Johannes Dreer, Hof und Leben GmbH
 

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
vielen Dank für die Benachrichtigung zur möglichen Kommentierung der Nachhaltigkeitsstrategie.
 
1.
Auf Seite 33 findet man wörtlich im zweiten Absatz
"… gesundheitliche ebenso wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Reslilienz".
 
Ich sehe darin einen Kern, und wünschte mir, dass dieser noch deutlicher sichtbar wird, um der großen Zahl an notwendigen Handlungsbereichen eine klare einfache Richtung zu geben.
 
Es geht meiner Meinung nach um Transformation hin zu stabileren Systemen.
Gesellschaft und Wirtschaft waren auch vor Corona und den Corona-Maßnahmen bereits sehr krank und fragil.
 
Man kann Nachhaltigkeit nun als den Dreiklang von Ökonomischem, Sozialem und Ökologischem sehen.
Damit kommt es stets zu Abwägung und Kompromissen.
 
Wir sehen Nachhaltigkeit - angelehnt an von Carlowitz - als gelebten Generationenvertrag.
Entsprechend indizieren wir Nachhaltigkeit in unserem Alltag der Beratung von Landwirten dann, wenn die Kinder unbedingt den Betrieb und das Vermögen fortführen wollen.
 
Dazu ist es unabdingbar, die Grundlagen zu erhalten.
Die Ökonomischen?
Die Sozialen?
Die Ökologischen?
 
Man stelle sich ein Dreieck vor.
 
Das eine oder das andere macht keinen Sinn.
 
Zu denken gibt mir die Vermutung, dass am wenigsten Sinn für die Menschen dort liegt, wo die Ökonomie hervorragend funktioniert, aber das soziale und das ökologische gar nicht mehr.
Hier wird es dann nicht lange dauern und auch das Ökonomische würde leiden.
Das erleben wir in Teilen bereits.
 
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen bei einer Wahl der Zustände in der Mehrheit bevorzugen würden, dass unsere Welt sozial und ökologisch in Ordnung ist.
Das ökonomische lässt sich dann einfacher regeln.
Im Extrem: ein Schuldenschnitt oder Gelddruck lässt sich bewerkstelligen. Kitt von Gesellschaft oder Umwelt wiederherzustellen ist eine vielfach schwierigere Aufgabe.
 
Ich will es nicht zu sehr vereinfachen. Gleichzeitig aber auch nicht zu sehr verkomplizieren.
 
Es wird in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu recht immer wieder auch international Bezug genommen.
Die Zustände der Welt sind nicht ausschließlich schicksalhaft, sie beruhen auf Entscheidungen der Menschen.
Ohne Zusammenführen der Menschheitsfamilie wird Nachhaltigkeit weder in Deutschland noch in der Welt gelingen.
 
2.
In den Leitstrategien von Suffizienz, Effizienz und Konsistenz kommt mir das Thema Suffizienz absolut zu kurz.
Auch hier will ich nicht zu plakativ sein, aber wo blieb hier die Nachhaltigkeitsstrategie der letzten Jahrzehnte beim Thema E-Bike.
Senioren und Schwache: ja. Aber wieso fährt in den Alpen, um Seen herum und im restlichen Deutschland eine Fahhradflotte zu mindestens 80 Prozent mit E-Antrieb?
Wozu dient die Energiewende, wenn die Enerige dann in solche Kanäle geht?
Unverständlich.
 
Immer wieder komme ich also zu einer Vermutung, die sich bestens in folgendem Zitat von Michael Braungart festhalten lässt:
 "Wenn wir uns damit aufhalten, die bestehenden Zustände zu optimieren, machen wir nur die falschen Dinge perfekt und damit perfekt falsch."
Insgesamt passend und wohlformuliert vermisse ich der vorliegenden Strategie also die letzte Konsequenz und die konkrete Benennung der Ursachen, warum wir denn nicht heute schon nachhaltig sind.
Aus der Vergangenheit ließen sich hier wichtige Lehren ziehen.
 
Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Dreer

Hof und Leben GmbH
Unternehmensberatung für Landwirte