Deutscher Städtetag

Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, Kapitel VII: Zusammenarbeit mit der kommunalen Ebene
Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung stellt einen Mehrebenenansatz dar. Ohne kommunale Beteiligung kann sie nicht mit Leben gefüllt werden. In einem föderalen Mehrebenensystem müssen Staat und Kommunen gemeinsame Verantwortung für die Erreichung der Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (VN) tragen. Der Deutschen Städtetag als Vertretungsorgan von 52 Millionen Menschen in Deutschland hat sich wiederholt  zu den internationalen Nachhaltigkeits- und Klimazielen bekannt und hält es insbesondere nach den Erfahrungen mit der Covid 19-Pandemie für notwendig, bestehende Nachhaltigkeitsstrategien weiterzuentwickeln. Dazu zählt auch ein verändertes Konsum- und Produktionsverhalten.
Um den Beitrag der deutschen Kommunen zur Agenda 2030 aufzeigen zu können, haben bereits 2017 die kommunalen Spitzenverbände, das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global (SKEW) sowie die Bertelsmann Stiftung das Gemeinschaftsprojekt „SDG-Indikatoren für Kommunen“ initiiert. Im Rahmen des Projektes wurden die 17 SDGs und ihre 169 Unterziele der Agenda 2030 auf deutsche Kommunen übertragen. Dabei wurde ermittelt, ob die Ziele der VN relevant für deutsche Kommunen sind und inwiefern die Erreichung der Ziele in ihre Zuständigkeit fällt.
Nach einem breit angelegten Diskussionsprozess unter Beteiligung kommunaler Expertinnen und Experten wurde 2020 die 2. Ausgabe des Handbuchs „SDG-Indikatoren für Kommunen“ veröffentlicht und mit aussagekräftigen kommunalen Indikatoren hinterlegt. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass beispielsweise das Gesundheitsziel 3 mehr in den Blickpunkt gerückt ist. Kommunale Indikatoren bilden bürgernah und praxisorientiert ab, wie die Gesundheitsversorgung vor Ort aufgestellt ist. Nicht alle Indikatoren, die in dem Handbuch beschrieben wurden, sind kostenlos und frei verfügbar. Sie haben aber eine hohe Qualität und stehen zur Auswahl. Alle frei verfügbaren Indikatoren können auf dem SDG-Portal www.sdg-portal.de abgerufen werden. So kann sich jede Kommune mit mehr als 5.000 Einwohnern mit wenig Aufwand einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Andere Kommunen nutzen den Bericht als „Startbilanz“ und verändern, ersetzen oder ergänzen Indikatoren nach den jeweiligen kommunalpolitischen Schwerpunktsetzungen. Die neueste Version des Portals bietet Kommunen außerdem die Möglichkeit, Leuchtturmprojekte einzuspeisen und den eigenen Umsetzungsstand auch im Rahmen von Nachhaltigkeitsberichten zu prüfen. Der Deutsche Städtetag sieht in den SDG-Indikatoren den besten Referenzrahmen, um den  jeweiligen kommunalen Entwicklungsstand der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele zu überprüfen.
Die einfache Handhabung des SDG-Portals und die ansprechende Visualisierung war auch ausschlaggebend für den SDG-Award, den die VN 2019 in sieben verschiedenen Kategorien für eine vorbildliche Umsetzung der weltweiten Nachhaltigkeitsziele vergeben haben. In der Kategorie „Beste Visualisierung“ wurde das SDG-Portal nominiert und bei der Preisvergabe in Bonn im Mai 2019 als eines von drei Projekten im Finale ausgezeichnet. Der Preis hat dazu beigetragen, dass die internationale kommunale Familie auf das Projekt aufmerksam geworden ist. Inzwischen ist das italienische Portal www.sdg-portal.it fertiggestellt und in italienischer und englischer Sprache verfügbar. Weiter befindet sich die Übertragung der Methode für marokkanische Kommunen in der Vorbereitung. Auch die GIZ trägt zu weiteren Verbreitung des SDG-Portals bei.
Die internationale kommunale Zusammenarbeit wird auch im Rahmen des High Level Political Forums (HLPF) der Vereinten Nationen sichtbar. 2021 werden mit der Bundesregierung insgesamt 36 Staaten im Rahmen des HLPF ihre nationalen Berichte zur Umsetzung der Agenda 2030 vorlegen; die Voluntary National Reviews (VNRs). Zahlreiche Kommunen aus aller Welt und mit ihnen die deutschen Städte Mannheim, Bonn und Stuttgart haben Voluntary Local Reviews (VLRs) erstellt, um zu demonstrieren, wie Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gelebt wird und wie die Kommunen zur Erreichung der globalen Ziele beitragen.