Verantwortung für unsere Gesellschaft und sind wichtige Partner des Staates bei der Bewältigung der Aufgaben im demografischen Wandel. Circa 19.000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts wirken in Deutschland für das Gemeinwohl.

Pflege und Betreuung: Besondere Bedeutung für alle Altersgruppen gewinnt künftig bürgerschaftliches Engagement bei der Pflege und Betreuung hilfebedürftiger Menschen. Schon jetzt ist es neben familiären und professionellen Hilfearrangements eine wichtige Ergänzung der pflegerischen Versorgung der Bevölkerung. Dies gilt sowohl für die ambulante, die stationäre, wie auch für die in ambulant betreuten Wohneinrichtungen stattfindende Pflege, Betreuung und hauswirtschaftliche Versorgung.

Der Bundesfreiwilligendienst: Mit dem Bundesfreiwilligendienst hat die Bundesregierung eine neue Möglichkeit in Form eines Freiwilligendienstes geschaffen. Er steht Frauen und Männern aller Altersgruppen offen. Er dauert in der Regel ein Jahr und wird als überwiegend praktische Hilfstätigkeit in gemeinwohlorientierten Einrichtungen etwa im sozialen Bereich geleistet.

Dabei gibt es attraktive Angebote in unterschiedlichsten Einsatzfeldern, beispielsweise in Schulen, Kindertagesstätten, Altenhilfe- sowie kulturellen Einrichtungen, in der Nachbarschaftshilfe, zur Stärkung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Die Chancen des demografischen Wandels werden genutzt, wenn ältere Menschen ihr Erfahrungswissen gezielt einbringen, jüngere Senioren helfen und wenn sich unterschiedliche Altersgruppen für ein gemeinsames Ziel engagieren.

Respektvolles Miteinander: Auch Migrantinnen und Migranten sollen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Dem misst die Bundesregierung besondere Bedeutung bei und stellt erhebliche Mittel zur Verfügung, um die Integration zu fördern. Integrationskurse sollen die Teilhabe stärken und ein respektvolles Miteinander ermöglichen. Grundbedingung für eine erfolgreiche Integration ist eine ausreichende schulische Qualifizierung, die berufliche Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten eröffnet. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Mehrgenerationenhäuser – ein Zukunftsmodell

Mit den seit 2006 im gleichnamigen Bundesprogramm entstandenen rund 500 Mehrgenerationenhäusern sind konkrete Anlaufstellen und Begegnungsorte für alle Generationen entstanden. Mit ihren am regionalen Bedarf orientierten Angeboten und Aktivitäten schaffen sie ein neues nachbarschaftliches Miteinander sowie vielfältige gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten über Altersgrenzen und soziale Schichten hinweg. Durch gezielte Unterstützungsangebote im Bereich der Kinderbetreuung sowie bei der Betreuung und Pflege Älterer leisten sie einen wichtigen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie beziehungsweise Pflege und Beruf.

Ende 2011 bereits mehr als 20.000 Freiwillige in den Mehrgenerationenhäusern: Ältere Engagierte springen dabei zum Beispiel als "Leihgroßeltern" ein, wenn Eltern niemanden finden, der den Nachwuchs betreut. Bei Bedarf unterstützen sie bei Hausaufgaben oder organisieren Bewerbungstrainings und Mentorenprogramme.

Wo mehrere Generationen zusammenkommen, werden Wissen und Erfahrungen erhalten und weitergegeben. Gleichzeitig wird die gegenseitige Wertschätzung über Altersgrenzen hinweg gestärkt. Vielfältige Kontakte helfen, soziale Isolation zu überwinden. Um die Mehrgenerationenhausarbeit weiter zu entwickeln und die Häuser nachhaltig in die lokale Infrastruktur zu integrieren, hat die Bundesregierung Anfang 2012 das "Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II" mit bundesweit 450 Standorten gestartet.

Bundeswettbewerb "Startsocial": Dies ist ein bundesweiter Wettbewerb zur Förderung sozialer Ideen. Unter dem Motto "Hilfe braucht Helfer" unterstützt "Startsocial" den Wissenstransfer zwischen Wirtschaftsunternehmen und sozialen Initiativen.

Freiwilligendienste aller Generationen: Auch das durch den Bund initiierte Format der "Freiwilligendienste aller Generationen" hat sich für verschiedene Einsatzfelder besonders bewährt – zum Beispiel in der Quartiersentwicklung, bei Familien- und Bildungspatenschaften oder bei Hilfs- und Unterstützungsangeboten für ältere Menschen. Insbesondere für Menschen in beruflichen und biographischen Übergangsphasen und für ältere Menschen sind Freiwilligendienste attraktiv, die auf Anerkennung durch Qualifizierung setzen.

Qualitätszeichen "Generationenfreundliches Einkaufen" des Handelsverbands Deutschland (HDE)

Das Zeichen wird seit 2010 vergeben

Foto: HDE

"Qualitätszeichen generationenfreundliches Einkaufen": Ein weiteres Beispiel für ein generationenübergreifendes Miteinander findet sich im Einzelhandel. Mehr als 4.000 Geschäfte haben bereits das "Qualitätszeichen Generationenfreundliches Einkaufen" erhalten, das gemeinsam mit der Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und anderen Organisationen entwickelt wurde. 

Schlagwörter