Eileen Krauße

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
herzlichen Dank für die Einladung zur Teilnahme an der Onlinekonsultation zur Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, der ich im Folgenden gerne nachkommen möchte.

Da ich mich seit nunmehr 1,5 Jahren im Klimaschutz engagiere, möchte ich besonders auf Punkt 13 „Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen“ im Entwurf eingehen. Auf den Seiten 244-255 werden vor allem der IPCC und das Pariser Klimaschutzabkommen genannt. Das ist sinnvoll. Dann nennen Sie Emissionsreduktionsziele für Deutschland und das Erreichen der Klimaneutralität bis 2050. Ebenso benennen Sie die Vorreiterrolle Deutschlands, was ich für immens wichtig halte. Der Kohleausstieg 2038 sowie die CO2-Bepreisung ab 2021, die im Klimaschutzgesetz verankert ist, sind aber beides Instrumente, die weder Paris-kompatibel noch klimagerecht sind. Es geht hierbei nicht um politische Kompromisse, sondern darum, ein verbindliches Abkommen einzuhalten. 1,5 Grad ist nicht verhandelbar. Vorher wird beschrieben, wie wichtig es ist, dieses einzuhalten und das jedes verlorene Jahr in der Emissionsreduktion durch stärkere Anstrengungen wieder hereingeholt werden muss. Und genau das ist richtig. Es gibt in Deutschland eine unglaubliche und für Klimaaktivistinnen wie mich nur sehr schwer auszuhaltende Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln. Wir haben in Deutschland kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem. Massiver Ausbau der Erneuerbaren Energien und schnellerer Ausstieg aus der Kohleverstromung, Reduktion des Individualverkehrs auf die Hälfte, keine Rodungen für neue Autobahnen, sondern eine echte Verkehrswende – das wären Instrumente, die die Bevölkerung mittragen würde. Uns reichen keine schönen Worte und Lippenbekenntnisse mehr, wir brauchen Taten. Fridays for Future hat gerade eine Studie in Auftrag gegeben, die berechnet, wie Klimaneutralität in Deutschland bis 2035 möglich wäre. Diese orientiert sich an den ambitionierten Zielen von Paris und nicht an den politischen Kompromissen. Das Klima, die Physik und planetare Grenzen machen keine Kompromisse.
Meine dringende Bitte an Sie ist also: Lesen Sie die Studie des Wuppertalinstituts und setzen Sie die Schritte konsequent um.

Deutschland hat sich eh schon dazu verpflichtet und ein weiteres Aussitzen ist ein Verbrechen an der jetzigen jungen Generation und allen folgenden. Sie haben selbst gesagt, Sie wollen kein „Pillepalle“ mehr in der Klimapolitik, also gehen Sie in Deutschland jetzt endlich mutig voran. Wir Klimaaktivist*innen tragen das mit und stehen hinter Ihnen.

Herzliche Grüße,
Eileen Krauße