Christiane Jedamzik

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrte Damen und Herren,

vorweggesagt, finde ich die Idee die "gesamte Bevölkerung" in den Dialog einzubeziehen sehr gut und originell.
Über die Wichtigkeit und Dringlichkeit  alle Menschen die gewillt sind sich hier mit ihren Ideen einzubringen anzuhören, braucht man nicht weiter zu betonen. Doch nun kommt ein
A b e r !
Warum wurde dieser Entwurf nicht sofort  massenwirksam in den Medien wie Rundfunk, Fernsehen und Zeitung unter die "Menschheit" gebracht?
Ich selbst habe erst am 20.10.2020 durch Parents  for Future davon erfahren.
Für sehr viele Menschen besteht durch zufällige Information ein nicht unbedeutender Zeitverlust.
Ich will hier nicht unterstellen, dass die geringe Verbreitungsaktivität bewusst erfolgte. Ich will auch nicht unterstellen, dass Meinungen und Ideen von "normal gebildeten" und im Familien und Berufsalltag eingebundenen Menschen zwar entgegen genommen aber dann nicht bearbeitet und ihnen geantwortet wird.
Ich will damit auch nicht unterstellen, dass das nur eine Scheineinbezie-hung der Bürger ist, um zu sagen: "Wir haben unserer Bevölkerung mit einbezogen und auch deren Meinungen und Ideen berücksichtigt."

Bekanntermaßen handelt es sich bei dem Entwurf um ein wissenschaftlich fundiertes Papier, an dem schon seit mehreren Jahren und durch hochspezialisierte Gremien gearbeitet wird. Es braucht deshalb viel viel Zeit sich des Dokumentes anzunehmen, es zu studieren, sich Notizen zu machen um dann Vorschläge machen zu können.

Nun zu dem Entwurf

Er ist sehr sehr umfangreich gehalten und deshalb sind konkrete Maßnahmen mit konkreten Realisierungszeiträumen schwer zu finden.
Vorschlag: Dokument auf das Wesentliche zusammenfassen und übersichtlich gestalten.

Der Begriffsinhalt  „Nachhaltigkeit oder nachhaltig „ sollte unbedingt gut definiert am Anfang des Dokumentes stehen, damit es nicht zu Missdeutungen oder anders-Auslegungen dieses  wichtigen Begriffes kommt.
Warum? Der  Begriff Nachhaltigkeit wird umgangssprachlich seit mehr oder weniger längerer Zeit als "nachhaltig positiv für unsere Welt" benutzt.
Aber eigentlich ist a l l e s in der Welt nachhaltig, auch Handlunge n mit negativen Wirkungen. Wenn ich nichts tue, oder wenn ich mich "schurkig und rücksichtslos, egoistisch verhalte, auch wenn ich Gutes tue: Alles ist nachhaltig!
Deshalb meine Vorschläge:

-    Dem Dokument Nachhaltigkeitsstrategie sollte die Begrifflichkeit, dass es sich um einen verantwortungsbewussten Umgang mit den endlichen Ressourcen der Erde handelt, u n b e d i n g t vorangestellt werden.

Eine Formulierung ihrerseits gibt es zwar auf S. 38, diese ist m.E.
verschieden deutbar und nicht eindeutig interpretierbar.
Eine für alle Menschen eindeutige Definition der im Dokument gemeinten    Nachhaltigkeit ist unabdingbar.
Damit wird auch Gegnern ein Argument entzogen, die z.B. sagen:
" Der Abbau von Kohle ist nachhaltig." Was ja auch jeder einsehen würde.

-     Dem Entwurf ist eine Abkürzungsübersicht hinzuzufügen.
Im Text werden oft Abkürzungen verwendet, die man nicht gleich dem
Inhalt zuordnen  kann.

- Für das endgültige Dokument bitte Folgendes anpassen:
Die im Entwurf bisher als Ziel für 2020 genannten Maßnahmen sollten mit Ergebnissen 2020 belegt werden. Oder wenn das noch nicht möglich ist, ein Ziel der folgenden Jahre nennen.

-    Alle bis 2030 bzw. in die Zukunft genannten Ziele sollten zwingen jährlich untersetzt werden.
Das ist absolut nötig, um eine Abrechenbarkeit zu erhalten.
Die Jährlichkeit ist eine Voraussetzung um schnell reagieren zu
können, wenn sich zeigt, dass sich  Maßnahmen verzögern werden.

Weitergedacht bedeutet das auch, dass die Maßnahmen und Ziele der NH-Strategie in die Strategien der Kommunen einfließen und abgestimmt gehandelt werden sollte.
Empfehlenswert wäre ein logischer Handlungs- und Zeitstrahl von oben nach unten
bis zur letzten Gemeinde und dem Bürger.
Nur dann kommen die von der EU und Bundesregierung eingesetzten finanziellen Mittel auch da wirksam an, wo sie dann das bewirken was sie bewirken sollen.

Aus Zeitgründen nenne ich jetzt eine Reihe von kleineren und größeren Maßnahmen die von Ihnen bitte den Punkten und Maßnahmen des Entwurfes zugeordnet werden müssten, was mir jetzt leider nicht möglich ist.
(Meine Formulierungen sind auch nicht perfekt, da ich als berufstätige Frau nur wenig Zeit hatte, dass gut vorzubereiten.)

1.    Reduzierung Stromverbrauch z.B. durch "Verbot" oder Gebot von Stand by. D.h. dass in allen öffentlichen Bereichen "Stand by " so wenig wie möglich erfolgt, am besten gar nicht. Alle Geräte sollten nach Gebrauch ausgeschaltet und später wieder –bei Bedarf - eingeschaltet werden.

2.    Allen öffentlichen Geschäften sollte untersagt werden ihre Türen nach außen offen zu halten. Im bisherigen Geschehen werden dadurch Unmengen von Wärmeenergie  an die Umgebung abgegeben.

3.    Skigebiete müssten zurückentwickelt und Wintersportgebiete nicht weiter ausgebaut werden, da dort besonders energieintensive Schneekanonen eingesetzt werden.  Die Betreibung  zerstört die Uwelt z.B.  durch das  Anlegen von Wasserressours für die Kanonen. Zudem  geben diese viel Wärme an die Umgebung ab. Sie sind absolut Klimaschädlich.
4. Überangebote von Lebensmitteln, Kleidung, Schuhen u.a.  
Konsumgütern in den Geschäften sind durch noch zu definierende  
Maßnahmen oder Gebote unbedingt abzubauen.
Die Erzeugung, der Transport und die Bevorratung dieser Produkte, die dann ja doch keiner kauft (hier ist das Überangebot gemeint) und tonnenweise entsorgt werden, kosten unendlich viel Energie, Zeit, Wasser und Material, welches sinnvoller für Menschen eingesetzt werden könnte, die diese Dinge wirklich benötigen und die Umwelt erhält.

5. Werbung ist in jeder Hinsicht zu begrenzen und einzudämmen.
Gemeint ist der unsinnige Aufwand an Werbematerialien in Form von Werbezeitungen, Hochglanzfotos und Werbeprospekte, die wahllos in Hauseingänge und Briefkästen gesteckt werden. Das erzeugt eine riesige Abfallmenge und es ist schade um den unsinnigen Papier und Transportaufwand dieser Materialien.
Werbesprüche wie: "Kauft drei und bezahlt zwei!"  und ähnliche Sprüche die zu einem hohen Konsum aufrufen sollten unbedingt unterbunden werden. Wir Menschen sollten nur das kaufen was wir wirklich brauchen und nicht, weil es gerade billig ist. Jeder weiß, dass die wirklichen Kosten der Produkte durch Ausbeutung der Natur und Menschen erbracht werden.
Generell sollte Werbung nicht oder nur in ganz begrenztem Maße durch das Finanzamt gefördert werden.

6.  Bei Konsumgütern und Produkten "Sollbruchstellen" abschaffen. Hersteller in die Pflicht nehmen, die nachweislich  ihre Produkte so konstruieren, dass sie nur eine kurze Haltbarkeit haben.

Alle technischen Konsumgüter sollten mit langen Haltbarkeiten hergestellt werden, um alle Ressourcen zu schonen, die zu deren Herstellung nötig sind.
Weiterhin sollten Bedienelemente von verschiedenen Herstellern untereinander kompatibel sein. Z.B. Fernbedienungen,  Stecker u.ä. um Ressourcen zu schonen ( und die Nerven der Menschen).

7.    Errichtung von Dienstleistungszentren.
       Hier können alle zu reparierenden Gegenstände wieder in Ordnung gebracht werden, bzw. gibt es dann kompetente Menschen die zu Kunden fahren, um dort zu reparieren und damit Neukäufe vermeiden. Alternativ dazu auch:
Förderung und Entwicklung von bestehenden bzw. neu entstehenden Reparaturstützpunkten.

8.    Zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft:
Starke Förderung und Bekanntmachung von cradle to cradle Produkten!
Dabei handelt es sich um Produkte die ohne Gift hergestellt werden und keinen Abfall erzeugen, weil sie alle wieder verwertbar sind oder  kompostiert werden können (auch Jeans)!
Hier sind über 11 00 Produkte entstanden und es ist eine weltweite Bewegung geworden!!

9.    Weiterhin Abfallwirtschaft / Recycling effektivieren durch:
         Herstellung von Produkten, deren Materialien eindeutig einer zu verwertenden Abfallart zuzuordnen sind. Keine Mischmaterialien, wo das Produkt nach Gebrauch in den Allgemeinmüll entsorgt und wichtige Materialien der Volkswirtschaft verloren gehen.
Weiterhin bessere Voraussetzungen schaffen um Müll zu trennen. Klarere Hinweise dazu auf den Produkten oder an anderen Stellen. Das sollte auch für Hotels, Gaststätten und das ganze Tourismusgewerbe gelten. Hier wird pauschal zuviel in den Allgemeinmüllgefäßen entsorgt, statt Müll zu trennen. Weiterhin  wird dort  zuviel Einweg verwendet, statt z. Bsp. abwaschbares Geschirr einzusetzen.

10.    Verpackungen effektivieren, d.h. wiederverwertbar herstellen, Verpackungen minimieren.

11.    Harte Strafen gegen Vermüllung und für Müllsünder.
Dazu Kommunen und deren Abfallwirtschaftsbetriebe stärken.
Vermüllungen von Straßen, Straßenbegleitgrün, Straßengräben, Rasenflächen  entgegenwirken. Wir wollen kein Mikroplastik in unserem Grundwasser und in unserer Nahrung.

12. Verbot der Massentierhaltung herbeiführen bzw. in abrechenbaren Zeiträumen zurückentwickeln und Fleischpreise erhöhen.
Agrarflächen sind vor Versiegelungen und Nachfragen für Gewerbegebiete und Lagerhallen zu schützen.
Moore und Wälder sollten schnellstens renaturiert werden.

13. Kreuzfahrtschiffe auf "normales Maß" in Höhe und Breite zurückbauen bzw. ganz abschaffen, da von ihnen und den Massen von Touristen starke Umweltschädigungen ausgehen

14. Individualverkehr einschränken durch z.Bsp. Einsatz von vielen kleinen Bussen zwischen Ortschaften außerhalb von Großstädten.

15. Schnellerer Ausbau Radverkehr in Orten und zwischen Ortschaften.

16. Personennahverkehr attraktiv gestalten. Bahnhöfe wieder für Bahnreisende öffnen und beleben. Bahnverkehr stark ausbauen, Güterverkehrszentren wiederbeleben und Verkehr von Straße auf die Schiene schnell verlagern.

17. Fotovoltaikanlagen besonders auch für Privathaushalte  fördern durch
-    Abschaffung des "Deckels"
•    Abschaffung der Besteuerung des selbsterzeugten Stromes
•    Höhere Preise für von Privaten erzeugtem eingespeißtem Strom ins öffentliche Netz
•    Reduzierung der Bürokratie dazu (Steuererklärung)

Sehr geehrte Damen und Herren,
abschließend möchte ich aus meiner Sicht sehr gute Sätze aus dem Entwurf an den Schluss meiner Ausführungen stellen:

Aus Pkt. ll.1 S. 13:
"Die bisherigen Anstrengungen reichen bei weitem nicht aus um einen umfassenden  nachhaltigen Entwicklungspfad einzuschlagen.
Die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen nehmen global, kritische Ausmaße an!"
"Das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung ist in allen Ländern deshalb ins Zentrum der Regierungspolitik zu rücken und sollte in ganzer Breite handlungsleitend werden."

Damit wird betont, dass wir alle nur noch wenig Zeit haben um alle Ziele zu realisieren.

Sehr geehrte Damen und Herren,
leider besteht zurzeit wenig Hoffnung alles Genannte in der Geschwindigkeit zu schaffen, wie sie erforderlich wäre.
Zudem wird den jetzigen Strukturen nicht voll vertraut.

Beispiel der Abweichung von schön und umfangreich geschriebenem Programm und der Wirklichkeit:

1.    Genehmigung der Abholzung des Dannenröder Waldes in Hessen für einen Autobahnausbau!!!
2.    Ergebnisse der Agrarreform und einer falschen Subventionspolitik
3.    Freihandelsvertrag EU mit Argentinien, Brasilien und Uruguay,
Hier sollen Autos gegen Rindfleisch „gegen gerechnet bzw. geliefert werden. Ein riesiges Plus für unsere Autoindustrie
und eine potenziertes Minus für die Umwelt (Abholzung Regenwald)

Den bereits genannten  negativen Beispielen könnten leider jede Menge dazugefügt werden. Besonders schlimm: Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur!

Um dem kapitalistischen ungebremsten Profitstreben einen Riegel vorzuschieben bedarf es m.E. mehr Staat und wesentlich weniger Markt

Lobbyismus für ungebremsten quantitativen Konsum muss unterbunden werden!!!
Dann ist auch alles zu schaffen und wir werden eine schöne Zukunft haben.

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Jedamzik