"In jeder Sprache steckt ein Stück Kultur"

Interview zum Europäischen Übersetzungswettbewerb "In jeder Sprache steckt ein Stück Kultur"

Die 17-jährige Emilia Heinrichs aus Wuppertal hat sich durchgesetzt: Sie ist beste deutsche Nachwuchsübersetzerin 2019 und darf zur Preisverleihung nach Brüssel reisen. Im Interview erzählt sie von ihrer Teilnahme am europäischen Übersetzungswettbewerb, ihrem Faible für Fremdsprachen und was Mehrsprachigkeit in Europa für sie bedeutet. 

Grafik veranschaulicht die fünf am häufigsten in Europa gesprochenen Sprachen.

Englisch ist in Europa die meistgesprochene Sprache.

Foto: Bundesregierung

740 ausgewählte Schulen aus 28 EU-Ländern haben am europäischen Übersetzungswettbewerb "Juvenes Translatores" am 21. November 2019 teilgenommen. Allein aus Deutschland versuchten sich mehr als 300 junge Leute daran, einen Text aus einer der 24 EU-Amtssprachen in eine andere zu übersetzen. Emilia Heinrichs hat sich für die Kombination Englisch-Deutsch entschieden - und konnte damit die Jury überzeugen. 

Frau Heinrichs, was hat Sie dazu bewegt, sich als Übersetzerin bei "Juvenes Translatores" auszuprobieren?

Emilia Heinrichs: Ich kannte "Juvenes Translatores" schon vom letzten Jahr und fand, dass der Wettbewerb sich sehr interessant anhörte. Ich habe großen Spaß daran, Inhalte von einer Sprache in eine andere zu übersetzen und dabei die ursprüngliche Bedeutung zu erhalten. Deshalb habe ich mich dieses Jahr bei unserer Lehrerin angemeldet. Am Tag des Wettbewerbes haben wir dann in der Schule am Computer einen Text übersetzen müssen. Zum ersten Mal hat die Übersetzung online stattgefunden und nicht auf Papier. Nach zwei Stunden mussten wir unsere Übersetzung dann abschicken.

Ein junges Mädchen

Die 17-jährige Emilia Heinrichs hat beim europäischen Übersetzungswettbewerb "Juvenes Translatores" gewonnen.

Foto: Privat

Sie haben sich für eine Übersetzung vom Englischen ins Deutsche entschieden. Welche anderen Sprachen lernen Sie?

Heinrichs: In der Schule lerne ich außer Englisch noch Französisch. Außerdem bringe ich mir selbstständig noch etwas Spanisch bei. Ich versuche, meine Fremdsprachenkenntnisse durch anderssprachige Bücher oder Filme zu verbessern. Irgendwann muss man die Sätze dann nicht mehr erst auf Deutsch übersetzen, sondern versteht auf Anhieb die Bedeutung in der Originalsprache. Das macht mir Spaß. Ich würde auch gerne im Studium noch eine neue Fremdsprache lernen. Ich könnte mir auch vorstellen, sogar ganz auf Englisch zu studieren.

Wie wichtig ist Mehrsprachigkeit Ihrer Meinung nach heutzutage?

Heinrichs: Auf jeden Fall wird das Erlernen von Sprachen immer bedeutender. Vor allem die englische Sprache wird ja durch die Globalisierung immer wichtiger. Aber auch Englisch kann nicht alles ersetzen, besonders, weil ja in jeder Sprache auch ein Stück Kultur steckt. Gerade in der Europäischen Union gibt es so viele verschiedene Sprachen auf so engem Raum, und Mehrsprachigkeit erleichtert die Kommunikation dann ungemein.

Die Europäische Union bietet vielerlei Möglichkeiten, Fremdsprachen zu erlernen. Durch Austausch- und Förderprogramme wie Erasmus, dem Europäischen Sozialfonds oder der elektronischen Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) haben EU-Bürger jeden Alters die Chance, sich Fremdsprachenkenntnisse anzueignen oder diese zu verbessern.

Beim diesjährigen Wettbewerb ging es um die Frage, wie junge Menschen die Zukunft Europas mitgestalten können. Was können junge Leute aus Ihrer Sicht für eine aussichtsreiche Zukunft Europas tun?  

Heinrichs: Ich glaube, man findet immer einen Weg, sich zu engagieren, wenn einem ein Thema sehr am Herzen liegt – sei es Mehrsprachigkeit, Klimaschutz oder etwas ganz anderes. Ich selber setze mich für den Klimaschutz ein und versuche, mich möglichst umweltfreundlich zu verhalten. Mir macht es auch Spaß, andere Leute für Dinge zu begeistern. Ich bin zum Beispiel sehr interessiert an Naturwissenschaften und möchte anderen zeigen, wie spannend und wichtig dieses Feld gerade im Alltag ist. Außerdem sollte man sich in Europa für den Zusammenhalt untereinander engagieren. Nicht zuletzt durch den Brexit gibt es ja momentan von einigen Seiten Zweifel an der EU. Diesen sollte man meiner Meinung nach unbedingt widersprechen und immer wieder betonen, wie viele Vorteile die EU uns bringt. Viele Staaten zusammen arbeiten viel effektiver als jeder Staat für sich alleine.

"Juvenes Translatores" - das ist Latein und bedeutet "junge Übersetzer". Seit 2007 findet der gleichnamige Wettbewerb der EU-Kommission einmal jährlich statt. Teilnehmen können 17-jährige Schülerinnen und Schüler aus allen EU-Staaten. Ihre Aufgabe: einen Text von einer beliebigen EU-Amtssprache in eine andere zu übersetzen.

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