Christiane Bodammer

Sehr geehrte Damen und Herren,
so ziemlich auf den letzten Drücker möchte ich auch die Chance nutzen und mich am Dialog für die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2021 beteiligen. Auf einen Themenbereich, der mir besonders wichtig sind, möchte ich dabei eingehen: die nachhaltige Digitalisierung
Als Ziel hat die Bundesregierung formuliert, dass sie als „Vorreiter einer nachhaltigen Digitalisierung weltweit Impulse setzen“ möchte. Denn „Digitale Technologien und Geschäftsmodelle haben einen relevanten sozialen und ökologischen Fußabdruck“. Jawohl, das stimmt und das ist wichtig. Doch sucht man konkrete und wirksame Ziele wird man in dem Entwurf zur Nachhaltigkeitsstrategie nicht sehr fündig. So findet sich z.B. in der Aufzählung der milliardenschweren Investitionen im Digitalbereich (S. 23), die im Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket zur Corona-Pandemie vorgesehen sind, kein Hinweis, dass hier auch Nachhaltigkeitsaspekte mitgedacht werden. Doch wir brauchen „Sustainability by Design“.
Und auch ansonsten kann ich nur sehr zaghafte Zielsetzung erkennen, die negativen Auswirkungen der Digitalisierung zu reduzieren.  Z.B. S. 309 ff
+ Im Indikatorenbereich zu SDG 8 heißt es unter „Globale Lieferketten“, dass „die menschenwürdige Arbeit weltweit ermöglicht“ werden soll. Als Indikator wird die Anzahl der Mitglieder des Textilbündnisses betrachtet, die man als Ziel schließlich bis 2030 signifikant steigern möchte.
+  Zu SDG 12 heißt es zum Thema „Nachhaltiger Konsum“, dass man bis 2030 den Marktanteil von Produkten und Dienstleistungen, die mit glaubhaften und anspruchsvollen Umwelt- und Sozialsiegeln ausgezeichnet sind, auf 34% steigern möchte.
+ ebenso zu SDG 12 zum Thema „Nachhaltige Produktion“ möchte man, dass bis 2030   5.000 Organisationsstandorte EMAS validiert sein sollen.
+ und bei SDG 12 zum Thema „Nachhaltige Beschaffung“ | “ Vorbildwirkung der öffentlichen Hand für nachhaltige öffentliche Beschaffung verwirklichen“,  definiert die Bundesregierung nur das Ziel, den Anteil des Papiers mit Blauem Engel am Gesamtpapierverbrauch der unmittelbaren Bundesverwaltung auf 95 Prozent bis 2020 zu steigern.
Ambitioniertes, entschiedenes, nachhaltiges Handeln geht anders!!!
Die Dialogfassung identifiziert die Probleme an vielen Stellen sehr richtig, doch die geplanten Ziele sind dagegen banal. Warum gibt es keine Vorhaben zur nachhaltigen Beschaffung von Hard- und Software? Einige anwendbare Kriterien finden sich bereits in den Vergabeanforderungen des Blauen Engels zu Software- und Hardwareprodukten, andere z.B. zur menschenwürdigen Beschaffung von Ressourcen und menschenwürdigen  Arbeitsbedingungen mit fairen Löhnen müssten definiert und angewendet werden.
Und was die nachhaltige Beschaffung hinsichtlich des Anteils von Papier mit Blauem Engel betrifft, da ist ja die Arbeit schon fast erledigt!!! Das beschriebene Ziel für 2020 ist: Der Anteil soll  95% betragen. Das ist dann ja sicher bis 31.12.2020 erreicht!
Noch eine abschließende Bemerkung zu den Ausführungen zu EMAS (S. 237 ff): EMAS ist sicher ein gutes Instrument, um vor allem die Umweltwirkungen eines Unternehmens, einer Organisation kontinuierlich weiterzuentwickeln. Doch offenbar interessiert das die Unternehmen und Organisationen nur recht wenig. Die Bilanz ist mager: EMAS gibt es seit 1993 und seitdem wurde die Verordnung zweimal angepasst. 2020 sind in Deutschland derzeit erst 1121 deutsche Organisationen mit 2213 (Stand 29.10.2020) Standorten validiert – das ist angesichts der großen Anzahl von Unternehmen - 3,5 Mio rechtliche Einheiten- wirklich kein Grund zum Jubeln. Von den Ministerien sind bisher erst das BMU und das BMZ (Bonn) validiert. Prima also, dass „ bis 2025 alle obersten Bundesbehörden sowie weitere Bundesbehörden an zusätzlich 300 Standorten ein Umweltmanagementsystem ein(führen), wobei sich alle Bundesministerien beteiligen“.
Mit herzlichen Grüßen
Christiane Bodammer