Land- und Forstwirtschaft

Grafik zum Ökolandbau (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

2030 sollen doppelt so viele Flächen ökologisch bewirtschaftet werden wie heute. Bund und Länder fördern das pro Jahr mit fast 110 Millionen Euro.

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Foto: Bundesregierung

Vor allem durch Tierhaltung und Düngung trägt die Landwirtschaft mit rund neun Prozent zu den deutschen Treibhausgasemissionen bei. Die Emissionsbilanz der Landwirtschaft lag im Jahr 1990 noch bei fast 90 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. 2020 sind sie nach der Klimaschutzbilanz des UBA auf 66 Millionen Tonnen gesunken. Für den Rückgang um 24 Prozent sorgten vor allem die abnehmenden Tierbestände in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung und ein geringerer Einsatz von Mineraldünger. 

Mit der Novelle des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung die Zielvorgabe zur Treibhausgasminderung für die Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 neu festgelegt. Der Sektor darf dann noch höchstens 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausstoßen. Die weiteren jährlichen Minderungsziele für die 2030er Jahre werden im Jahr 2024 festgelegt. Mit dem Sofortprogramm 2022 will die Bundesregierung auch den Landwirtschaftssektor bei der Umsetzung der neuen Klimaschutzziele zusätzlich unterstützen.

Stickstoffdünger reduzieren

In der Landwirtschaft werden Treibhausgase vor allem durch Tierhaltung und den Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel freigesetzt. Mit der neuen Düngeverordnung vom 1. Mai 2020 sollen die Stickstoffüberschüsse sowie die Stickstoff- und Ammoniak-Emissionen in der Landwirtschaft gezielt vermindert werden. Auch wenn landwirtschaftliche Emissionen voraussichtlich langfristig nicht vollständig zu vermeiden sein werden, müssen sie so weit wie möglich reduziert werden.

Landwirtschaftliche Treibhausgase: Methan und Lachgas
Methan entsteht überwiegend in der Tierhaltung beim Verdauungsvorgang (hauptsächlich durch Rinderhaltung) sowie durch Wirtschaftsdünger aus Gülle. Methan ist rund 25-mal so klimaschädlich wie CO2. Lachgas wird durch das Einbringen stickstoffhaltiger sowie tierischer Dünger in die Böden freigesetzt. Es ist etwa 300-mal so klimaschädlich wie CO2.

Öko-Landbau verdoppeln

Der Anteil des ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlichen Fläche soll von derzeit 9,7 Prozent bis zum Jahr 2030 auf 20 Prozent steigen. Durch die Ausweitung können zwischen 0,4 bis 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten jährlich eingespart werden. Dies liegt in erster Linie an der Einsparung von Mineraldüngern, bei deren Herstellung Treibhausgase entstehen.

Bund und Länder fördern den Öko-Landbau im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz jährlich mit fast 110 Millionen Euro. Das "Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft" wurde deutlich aufgestockt: Allein 2021 stehen dafür im Bundeshaushalt gut 33 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Bundesregierung will die rechtliche und finanzielle Förderung besonders umweltfreundlicher und nachhaltiger Landbewirtschaftungsverfahren wie den ökologischen Landbau weiterentwickeln und optimieren. Mit den Neuregelungen zur Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) soll ab 2023 beispielsweise ein Viertel der Direktzahlungen an noch höhere Umwelt- und Klimaleistungen geknüpft werden. Insgesamt sind für jeden geförderten Hektar künftig höhere Umwelt- und Klima- und Tierschutzauflagen vorgesehen.

Klimaschützende Landnutzung

In Wäldern und Böden sind große Mengen an CO2 gebunden. Entsprechend liegt ein enormes Klimaschutzpotenzial im Erhalt und nachhaltigen Ausbau der Wälder. Entscheidend sind auch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verwendung von Holz, zum Beispiel als Baustoff. Außerdem ist es wichtig, Dauergrünland zu erhalten und Moorböden wieder zu vernässen.

Diese Senken zu erhalten, ist Voraussetzung dafür, die in Paris vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen. Die Bundesregierung hat in die Novelle des Klimaschutzgesetzes vom 12. Mai 2021 eine Zielvorgabe für den Erhalt und den Ausbau der natürlichen Senken aufgenommen. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, werden mehr natürliche Senken benötigt. Denn so können die unvermeidbaren Restemissionen von Treibhausgasen kompensiert werden, etwa aus der Viehhaltung oder bestimmten Industrieprozessen. Nach dem Jahr 2050 strebt die Bundesregierung negative Emissionen an. Dann soll Deutschland mehr Treibhausgase in natürlichen Senken einbinden, als es ausstößt.

Es braucht einen längeren zeitlichen Vorlauf, um trockene Moore wieder zu vernässen und Wälder aufzuforsten. Bund und Länder stellen bereits rund 1,5 Milliarden Euro für Maßnahmen wie Wiederaufforstungen und den Umbau zu klimaangepassten Mischwäldern bereit. Mit den geplanten Sofortprogramm 2022 will die Bundesregierung die Landwirtschaft zusätzlich unterstützen, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Klimaschutz sichert Ernährungsgrundlagen

Die Landwirtschaft ist einerseits selbst unmittelbar vom Klimawandel betroffen und hat daher ein großes Interesse sich anzupassen. Andererseits leistet sie durch die nachhaltige Erzeugung biogener Rohstoffe einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ihre Kernaufgabe ist es, die Ernährung auf nachhaltige Weise sicherzustellen und Rohstoffe für andere Zwecke zu produzieren, zum Beispiel Bioenergie und Fasern. Auch deshalb ist es wichtig, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen.

Die Bundesregierung fördert Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, um weitere Potenziale für die Anpassung an die Klimaänderung und die Minderung von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft zu erschließen.

Deutschlands Landwirtschaft soll durch einen Maßnahmen-Mix klimafreundlicher werden:
 - Weniger Stickstoffüberschüsse
 - Mehr Ökolandbau
 - Weniger Emissionen in der Tierhaltung
 - Erhalt und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Holzverwendung
 - Energieeffizienz in der Landwirtschaft
 - Humuserhalt und Humusaufbau im Ackerland
 - Erhalt von Dauergrünland
 - Schutz von Moorböden/Reduktion von Torfeinsatz in Kultursubstraten
 - Stärkung nachhaltiger Ernährungsweisen inklusive Vermeidung von Lebensmittelabfällen