Beschlüsse für mehr Tempo beim Klimaschutz

26. UN-Klimakonferenz Beschlüsse für mehr Tempo beim Klimaschutz

Zum ersten Mal in der Geschichte der Weltklimakonferenzen haben sich alle Staaten auf eine beschleunigte globale Energiewende weg von der Kohleverbrennung geeinigt. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, sollen die Vertragsstaaten ihre Klimaziele bis 2030 schon im kommenden Jahr nachbessern.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth bei den Abschlussverhandlungen auf der Weltklimakonferenz in Glasgow.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth bei den Abschlussverhandlungen auf der Weltklimakonferenz in Glasgow.

Foto: BMU/Sascha Hilgers

Die 26. Weltklimakonferenz (COP 26) in Glasgow ging mit weitreichenden Beschlüssen für den internationalen Klimaschutz zu Ende. Unter Beteiligung der deutschen Verhandlungsdelegation hielt die Staatengemeinschaft erstmalig fest, dass die Energiegewinnung durch das Verbrennen von Kohle schrittweise abgebaut werden soll. Außerdem sollen ineffiziente Subventionen für Öl, Gas und Kohle der Vergangenheit angehören.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte: „Diese Konferenz hat gezeigt, dass die Welt ein gemeinsames Ziel verfolgt, eine klimaneutrale Weltwirtschaft. Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild.“

Erderwärmung schneller eindämmen

Die Vertragsstaaten hoben hervor, dass es noch mehr nationale Bemühungen in diesem Jahrzehnt geben muss, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Abschlusserklärung von Glasgow fordert deshalb die Staaten auf, schon 2022 ihre Klimaziele bis 2030 zu verbessern. Künftig soll zudem nicht nur alle fünf Jahre, sondern jährlich weltweit überprüft werden, wie groß die Lücke zum 1,5 Grad-Ziel noch ist. Die Europäische Union hat strengere Klimaschutzziele bereits gesetzlich verankert. Deutschland will schon 2045 klimaneutral werden und bis 2030 den Treibhausgasausstoß um mindestens 65 Prozent senken.

„Glasgow bringt eine deutliche Beschleunigung für den Klimaschutz, und mehr Tempo ist auch erforderlich. Die 20er Jahre sind das Jahrzehnt, in dem die Weltgemeinschaft die entscheidenden Fortschritte machen kann und muss“, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Überblick über die zentralen Beschlüsse der 26. Weltklimakonferenz

Auf der Weltklimafonferenz in Glasgow einigten sich die teilnehmenden 197 Staaten auf mehrere Schritte, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Foto: Bundesregierung

Unterstützung für Entwicklungsländer

Um dem Klimawandel weltweit zu begegnen, benötigen vor allem die Entwicklungsländer Unterstützung. Das gemeinsame Ziel der Industrieländer, dafür jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren, wird voraussichtlich ab 2023 erfüllt. Deutschland übertraf bereits 2019 seine Zusage, die internationale Klimafinanzierung bis zum Jahr 2020 auf vier Milliarden Euro zu steigern. Außerdem will Deutschland perspektivisch seinen Beitrag bis spätestens 2025 auf sechs Milliarden Euro erhöhen.

Grafik mit dem deutschen Beitrag zu internationalen Hilfen gegen den Klimawandel

Deutschland ist einer der wichtigsten Geldgeber im Kampf gegen den Klimawandel. 

Foto: Bundesregierung

In Glasgow einigten sich die Staaten darauf, die Hilfen für die Anpassung an Folgen des Klimawandels bis 2025 zu verdoppeln. Deutschland stockt seine multilateralen Investitionen in die Anpassungsfinanzierung um weitere 150 Millionen Euro auf. Mit 100 Millionen Euro des Bundesentwicklungsministeriums wird der Fonds der Globalen Umweltfazilität für die ärmsten Länder gestärkt, mit 50 Millionen Euro des Bundesumweltministeriums der Anpassungsfonds. Deutschland trägt insgesamt rund zwei Milliarden Euro pro Jahr zur internationalen Anpassungsfinanzierung bei und zählt damit zu den führenden Gebern.

Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Abkommens

Ein weiterer Erfolg der 26. Weltklimakonferenz: ein gemeinsames Regelwerk für den internationalen Klimaschutz. Um Klimaziele besser überprüfen und vergleichen zu können, gelten künftig einheitliche Berichtspflichten und Bezugszeiträume von fünf Jahren. Beim Handel mit Emissionszertifikaten, die Staaten untereinander handeln können, ist es gelungen, Schlupflöcher auszuschließen, so dass Klimaschutzleistungen nicht doppelt angerechnet werden können.

Plädoyer für CO2-Bepreisung

Bei der Auftaktsitzung der Staats- und Regierungschefs am 1. November erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir müssen – und ich sage auch: wir können – das Pariser Abkommen umsetzen.“ Die Weltgemeinschaft werde mit staatlichen Aktivitäten alleine jedoch nicht vorankommen. „Sondern es geht um eine umfassende Transformation unseres Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens“, so Merkel.

05:27

Video Kanzlerin Merkel bei der Weltklimakonferenz

Die Kanzlerin hob die CO2-Bepreisung als geeignetes und wirtschaftlich vernünftiges Instrument hervor, weltweit Industrie und Wirtschaft dazu zu bringen, die technologisch besten und effizientesten Wege zu finden, um Klimaneutralität zu erreichen. Außerdem betonte Merkel das Ziel, den Waldverlust global bis 2030 zu stoppen.

Klimaschutz konkret umsetzen

Die Weltklimakonferenz bringt konkrete Fortschritte für einzelne Klimaschutzmaßnahmen. Deutschland hat eine Initiative angekündigt, die Südafrika dabei unterstützen soll, die Energiegewinnung durch das Verbrennen von Kohle zu beenden. Eine weitere Allianz mehrerer Länder sieht vor, dass die Unterzeichnerstaaten – darunter auch Deutschland – bis Ende 2022 keine staatlichen Mittel mehr in Kohle-, Erdöl- und Erdgasprojekte in anderen Ländern investieren. Ausnahmen gelten beispielsweise für Gasanlagen, die künftig mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben werden können. Deutschland hat außerdem zusammen mit rund hundert Ländern zugesagt, den Ausstoß des besonders klimaschädlichen Treibhausgases Methan bis 2030 um 30 Prozent zu verringern.