EDDA fährt geräuschlos

Neue Hightech-Strategie EDDA fährt geräuschlos

Steigende Kraftstoffpreise und der Wunsch nach weniger Lärm und Abgasen macht Elektrobusse attraktiv, die ohne Oberleitung fahren können. Ein Thema der Zukunftsaufgabe "Intelligente Mobilität" der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Projekt des Fraunhofer IVI Instituts, Intelligente Mobilität

EDDA-Bus auf dem blauen Wunder

Foto: Fraunhofer IVI

Etwas war anders für die Fahrgäste des Busses der Linie 61 in Dresden. Der Bus fuhr fast geräuschlos zwischen Gruna und Löbtau – sehr angenehm. Heute kommen wieder die herkömmlichen Fahrzeuge. Aber mancher erinnert sich noch an EDDA, den Elektrobus, der hier in einer Pilotphase bis Januar verkehrte.

Herausforderung Reichweite

Projekt des Fraunhofer IVI Instituts, Intelligente Mobilität

Ein ganz normaler Bus, nur sehr leise

Foto: Fraunhofer IVI

Skeptiker der Elektromobilität bemängeln die geringe Reichweite selbst bei sehr leichten Fahrzeugen - und die lange Ladezeit der Batterien. Vor diesem Hintergrund ist ein Elektrobus im städtischen Linienverkehr eigentlich undenkbar. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme haben das Problem aber gemeinsam mit verschiedenen Industriepartnern gelöst. In vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekten gelang es zuletzt zu zeigen, dass ihr EDDA-Bus ganz normal im Linienverkehr eingesetzt werden kann.

Ganz schnell aufladen

Projekt des Fraunhofer IVI Instituts, Intelligente Mobilität

Ladestation an der Endhaltesstelle

Foto: Fraunhofer IVI

Die Abkürzung EDDA erklärt Thoralf Knote vom Fraunhofer-Institut nicht mehr so gerne. Die ursprüngliche Arbeits-Kurzbezeichnung für "Elektromobilitäts-Demonstration Docking-Anwendung – Bus" hat sich irgendwann verselbstständigt. Kern der Abkürzung ist Docking. Heute sprechen die Forscher lieber von Gelegenheitsladung oder englisch "Opportunity Charging" - und genau hier liegt der Kern der Sache: Die Forscher entwickelten eine Ladestation für die Endhaltestelle des Busses. Der Fahrer muss den Bus nicht punktgenau platzieren. Automatisch senkt sich eine Art Kran auf das Dach des Fahrzeugs, sucht den Anschluss und stellt die elektrische Verbindung her. Extrem schnell beginnt der Ladeprozess, der nur etwas mehr als vier Minuten dauert. Danach reicht der Strom für eine neue Runde. Die Zeit ist schon fast zu kurz für die wohlverdiente Pause des Busfahrers, der beim automatischen Laden nichts machen muss.

Die Idee geht noch einen Schritt weiter. Erprobt wurden auch Pulsladungen, bei denen in nur 15 Sekunden Energie mit hoher Spannung nachgeladen wird. Das ist gerade die Zeit, die ohnehin an einer normalen Haltestelle für das Ein- und Aussteigen benötigt wird.

Wenn der Bus nachts im Depot steht, werden die Speicher natürlich in aller Ruhe voll aufgeladen. Danach klappt dann ein ganz normaler Linienverkehr, unterbrochen nur von den Gelegenheits- oder Pulsladungen.

Nach 10 Jahren in der Praxis

Projekt des Fraunhofer IVI Instituts, Intelligente Mobilität

Der Arm sucht sich den Kontakt

Foto: Fraunhofer IVI

An der Umsetzung des vollelektrischen Busbetriebs nach dem Docking-Prinzip arbeitet das Fraunhofer Institut seit mehr als 10 Jahren. Als Docking-Prinzip wird ein neues Antriebs- und Energieübertragungskonzept für Fahrzeuge des öffentlichen Personen-Nahverkehrs bezeichnet. Sie besteht aus einem speziell entwickelten Akku und Schnellladeeinrichtungen an Haltestellen.

Die Praxiserprobung dauerte ein halbes Jahr. EDDA legte dabei über 18.000 Kilometer zurück, darunter auch einen Streckenteil mit starker Steigung.  Zu 98 Prozent funktionierten alle Komponenten einwandfrei. Die Fahrgäste äußerten sich in einer Befragung sehr positiv.

"Die Technik funktioniert", sagt Projektleiter Knote, "nun gilt es Verkehrsbetriebe und Kommunen für unseren Bus zu begeistern." Eigentlich müsste das einfach sein, denn die Technik funktioniert, die Stromkosten sind nicht zu hoch. Vor allem erzeugt der Bus weder Lärm noch Abgase. Und sauberen Nahverkehr brauchen Städte und Gemeinden sehr dringend.

Es gibt natürlich immer noch etwas zu verbessern. Dazu wird es weitere Erprobungen im normalen Busverkehr geben. Interesse bei den Verkehrsunternehmen ist vorhanden.

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