Helmut Schmitz, Duales System Holding GmbH & Co. KG

Kreislaufwirtschaft als wichtiger Hebel zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele

Die DSD - Duales System Holding GmbH & Co. KG (DSD) begrüßt die Möglichkeit zur Stellungnahme im Zuge der Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Dass die Kreislaufwirtschaft als zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie aufgegriffen wird, ist aus unserer Sicht richtig und wichtig. Denn die Potenziale der Kreislaufwirtschaft – etwa zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050, zum Schutz natürlicher Rohstoffvorkommnisse oder zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie – werden heute bei weitem nicht ausgeschöpft. Dass das Thema etwa im deutschen Klimaschutzgesetz keine Berücksichtigung fand, ist nur ein Beispiel für deren ungenutzte Möglichkeiten.

Im Mai 2020 hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in seinem Umweltgutachten festgestellt, dass Deutschland bisher deutlich hinter seinen eigenen Ansprüchen zur Schaffung einer echten Kreislaufwirtschaft zurückgeblieben ist. Dies trifft insbesondere auf Kunststoffe zu. „In der Praxis zeigt sich, dass der aktuelle Umgang mit Kunststoffen weit von […] der Kreislaufwirtschaft entfernt ist“, heißt es in dem Bericht. Unter anderem müssten die Rahmenbedingungen für eine deutlich höhere Kreislaufführung verbessert werden. Dafür brauche es wirkungsvolle Lenkungsinstrumente.

Besonders bei Kunststoffen und ganz besonders bei Kunststoffverpackungen fehlen bislang entsprechende Lenkungsmechanismen und Anreizstrukturen. Recycelte Kunststoffe (sogenannte Rezyklate) sind technisch hoch entwickelt und unterscheiden sich kaum mehr von aus Erdöl erzeugter Neuware. Zudem verursachen sie nur etwa halb so viele Treibhausgasemissionen. Anders als andere Packstoffe (Glas, Papier, Metalle) werden Rezyklate derzeit aber nur in Ausnahmefällen wieder in Verpackungen eingesetzt. Das sollte sich – im Sinne der Nachhaltigkeit – dringend ändern. Auch auf europäischer Ebene sind entsprechende Maßnahmen geplant.

Zielsetzungen um konkrete Maßnahmen ergänzen

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sieht vor, dass „der Rezyklateinsatz erhöht werden [muss]“ und dass „die öffentliche Beschaffung […] hier eine beispielgebende Verantwortung [hat].“ DSD begrüßt diese Zielsetzungen. Jedoch bleiben konkrete Maßnahmen, wie diese Ziele erreicht werden können, leider entweder ganz aus oder zu vage formuliert. Folgende Maßnahmen wären aus unserer jahrelangen Erfahrung wesentliche Hebel zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe:

  • Rezyklateinsatzquoten: Um den Einsatz von Rezyklaten zu fördern, reichen Recyclingquoten nicht aus. Das haben die vergangenen Jahre deutlich gezeigt. Denn Recyclingquoten fördern zunächst nur die Wiedergewinnung von Wertstoffen. Nur produktspezifische Rezyklateinsatzquoten würden dazu führen, dass recycelte Kunststoffe auch tatsächlich in neuen Produkten und Verpackungen eingesetzt werden. So würden bereits bei der Gestaltung Recyclingaspekte berücksichtigt, Investitionen in Anlagen und Techniken getätigt und Recyclingkunststoffe endlich eine echte Alternative zu billigem Neuplastik.
  • Öffentliche Beschaffung: Die öffentliche Hand kann aufgrund ihrer Nachfragemacht, einen erheblichen Beitrag zum Ab- und Einsatz umweltfreundlicher Produkte und Verpackungen leisten. Dafür braucht es feste Vorgaben. Absichtserklärungen haben in der Vergangenheit nicht die gewünschte Wirkung entfalten können. In einem zweiten Schritt ließen sich durch den Vorbildcharakter der öffentlichen Beschaffung im besten Fall auch vergleichbare Regelungen für Beschaffungsmaßnahmen in der Privatwirtschaft erreichen.   
  • CO2-Bepreisung: Dass die Kreislaufwirtschaft nicht in das deutsche Klimaschutzgesetz aufgenommen wurde, ist eine vertane Chance. Denn die neue Nachhaltigkeitsstrategie betont richtigerweise den „Beitrag der Ressourceneffizienz zur Erreichung der Klimaschutzziele“. Dafür braucht es konkrete Maßnahmen, die durch eine Verteuerung des aus fossilen Rohstoffen erzeugten Plastiks Anreize für Hersteller schaffen, ihre Produktionsketten zu überdenken und vermehrt Sekundärrohstoffe einzusetzen.
  • Exportbeschränkungen für Altkunststoffe: Für einen intelligenten Umgang mit knappen Ressourcen bedarf es zusätzlich einer Beschränkung des Exports von Altkunststoffen in Drittländer. Nur so können in Ländern wie der Türkei Verwertungsmärkte überhaupt entstehen. Dies ist nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch der internationalen Verantwortung. Im Jahr 2019 hat Deutschland allein über 180.000 Tonnen Kunststoffabfall nach Malaysia und über 63.000 Tonnen in die Türkei exportiert. Insgesamt exportiert Deutschland jährlich gut eine Million Tonnen Plastikabfälle im Wert von circa 325 Millionen Euro. Dies entspricht etwa einem Sechstel des insgesamt in Deutschland erzeugten Plastikabfalls (vgl. NABU, Statistisches Bundesamt). Die Beschränkung des Exports bedeutet gleichzeitig, dass wir hierzulande die erforderliche Verwertungsinfrastruktur schaffen müssen.

Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft birgt enorme Potenziale, das bestätigen auch zahlreiche Studien (u.a. WRAP 2015, Öko-Institut 2014). Die Transformation unseres größtenteils noch linearen Wirtschaftsmodells hin zu einer Kreislaufwirtschaft, insbesondere auch bei Kunststoffen, braucht neben klaren Zielvorgaben wirksame Lenkungsinstrumente und Anreize. Dadurch würden Investitionen in die erforderliche Infrastruktur getätigt. Dies wiederum stärkt die heimische Wertschöpfung und schafft Arbeitsplätze vor Ort. Nicht zuletzt würde Deutschland damit seiner einstigen Rolle als Vorreiter und Innovationstreiber in Sachen Kreislaufwirtschaft wieder gerecht.

Über die Gruppe mit dem Grünen Punkt
Die Unternehmen des Grünen Punkts sind als Dienstleister für die erweiterte Produzentenverantwortung, als führender Sekundärrohstofflieferant für Kunststoffe und als Premium-Produzent von Kunststoffrezyklaten der Lösungsanbieter für die Bedürfnisse der Kreislaufwirtschaft. Die Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD) hat mit dem Grünen Punkt als ihrem Markenzeichen das duale System in Deutschland mit eingeführt und aufgebaut und steht für intelligente Rücknahmesysteme sowie die Entwicklung und Vermarktung innovativer Rezyklate und Dienstleistungen. Die Systec Plastics stellt an den Standorten Eisfeld und Hörstel Premiumrezyklate der Marke Systalen für den internationalen Markt her. Die Unternehmen sind in der DSD - Duales System Holding GmbH & Co. KG zusammengefasst.
Die Unternehmen des Grünen Punkts sind nominiert für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 in der Kategorie „Transformationsfeld Ressourcen“ für ihren Beitrag zur Transformation in Sachen ressourcenschonende Kreisläufe.

Helmut Schmitz
Leiter Kommunikation / Public Affairs
Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland