Ambitionierte Ziele für die globale Ernährungssicherung

Berliner Agrarministerkonferenz Ambitionierte Ziele für die globale Ernährungssicherung

Rund 70 Agrarministerinnen und Agrarminister sowie hochrangige Vertreter internationaler Organisationen verständigten sich zum Abschluss des Global Forums for Food and Agriculture (GFFA) auf Maßnahmen, um die nachhaltige Transformation der Ernährungssysteme voranzubringen. 

Aus der Luft ist zu sehen, wie ein Feld künstlich bewässert wird.

Ernährungssysteme krisenfest machen: Dazu haben sich die Agrarministerinnen und -minister auf der GFFA verpflichtet.

Foto: picture alliance / Jochen Tack

Das Leitthema des Global Forums for Food and Agriculture (GFFA) in diesem Jahr lautete „Ernährungssysteme transformieren: Eine weltweite Antwort auf multiple Krisen“. In ihrer Abschlusserklärung verpflichten sich die Agrarministerinnen und -minister dazu, nachhaltige, inklusive und krisenfeste Ernährungssysteme zu fördern. Zudem wollen sie Lebensmittel für alle verfügbar, erschwinglich und sicher machen, um das UN-Ziel „Zero Hunger“ der Agenda 2030 zu verwirklichen.

Auf den Seiten des BMEL finden Sie das vollständige Kommuniqué „GFFA Kommuniqué 2023 – deutsch“.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Folgen der Covid-19-Pandemie und vor allem die immer heftigeren Auswirkungen der Klimakrise haben die Weltgemeinschaft in eine der schwersten Zeiten seit Jahrzehnten geführt. Besonders deutlich macht sich das bei der globalen Ernährungssituation bemerkbar. Diese Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden.

Zum Abschluss der Berliner Agrarministerkonferenz erklärte Bundeslandwirtschaftminister Özdemir: „Die Klimakrise, das weltweite Artensterben und Putins schrecklicher Krieg verstärken sich gegenseitig auf die schlimmste Art und Weise: Weltweit hungern weit mehr als 800 Millionen Menschen, mehr als zwei Milliarden haben keinen gesicherten Zugang zu ausreichender Nahrung. Von Berlin geht heute ein deutliches Signal in die Welt: Wir – die Agrarministerinnen und -minister – wollen gemeinsam die Agrar- und Ernährungssysteme transformieren, um das Recht auf Nahrung für alle dauerhaft zu verwirklichen.“ 

Humanitäre Hilfe sei essenziell, aber sie helfe nur kurzfristig, so Özdemir weiter. Es brauche weltweit einen Fokus auf langfristige Lösungen. Das heiße, jetzt Angebote zu machen für strategische, langfristige Partnerschaften, sich global mehr zu engagieren und den partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe zu verstärken. Dazu sende die Konferenz ein starkes Signal der Kooperation.

Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft anspruchsvolle Nachhaltigkeitsziele wie die Beendigung des globalen Hungers gesetzt. Bis zum Jahr 2030 stehen nur noch acht Ernten aus. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, um das Nachhaltigkeitsziel (SDG) 2 „Kein Hunger“ der Vereinten Nationen (VN) zu erreichen und das Menschenrecht auf eine angemessene Nahrung zu verwirklichen- insbesondere in den Ländern des globalen Südens. 

Mehr Präsenz Europas bei Nahrungssicherung in Afrika

Özdemir forderte im Vorfeld der Konferenz, Deutschland und die Europäische Union müssten endlich präsenter sein. „Wir dürfen das Feld nicht den autoritären Staaten überlassen, die dort aktiv sind und durch ihre Investitionen versuchen, neue Abhängigkeiten zu schaffen.“ Die Bundesregierung habe dazu mit der Afrikanischen Union eine „Zukunftspartnerschaft“ vereinbart, um Ernährungssysteme krisenfester zu machen. Zentral sei Wissenstransfer, Know-how etwa zum Pflanzenschutz gehöre nach Afrika und „nicht primär in die Konzernzentralen“, betonte Özdemir. Um große Verluste nach der Ernte zu vermeiden, brauche es funktionierende Lagermöglichkeiten, Logistik und Verarbeitungskapazitäten.

Wesentliche Ergebnisse der 15. Agrarministerkonferenz:

  • Krisenfeste, nachhaltige und resiliente Ernährungssysteme fördern: Dazu gehört die Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen für die Landwirtschaft und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Besonders zu unterstützen sind Familien- und kleinbäuerliche Betriebe, Frauen, Jugend, indigene und vulnerable Gruppen. Dafür müssen Lebensmittelverschwendung und -verluste reduziert, regelbasierter Handel, nachhaltige Lieferketten und ein regionaler, standortangepasster Anbau mit einer größeren Vielfalt gefördert werden.
  • Klimafreundliche Ernährungssysteme fördern: Neben Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels und Unterstützung der Ziele der COP 27 sind Treibhausgasemissionen durch nachhaltiges Boden- und Nährstoffmanagement und in der Nutztierhaltung zu reduzieren. Dazu gehört auch, den Energieverbrauch in der Landwirtschaft zu reduzieren.
  • Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt voranbringen: Um genetische Vielfalt und Agrobiodiversität zu verbessern, sind Bodengesundheit und Agrarökologie zu stärken. Der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden soll effizienter, die Entwaldung und Wüstenbildung verhindert werden.
  • Kooperationen für nachhaltige globale Ernährungssysteme stärken: Wichtige Governance-Fragen zur Sicherung der Welternährung werden in den Diskussionsprozess etwa des UN Food Systems Summit eingebracht. Der Welternährungsausschuss der Vereinten Nationen (CFS) sowie die sektorübergreifende Zusammenarbeit für den One Health Ansatz sollen gestärkt werden.

Das GFFA ist eine auf internationaler Ebene fest etablierte Konferenz zu zentralen Zukunftsfragen der Ernährung und Landwirtschaft. Politischer Höhepunkt ist jeweils die Berliner Agrarministerkonferenz, die zum Abschluss der GFFA unter Leitung des Bundeslandwirtschaftsministers stattfindet. Rund 70 Agrarministerinnen und -minister aus aller Welt sowie hochrangige Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen gehören zu den Gästen.