Schutz gegen Sturm und Starkregen 

Klimawandel und Infrastruktur Schutz gegen Sturm und Starkregen 

Der Klimawandel beeinträchtigt in Deutschland Gebäude, die Energieversorgung und den Verkehr. Im Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung hat die Bundesregierung den „ Aktionsplan Anpassung III“ (APA III) beschlossen. Er enthält mehr als 180 Maßnahmen aller Bundesressorts zur Klimaanpassung – darunter zahlreiche für die Infrastruktur.

Renaturiertes Fließgewässer: Hellbach / Flusssystem der Emscher (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

Der Hellbach im Ruhrgebiet ist ein Beispiel für gelungene Renaturierung. Vorher war er ein offener, oberirdischer Schmutzwasserkanal.

Barrierefreie Beschreibung anzeigen

Foto: mauritius images / Rupert Oberhäuser

Um Risiken für die Bevölkerung, die natürlichen Lebensräume und für die Volkswirtschaft vorzubeugen, setzt die deutsche Anpassungsstrategie (DAS) seit 2008 einen bundesweiten Handlungsrahmen. Der APA III ist Teil der Strategie. 

1.    Risiken und Fakten

Bauwesen

Der Klimawandel verstärkt Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen. Damit beeinflusst er auch den Bereich Bauen und Wohnen erheblich. Wichtig ist es, Menschen und Sachwerte vor diesen Risiken zu schützen. Dabei ist die rasche Umsetzung von Maßnahmen entscheidend, da es dauert, bis sie eine Wirkung zeigen. So vergehen mehr als 50 Jahre, bis beispielsweise mehr Stadtbegrünung nachhaltige Effekte erzielt.   

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Urbanisierung zu immer stärkerer Bebauung der Städte geführt. Auch deshalb gibt es immer weniger Grünflächen in deutschen Großstädten. Dabei hat gerade das städtische Grün eine erhebliche Schutzfunktion bei Klimarisiken wie Hitzewellen. Die zunehmende Bebauung und Versiegelung in Städten begünstigt so genannte städtische „Wärmeinseln“. Das bedeutet, dass Ballungsräume im Vergleich zur ländlichen Umgebung stärker erhitzen. Dort können bodennah deutlich höhere Lufttemperaturen gemessen werden.  

Hochwasserereignisse stellen ebenfalls immer öfter eine große Herausforderung für das Bauen in Deutschland dar. Expertinnen und Experten rechnen mit einer weiteren Zunahme von Starkregen in den nächsten Jahren. 

Der Klimawandel führt durch die zunehmenden Hitzeperioden vermehrt auch zu hohen Temperaturen in Innenräumen. Steigende Temperaturen können sich negativ auf die Luftqualität in Gebäuden auswirken. 

Energiewirtschaft

Der Klimawandel wirkt sich schon jetzt auf fast alle Bereiche der Energiewirtschaft aus. Veränderte Wetterereignisse können die Versorgung mit Erneuerbaren Energien entscheidend beeinflussen. Klimafolgen wirken sich auch auf die Energiegewinnung in Atom-, Kohle- und thermischen Kraftwerken aus. Beispielsweise kann Kühlwasser im Produktionsprozess knapp werden, weil es in Niedrigwasserperioden nicht ausreichend zur Verfügung steht. 

Der Klimawandel beeinflusst andererseits auch die Energienachfrage: In milden Wintern wird weniger geheizt, in heißen Sommern laufen die Klimaanlagen. Dabei kann es auch zu Problemen bei der Energieversorgung kommen. Bei Niedrigwasser in Hitzeperioden ist der Transport von Energieträgern wie Kohle und Öl auf Flüssen zum Teil eingeschränkt. Heiße Sommer beeinträchtigen möglicherweise in Kraftwerken die Stromversorgung, weil Kühlwasser fehlt. Expertinnen und Experten warnen auch davor, dass hohe Temperaturen die Leistung von Photovoltaikanlagen einschränken können. Bei starkem Sturm müssen Windenergieanlagen abgeschaltet werden. 

Verkehr und Verkehrsinfrastruktur

Der Verkehrssektor ist ganz besonders anfällig für Extremwetter und daher stark durch Klimawandelfolgen betroffen. So verursachen Überflutungen, Stürme und andere Extremwetterereignisse häufig erhebliche Schäden an der Verkehrsinfrastruktur oder hindern den Verkehr selbst. 

Das gilt für alle Verkehrsbereiche: Straßen, Wasserwege, Flug- und Schienenverkehr. Niedrigwasser beeinträchtigt die Schiffbarkeit der Flüsse, Hochwasser überflutet Straßen und Schienen. Stürme verhindern das Starten und Landen von Flugzeugen.  
 

2.    Anpassungsmöglichkeiten und Maßnahmen

Bauwesen

Bodenentsiegelung, Flächenrecycling, mehr Grünflächen und -dächer sowie Seen und Kleingewässer im urbanen Raum sind einige Stichworte für die zahlreichen Klimaanpassungsmaßnahmen, die im Rahmen der Städtebauförderung vorgenommen werden. Im Bundeshaushalt 2021 stehen insgesamt 790 Millionen Euro für die Programme der Städtebauförderung zur Verfügung. Kommunen können mithilfe des Bundesprogramms zur „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ Projekte mit hoher Wirksamkeit für Klimaschutz und Klimaanpassung verwirklichen. Im Rahmen des Förderprogramms „Energetische Stadtsanierung – Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier“, für das 2021 rund 70 Millionen Euro zur Verfügung stehen, unterstützt das Bundesinnenministerium unter anderem eine wassersensible Quartiersgestaltung.

Nötig sind effektive Maßnahmen, um Gebäude und Flächen nachhaltig an die Klimaentwicklung und ihre Folgen anzupassen. Bei Neubauten und Renovierungen empfehlen Expertinnen und Experten klimaangepasste Baumaterialien. Um Hochwasserschäden zu vermeiden, raten Fachleute zu konsequenterem Freihalten hochwassergefährdeter Flächen und der Begrenzung bebauter Fläche pro Kopf. 

Im dicht bebauten städtischen Umfeld kann mehr Raum für Natur und Grün ein Schlüssel zur Abmilderung der Klimafolgen sein. Nachhaltige Bewässerungssysteme müssen dabei von Anfang an mit einplant werden. Gegen die Belastung von Innenräumen können Fassaden- und Dachbegrünung sowie die technische Regulierung des Innenraumklimas  helfen. Notwendig sind vorausschauende und nachhaltige Planungen. Dafür müssen die Behördenstrukturen und die finanzielle Ausstattung angepasst werden. In diesem Bereich gibt es bereits weitreichende Anstrengungen. 

Energiewirtschaft

Expertinnen und Experten empfehlen in diesem Bereich zum Beispiel energieeffizientes Bauen. So mindern energiesparende Gebäude den Energieverbrauch erheblich. Auch die Finanzwirtschaft kann im Bereich Energiewirtschaft ihren Beitrag leisten und durch gezielte Investitionen den Ausbau von erneuerbaren Energien unterstützen.  

Im Bereich Verkehr und Verkehrsinfrastruktur

Auch für den Bereich Verkehrsinfrastruktur enthält der APA III zahlreiche Anpassungsmaßnahmen. Dazu zählen unter anderem die Verbesserung von Vorhersagesystemen und Prognosen mit Blick auf die Schiffbarkeit von Wasserstraßen und die Wahrscheinlichkeit von Schäden an Straßen, Schienen, Verkehrsleitsystemen und Stromversorgungsanlagen. Diese Erkenntnisse erleichtern das klimafeste Arbeiten und Planen. Beispielsweise nimmt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) in der täglichen Arbeit den Aspekt Klimawandel systematisch auf. Konkret arbeitet das „WSV-Climate-Proofing“ mit Fortbildungsprogrammen, Datendiensten und Leitfäden.  

3.    Ideen für künftige Maßnahmen

Die Folgen des Klimawandels treffen auch die Bereiche Bau, Energie und Verkehr erheblich. Langfristig sind Anpassungsmaßnahmen in allen Bereichen unverzichtbar, um die ökonomischen und ökologischen gesellschaftlichen Grundlagen zu sichern. Nur vorausschauende Planung kann die Folgen des Klimawandels mildern. 

Expertinnen und Experten empfehlen zudem, auf naturbasierte Lösungen zu setzen, denn viele Untersuchungen belegen hier ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ein Beispiel für die konkrete Umsetzung naturbasierter Lösungen ist der Masterplan Stadtnatur der Bundesregierung. Städte und Gemeinden können ab dem 1. Dezember 2021 finanzielle Unterstützung für ihre Vorsorge gegen Klimarisiken bekommen. Im Fokus des BMU-Programms Programms „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ steht der Aufbau eines nachhaltigen Anpassungsmanagements in Kommunen.

Schlagwörter