Der Assistent aus dem Verkehrslabor

Neue Hightech-Strategie Der Assistent aus dem Verkehrslabor

Mit neuen Assistenzsystemen den Straßenverkehr sicherer machen- Wissenschaftler beschäftigen sich im "Verkehrslabor Braunschweig" täglich mit diesem Thema. Intelligente Mobilität ist eine der sechs Zukunftsaufgaben der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Forschungsfahrzeug in Braunschweig

Beim Fahren wissenschaftlich beobachtet

Foto: Sebastian Bolesch

Ein ungewöhnlicher Mast steht an einer Straßenkreuzung im Norden Braunschweigs. An dieser vierspurigen „Forschungskreuzung“ überwachen mehrere Kameras und Geräte Tag und Nacht den kompletten Verkehrsfluss. Das Gleiche geschieht an einem Bahnübergang.

AIM Braunschweiger Forschungskreuzung

Braunschweiger Forschungskreuzung

Foto: DLR (CC-BY 3.0)

Neben dem Kraftverkehr wird auch das Verhalten von Radfahrern und Fußgängern mithilfe von Videokameras und Radaranlagen analysiert. Die Forscher legen dabei ein besonderes Augenmerk auf kritische Situationen. Das ist beispielsweise, wenn sich die Wege von rechts abbiegenden Autos mit denen von Fußgängern und Radfahrern kreuzen.

Beinahe-Unfälle analysieren

"Wir sind in der Lage, mit den Daten der Forschungskreuzung Beinahe-Unfälle zu analysieren, über die sonst keine Informationen vorliegen. Faktoren, die zu solchen Situationen führen, können damit frühzeitig bei der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen berücksichtigt werden", sagt Professor Karsten Lemmer, Leiter des Instituts für Verkehrssystemtechnik im deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

AIM Braunschweiger Forschungsbahnübergang

Forschungs-Bahnübergang

Foto: DLR (CC-BY 3.0)

Insbesondere geht es den Forschern darum, gefährliche Situationen zu analysieren. Durch die detaillierte Aufzeichnung kann untersucht werden, wie es zu der Gefahrensituation kam und wie abgeholfen werden kann. Wurde beispielsweise ein Radfahrer zu spät erkannt, so lassen sich die Ursachen feststellen und prüfen, ob ein neues Fahrerassistenzsystem geholfen hätte, rechtzeitig zu warnen, auszuweichen oder zu bremsen.

Das Labor umfasst allerdings auch zahlreiche private Fahrzeuge, die speziell ausgerüstet sind. Sie erfassen, wie die Fahrerin oder der Fahrer Gas gibt, wie er lenkt und bremst. Gleichzeitig werden Geschwindigkeit, die Position des Fahrzeugs und der Abstand zum vorausfahrenden Auto gemessen. Schließlich schauen Kameras der Testperson über die Schulter und ins Gesicht. Damit lassen sich vor allem Stresssituationen analysieren.

Neue Assistenzsysteme

Die Daten beider Projekte fließen in neue Assistenzsysteme für Fahrzeuge ein, die dann in Fahrsimulatoren getestet werden. Auch hier ist man in Braunschweig besonders gut ausgestattet.

AIM Fahrsimulator

Simulator für mehrere Personen in einer Verkehrssituation

Foto: DLR (CC-BY 3.0)

In üblichen Fahrsimulatoren bewegt sich ein Fahrer durch die virtuelle Welt und erlebt dort Situationen, die von der Versuchsanordnung vorgegeben werden. In Braunschweig dagegen gibt es mehrere Fahrsimulatoren, in denen jede Versuchsperson ein anderes Fahrzeug im gleichen Verkehrsgeschehen steuert. So lassen sich auch Interaktionen zwischen den Fahrern testen.

Gleichzeitig ermöglicht dies, neuartige Assistenzsysteme auszuprobieren, die eine Interaktion zwischen verschiedenen Fahrzeugen ermöglichen.

Zahlreiche Partner

All dies zusammengenommen und vieles mehr bildet die Großforschungsanlage AIM. Die Abkürzung steht für "Anwendungsplattform Intelligente Mobilität". Am besten zu vergleichen ist AIM mit einem Baukasten, der sich durch ein hohes Maß an Flexibilität auszeichnet.

Die Kombinationsmöglichkeit der einzelnen Bausteine ist ein wesentliches Merkmal von AIM. So können beispielsweise verschiedene Simulationsmodelle für empirische Studien integriert genutzt und auch mit Probandenstudien und Untersuchungen im Feld kombiniert werden. Die Plattform ist langfristig angelegt, so dass immer neue Forschungsfragen bearbeitet und auf bisherigen Erkenntnissen und Methoden aufgebaut werden kann.

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