„Es geht darum, dass sich Leute aus anderen Ländern kennenlernen“

Europa-Jugendbauernhof „Es geht darum, dass sich Leute aus anderen Ländern kennenlernen“

Auf dem Europa-Jugendbauernhof in Deetz kommen jeden Sommer Jugendliche aus ganz Europa zusammen. Gemeinsam kümmern sie sich um den Hof, lernen Natur und Landwirtschaft kennen. Die Gründerin Margrit Weimeister erhielt für ihr Lebenswerk den Sonderpreis „Frauen Europas“. Ihre Botschaft an die Jugendlichen: Lernt, Euch gegenseitig zu verstehen und zu akzeptieren.

Jugendliche auf einem Bauernhof

Europa packt mit an: Die Jugendlichen helfen bei den anfallenden Arbeiten auf dem Bauernhof und erfahren dabei voneinander.

Foto: Ulrich Weimeister

Der Europa-Jugendbauernhof in Deetz (Sachsen-Anhalt) ist ein Ort der Begegnung. Von Mitte der 1990er-Jahre bis heute kamen dort etwa 1.100 Jugendliche aus europäischen und anderen Ländern zusammen. Aufgebaut hat den Hof die inzwischen 88-jährige Margrit Weimeister. Für ihr Lebenswerk und insbesondere den Aufbau des Jugendbauernhofs erhielt sie 2020 den Sonderpreis des Preises „Frauen Europas“ der Europäischen Bewegung Deutschlands. Wegen der Corona-Pandemie wurde ihr die Auszeichnung erst im Juni dieses Jahres überreicht.

„Die Idee, international etwas zu tun, kam mir, weil ich den Krieg erlebt habe, den Hass und die Gewalt“, erzählt Weimeister. „Der Austausch sollte dazu führen, dass Jugendliche begreifen, dass jeder andere Vorstellungen vom Leben und andere moralische Auffassungen und Traditionen hat.“

Der Preis „Frauen Europas“ der Europäischen Bewegung Deutschlands wird seit 1991 an starke Frauen vergeben, die sich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement für ein vereintes Europa einsetzen. Die Preisträgerinnen erhalten als symbolische Auszeichnung eine Brosche und werden damit Teil des Netzwerks europäisch engagierter Frauen.

Sich gegenseitig kennenlernen und respektieren

Auf dem Bauernhof packen die Jugendlichen mit an: Sie reparieren Zäune, streichen Türen, entwässern Wiesen und helfen bei der Ernte von Kartoffeln, Tomaten und Gurken. Außerdem kümmern sie sich um die Ziegen, Schafe und Pferde. Im Gegenzug erhalten sie kostenlose Unterkunft. Je Aufenthalt erleben rund 18 junge Menschen so zusammen Landwirtschaft und Natur. Sie kommen aus Ländern wie der Ukraine, Spanien, Frankreich, Italien, Russland und Deutschland.

Die jungen Menschen verbringen viel Zeit miteinander. Bei Gesprächen tauschen sie sich aus und erzählen über ihr Leben. Es wird zusammen getanzt, gekocht und musiziert. An manchen Abenden stellen die Jugendlichen den anderen ihr Land vor. Weimeister ging es immer darum, dass „die Leute aus den Ländern sich gegenseitig kennenlernen und respektieren. Dass man eben in anderen Ländern anders isst, anders lebt und das auch den anderen mitteilt – und dafür Verständnis erwarten kann“.

Margit Weimeister

Margit Weimeister wurde für ihr Engagement mit dem Preis „Frauen Europas“ geehrt.

Foto: privat

Eine Bereicherung für alle

Die Arbeit mit den Jugendlichen wird von der Dorfbevölkerung in Deetz sehr positiv aufgenommen. „Das Verhältnis war stets einmalig tolerant, und die Studenten waren stets sehr beliebt und anerkannt“, sagte Weimeister sichtlich stolz. Heute hat ihr Sohn Ulrich Weimeister den Hof übernommen. Sie selbst erinnert sich gerne an die Zeiten mit den Jugendlichen: „Ich habe die allerschönsten Erinnerungen an diese Zeit. Ich freue mich bis heute, dass das weitergehen kann.“

Die Aufenthalte der Jugendlichen dauern jeweils drei Wochen. Wegen der Corona-Pandemie konnten 2020 und 2021 keine internationalen Treffen stattfinden. Das nächste ist für den Sommer 2022 geplant. Informationen zur Anmeldung und mehr zum Projekt finden Sie beim  Europa-Jugendbauernhof

Besonders junge Menschen sind eingeladen, sich an einem europaweiten Dialogprozess zu beteiligen, der Konferenz zur Zukunft Europas. Machen Sie mit – mit  Ihren Ideen, Visionen oder sogar eigenen Veranstaltungen. Weitere Informationen finden Sie auf einer Themenseite.

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