Drs. Janine und Hans Kleemann

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Bundesregierung,
wir begrüßen den Dialogprozess zur Nachhaltigkeitsstrategie ausdrücklich und wünschen uns mehr derartige Beteiligungsprozesse sowie mehr Informationen zu derartigen Prozessen, da wir das zum ersten Mal in dieser Form wahrnehmen.

Wir sind ein 4-Personen-Haushalt und schaffen einen CO2-Fußabdruck unter der Hälfte des bundesdeutschen Mittels (lt. CO2-Rechner des Umweltbundesamtes) und würden uns freuen, wenn es gelingt die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass a) wir mit dem Wert etwas weniger exotisch sind und b) den Fußabdruck noch weiter reduzieren können.

Dazu schlagen wir Folgendes vor, priorisiert entsprechend der Relevanz der Themen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz:

1. Nachhaltigkeit und Wachstum
Unserer Auffassung nach widersprechen sich die Nachhaltigkeitsziele der UN in dem Punkt, wo „nachhaltiges Wachstum“ verlangt wird. Stetiges Wachstum kann nicht nachhaltig sein! Wir empfehlen eine Orientierung der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an den Prinzipien des Gemeinwohls bzw. der Gemeinwohlökonomie, welche nach unserer Meinung im Interesse des Staates sein sollten. In diesem Sinn sehen wir eine unverzügliche Reduktion der Treibhausgasemissionen als zentrales Ziel an, um die Treibhausgasneutralität nicht erst 2050 zu erreichen, sondern so schnell es geht. Wir sind überzeugt, nur wenn Deutschland und Europa das schaffen, hat die Erde eine Chance.

2. Verkehrswende
Weniger ist mehr (wert). Wir wünschen uns klare, quantitative Ziele dafür, was „Verkehrswende“ bedeuten soll. Es sollten klare Ziele zur Neuverteilung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene und andere Verkehrsträger formuliert werden, welche sich an Gemeinwohl und Nachhaltigkeit orientieren (nicht am Wachstum). Die Eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge ist unserer Ansicht nach keine Verkehrswende. Die nun beschlossene CO2-Steuer mag zwar symbolisch richtig sein, jedoch ist der Preis pro kg CO2 zu gering und die gleichzeitige Erhöhung der Pendlerpauschale eine indirekte Entlastung für Vielfahrer und Vielverdiener. Ein falsches Zeichen, da diese ohnehin überproportional zur Emission von Treibhausgasen beitragen und als solche eigentlich die Energiewende vorantreiben müssten. Für den Klimaschutz notwendig wäre eine Reduzierung/Streichung der Pendlerpauschale, da sie einen enormen Hebel besitzt, die Verkehrswende zu unterstützen. Den Ausbau der Bahn würde vermutlich beschleunigen, wenn Autobahnplaner nicht übertariflich bezahlt würden, sodass die wenigen Idealisten bei der Bahn mehr Unterstützung bekämen und die zugesagten Fördermittel für die Bahn auch genutzt werden können.

3. Wärmewende
Es braucht mehr Motivation als vorgesehen, vermutlich auch Vorschriften, zur energetischen Gebäudesanierung. Im Neubau sollten unserer Meinung nach ab sofort nur noch Null-/Plusenergiehäuser genehmigt werden bzw. verpflichtend an anderer Stelle erneuerbare Energien erschlossen werden. Die Technologien sind allesamt vorhanden, nur teilweise etwas unspektalär, wenn man z.B. an Solarthermie denkt, welche höchste Wirkungsgrade erreicht und in Kombination mit einer größeren Thermoskanne (i.d.R. reichen ein paar Kubikmeter) durchaus ein Haus über den Winter bringen kann. Wichtig wird außerdem das Thema Holzbau sein, da Zement ein sehr energieintensiver Baustoff ist.

4. Energiewende
Zur Deckung des Bedarfs müssen die Kapazitäten erneuerbarer Energien schnellstmöglich weiter ausgebaut werden. Energieversorger und Netzbetreiber machen ihren Job, sodass größere Versorgungsunsicherheiten bisher nicht aufgetreten sind und durch kontinuierliche Digitalisierung auch zukünftig gut kontrollierbar erscheinen. An guten Tagen werden auch 80% bisher gut vertragen, sodass man sich schneller als bisher geplant der treibhausgasneutralen Versorgung nähern kann und sollte. Um den Umstieg auf erneuerbare Energien zu erleichtern braucht es eine Reform des Energierechts dahingehend, dass dieses auf die Erneuerbaren zugeschnitten wird, nicht auf eine zentrale Versorgung durch Großkraftwerke. Wir bezweifeln auch, dass es vor dem Hintergrund der Welthandelskrise eine gute Idee ist, die Wasserstoffstrategie vorwiegend auf die Versorgung von grünem Wasserstoff aus dem Nahen Osten auszulegen und bekräftigen auch in diesem Zusammenhang die Bedeutung ausreichender Kapazitäten für erneuerbare Energien in Deutschland.

5. Verpackungsmüll
Uns fehlt ein klarer Plan, um Einweg-Plastikverpackungen weitgehend abzuschaffen oder mindestens zusätzlich zu bepreisen. Es geht auch ohne! Wir hatten es fast vergessen, aber unsere solidarische Landwirtschaft, eine Milchtankstelle und der Loseladen am Eck machen es möglich.

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für die Strategie und die Umsetzung,

Drs. Janine und Hans Kleemann