Marie-Rose Joos

Anregungen / Anmerkungen / Kritik zur Nachhaltigkeitsstrategie


Wasser:

  • Die drohende Wasserknappheit durch den Klimawandel in Deutschland wird nicht adäquat angesprochen. Versickerungssysteme und Zisternenbau werden bisher  höchstens auf kommunaler Ebene gefördert, entsprechend schleppend und wenig effizient. Die einzige –aktuell nicht mehr verfügbare - Dokumentation zur Regenwasserversickerung hat das Umweltbundesamt 2001(!) erstellt, was den Schluss nahelegt, dass sowohl Politik wie Behörden den Themenkomplex de facto ignorieren.
  • Aus Vorsorgegründen ist eine Wasserspeicherung im Boden bzw. auch in Sammelsystemen voranzutreiben und adäquat zu fördern.
  • Gleichzeitig ist die Regen-Aufnahmekapazität offener Flächen zu verbessern, z.B. durch Mulchen oder indem eine durchgehende Pflanzenbedeckung gewährleistet wird: angefangen bei der Baumscheibe im Straßenraum bis zum Maisacker. Hier wäre eine spezifische Förderung zur Minimierung offener Bodenflächen sinnvoll.
  • Erfahrungen aus dem Dürremanagement im globalen Süden sind für unsere Regionen zu adaptieren. Ein Projekt von Brot für die Welt in Sambia zeigt z.B. einfache Bewässerungsmethoden für Nutzpflanzen, die zwar arbeitsintensiv sind, aber optimal wassersparend (Flyer von Brot für die Welt: Sambia, Ohne Mais kein Nshima).
  • Beregnungsverfahren zu vermeiden, wäre nicht nur zur Ressourcenschonung sehr wichtig, sondern auch wegen der ungünstigen Auswirkungen auf die Böden. Bewässerung ist auf wassersparende Systeme, z.B. Tröpfchenbewässerung und die o.g. Verfahren aus Dürregebieten zu beschränken.


Wald:

  • Ein wichtiger Aspekt zum Wald im Klimawandel in Deutschland fehlt: Um stabilere Waldökosyteme zu erreichen und die Biodiversität zu erhöhen, sind Fichtenforste in Mischwälder umzuwandeln und zusammenbrechende Fichtenforste der natürlichen Sukzession zu überlassen. Außerdem sind 10% der Waldflächen als Naturwälder auszuweisen, was neben großen Fortschritten für die Biodiversität auch für den Wasserhaushalt der Wälder wichtig wäre. Neben weiteren Punkten ist auch der Stickstoffeintrag über die Luft deutlich zu vermindern, da die Feinwurzeln durch einen Stickstoffüberschuss geschädigt werden. Für alle Aktivitäten der Waldbesitzer, die dem Gemeinwohl dienen und über den Standard hinausgehen, sind finanzielle Ausgleiche zu schaffen.


Landwirtschaft:

  • Humusaufbau in den landwirtschaftlichen Böden ist angemessen zu fördern, z.B. in Zusammenhang mit einem Siegel. Dies ist als Schritt auf dem Weg zum 4 o/oo- Ziel (Steigerung des Humusgehalts der Böden um 4 Promille) anzusehen.
  • Forschungsprojekte für den Mischanbau von Nutzpflanzen sind auf den Weg zu bringen ähnlich dem Sojabohnennetzwerk.
  • Zu der absolut notwendigen Aufbereitung von Gülle habe ich folgende Anmerkung: Vor etwas mehr als 4 Jahrzehnten gab es im Allgäu eine Firma, die Gülle transportfähig und umweltschonend aufbereiten konnte. Da es keine wirksamen Restriktionen zum Ausbringen von Gülle gab, war das Verfahren nicht wirtschaftlich. Man sollte mit der Technik von heute dort ansetzen, um den Wassergehalt der Gülle soweit zu reduzieren, dass ein kompostähnlicher Rest bleibt.
  • Um dem Rückgang der Biodiversität entgegen zu wirken, ist der Insektenschutz vorrangig voran zu treiben, d.h. nicht erst 5 Jahre die Ergebnisse von MONVIA abzuwarten, bevor gehandelt wird. Denn Insekten sind ein so grundlegender Teil der Ökosysteme und ein so wichtiger Teil der Nahrungskette für z.B. Vöge, dass Maßnahmen so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen. Der Pestizideinsatz ist sofort drastisch einzuschränken und bei den besonders insektenschädlichen Substanzen wie z.B. vielen Neonikotinoiden auf Ausnahmen zu beschränken. Angesichts der intensiven Forschung zu Pflanzenschutzmitteln sind die Ziele und Einschränkungen des Pestizideinsatzes so zu formulieren, dass sie auch auf neue Substanzen anwendbar sind und diese zugleich strenger bewertet werden, was ihre Auswirkungen anbelangt. So sind die Tests über die Wirkung von Pestiziden auf Honigbienen nicht an der Pestiziddosis auszurichten, die 50% der Bienen tötet (LD50), sondern an der Dosis, bei der das Ortungs- und Kommunikationssystem der Bienen noch funktioniert, denn desorientierte Bienen sind genauso todgeweiht wie vergiftete.
  • Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität in der Landwirtschaft sind zu evaluieren, um Schwachstellen zu erkennen. Besondere Aufmerksamkeit ist hierbei wieder auf die Insekten, aber auch die Feld- und Grünlandvögel zu richten.

Ohne die Anstrengungen des Vertragsnaturschutzes kritisieren zu wollen, bleibt dieser in der landwirtschaftlichen Gesamtfläche in NRW doch bei 2% marginal (30 000 ha Netto-Vertragsnaturschutzflächen in NRW von 1 440 000 ha landwirtschaftlicher Gesamtfläche in NRW). Eine Evaluation, warum der Vertragsnaturschutz bisher keine Breitenwirkung entfaltet, ist dringend durchzuführen; eine solche Untersuchung kann den Weg für eine nachhaltige Landwirtschaft bahnen und ist deshalb unverzichtbar.  


Marie-Rose Joos, Biologin und BUND-Mitglied