Energiesparen per Vertrag

Nachhaltige Gebäudewirtschaft Energiesparen per Vertrag

Das Auswärtige Amt ist nicht zuständig für die Energiewende – doch beim Haushalten mit Strom und Wärme ist es durchaus Vorreiter. So nutzt es als erstes Bundesministerium das sogenannte Energiespar-Contracting, um den eigenen Verbrauch zu senken.

Gebäude, Auswärtiges Amt,Außenansicht

Gewinn für alle Beteiligten: Energiecontracting für große Gebäude - hier das Auswärtige Amt.

Foto: Stefan Müller

"Contracting" greift dabei das englische Wort "contract" auf und bedeutet "Vertrag". Gebäudeeigentümer beauftragen dabei einen Dienstleister, den sogenannten Contractor, mit der Aufgabe, den Energieverbrauch eines Gebäudes zu senken.

Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit

Der Dienstleister entwickelt ein individuelles Konzept und setzt die notwendigen Maßnahmen um. Dazu gehört auch, dass er die Investitionen finanziert, zum Beispiel eine neue Heizungsanlage.

Ähnlich einem Leasing bezahlt der Gebäudeeigentümer über die Vertragslaufzeit kleinere Beträge, mit denen sich der Contractor refinanziert. Dies geschieht entweder durch Zahlung eines Teils der Energie-Einsparung oder über den Preis für gelieferte Energie. Entsprechend wird zwischen Energiespar-Contracting und Energieliefer-Contracting unterschieden. Die Verträge laufen meist zwischen fünf und zwanzig Jahren.

Eine Investition, die lohnt

Beim Auswärtigen Amt war die Herausforderung für den Energie-Contractor nicht gering. Handelt es sich bei dem Dienstsitz doch um einen sanierten Altbau – die ehemalige Reichsbank – und um einen Neubau. Die beauftragte Firma hat den Energieverbrauch aller Gebäudeeinheiten 2010 ganzheitlich betrachtet und in verschiedene Neuerungen investiert. Dafür wird er über die Vertragslaufzeit bis 2021 an der Ersparnis beteiligt. Mitberaten hat auch die Deutsche Energie Agentur (dena).

Das Ergebnis: Durch das Contracting lässt sich über ein Drittel des Energieverbrauchs zusätzlich einsparen. Das sind jedes Jahr mehr als 600.000 Euro - bis 2021. Schnell wird sich also das Investitionsvolumen von drei Millionen Euro amortisieren.

Zahlreiche Maßnahmen, ein Ziel

Das Bündel an Maßnahmen für diesen Effekt liest sich wie ein gigantischer "Stromsparcheck", den Energieberater üblicherweise auch Privathaushalten empfehlen:

  • der hydraulische Abgleich von Heizung und Kälteanlage, also das sorgfältige Ausregeln der Leitungen des Heiz- beziehungsweise Kältesystems
  • LEDs in Tiefgarage und Kellerfluren. Sie werden abhängig von Lichteinfall und Nutzung gesteuert.
  • Einbau von Wasserspar-Amaturen
  • der Einbau von Strom-, Wasser- und Wärmemengenzählern für einen guten Überblick über den Energieverbrauch.

Herzstück Heiz- und Klimasystem

Diese kleineren Maßnahmen flankieren die größeren Investitionen: der Einsatz einer neuen hocheffizienten Kompressions-Kältemaschine für die Klimatisierung der Räume und die Solarluft-Kollektoranlage. Letztere sorgt dafür, dass von der Sonne erwärmte Außenluft durch die Lüftungsanlage die Heizungswärme ergänzt. Außerdem lassen sich 900 Räume individuell heizen, Heizungs- sowie Kältepumpen wurden erneuert.

Energie-Contracting ist eine Variante von verschiedenen Dienstleistungen, die als marktwirtschaftliche Instrumente die Energie-Effizienz in Deutschland erhöhen. Angeboten wird es vor allem für größere Liegenschaften, zum Beispiel Wohngebäude, Behörden oder Krankenhäuser, allmählich entwickelt sich aber auch Mini-Contracting für Ein- und Zweifamilienhäuser. In Deutschland gibt es rund 500 Unternehmen, die Energieeinspar- oder Energieliefer-Contracting anbieten. Die Bundesregierung hat 2013 mit einer Mietrechtsänderung den rechtlichen Rahmen für Energie-Contracting verbessert. Mit einer weiteren Richtlinie will das Bundeswirtschaftsministerium Contracting-Beratungen noch attraktiver machen.

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