Vorteile eines größeren Europas

Politische Vorteile

Die Europäische Union hat sich seit ihrer Gründung als Hort der Demokratie, der politischen Stabilität und Sicherheit erwiesen. Es lag und liegt im Interesse der EU, diese Vorteile auf weitere Teile Europas auszudehnen. Für die Beitrittsländer Ost- und Südosteuropas bedeutet dies Unterstützung bei der Sicherung der noch jungen Demokratien und der Sicherheit der Länder. Die historisch und kulturell bereits seit Jahrhunderten bestehende Einheit Europas, die durch den Kalten Krieg und den Eisernen Vorhang unterbrochen war, ist wiederhergestellt. Die EU stellt mit 28 Ländern als globaler Akteur gemeinsam eine starke Macht dar, die weltweit Einfluss nimmt.

Wirtschaftliche Vorteile

Mit der Aufnahme von zehn neuen Staaten am 1. Mai 2004 und Bulgariens und Rumäniens am 1. Januar 2007 in die Europäische Union ist der größte einheitliche Markt der Welt entstanden, in dem über 500 Millionen Menschen leben. Dafür hat die Gemeinschaft sehr viel investiert. Die wirtschaftlichen Erfolge dieser Politik sind spürbar: Die Beitrittsländer entwickeln sich zu wichtigen Wirtschaftspartnern. Insgesamt hat sich der EU-Handel mit den Mittel- und Osteuropäischen Staaten (MOE) seit 1989 vervielfacht. Davon profitiert insbesondere Deutschland. In den Beitrittsländern setzen deutsche Firmen inzwischen mehr Waren um als in den USA und Kanada zusammen. Je weiter die wirtschaftliche und strukturelle Anpassung der MOE an die Europäische Union fortschreitet, desto größere Chancen ergeben sich für den gemeinsamen Binnenmarkt.

  • Mit den finanziellen Beitrittshilfen der Europäischen Union werden die Wirtschaften in den MOE angekurbelt. Die Importnachfrage insbesondere nach Investitionsgütern aus den westlichen Nachbarländern steigt.

  • Der zunehmende Export in diese Länder sorgt für ein höheres Wirtschaftswachstum in den Mitgliedstaaten der EU und sichert damit Arbeitsplätze. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist durch den ausgeweiteten Binnenmarkt allein in Deutschland und Österreich jährlich um etwa 0,5 Prozent angestiegen.

  • Dieser Trend setzt sich fort, da die meisten Länder Ost- und Mittelosteuropas Wachstumsmärkte darstellen. Der Handelsüberschuss zugunsten Deutschlands bei Gütern und Dienstleistungen in den vergangenen Jahren zeigt: Qualität, Technologie und Erfahrung hierzulande können niedrigere Löhne und Produktionskosten in den MOE nicht nur ausgleichen, sondern sie sogar übertreffen.

  • Die Stellung der EU im globalen Wettbewerb wird gestärkt - zusätzliche Handelsmöglichkeiten ergeben sich mit Exporteuren und Importeuren aus Drittländern. Für Investoren wurden die Beitrittsstaaten durch Übernahme der gesamten EU-Rechtstexte attraktiver. Dies hat positive Effekte für die alten und die neuen Mitglieder der Europäischen Union: Höhere Investitionen und ein verstärkter Kapitalverkehr beschleunigen das Wirtschaftswachstum und sichern Arbeitsplätze in den Beitrittsländern. Gleichzeitig wird das bestehende Wohlstandsgefälle durch die Integration in den gemeinsamen Markt sinken.  

  • Unternehmen aus den alten EU-Staaten können leichter Zweigbetriebe in den neuen Mitgliedsländern gründen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken. So werden vorhandene Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen. Die Erweiterung ermöglicht eine weiträumige wirtschaftliche Verflechtung mit den osteuropäischen Nachbarstaaten. Insbesondere in den neuen Bundesländern ist mit einer verstärkten Ansiedlung von Unternehmen zu rechnen, die sich im Osthandel engagieren.

Vorteile für den Umweltschutz

Umweltverschmutzung kennt keine Grenzen. Umweltschutz kann daher erfolgreich nur in der Zusammenarbeit aller Staaten betrieben werden. Für einen nachhaltigen Umweltschutz in Europa müssen die hohen ökologischen Standards der Gemeinschaft in allen Staaten greifen. Angesichts der vorhandenen Umweltprobleme bietet der Erweiterungsprozess die Chance, diese zu lösen:

  • Durch die Erhöhung der Umweltstandards in den Beitrittsländern wird die grenzüberschreitende Wasser- und Luftverschmutzung eingedämmt.
  • Die Übernahme der Umweltvorschriften schafft gleiche Wettbewerbsgrundlagen für alle und erschließt neue Absatzmärkte für die Umweltindustrie.
  • Die Einführung der EU-Umweltstandards beschleunigt die Modernisierung der Produktionsbetriebe in den MOE-Staaten.

Vorteile bei der Inneren Sicherheit

  • Durch die Erweiterung wird der gemeinsame Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts auf die neuen Mitgliedstaaten ausgedehnt. Das bedeutet: Der Kampf gegen die organisierte und grenzüberschreitende Kriminalität wird verstärkt. So lassen sich wirksamere Maßnahmen gegen den Drogen- und Menschenhandel sowie gegen den Terrorismus ergreifen. Auch eine effektivere Bekämpfung der Geldwäsche und Finanzkriminalität ist möglich.
  • Die Asyl- und Flüchtlingspolitik wird vereinheitlicht: Neben den gleichen Aufnahmebedingungen gelten gemeinsame Standards für das Asylverfahren und den Flüchtlingsstatus.

  • Mit Unterstützung der EU-Staaten werden Defizite im Bereich Justiz und Inneres in den Beitrittsländern beseitigt und geeignete Behörden und Institutionen geschaffen.

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