Europa 

Deutsche Jungforscher gewinnen EU-Preis

"Das Schweben hat uns schon immer fasziniert"

Felix Sewing und Alex Korocenev aus Waldshut haben den EU-Forschungspreis gewonnen. Inspiriert vom Science-Fiction-Klassiker "Zurück in die Zukunft II", entwickelten sie ein lenkbares Hoverboard, das aufgrund eines Magnetfeldes über dem Boden schwebt. Über ihr Projekt und ihre Erfahrungen beim "European Union Contest for Young Scientists" in Sofia berichten die 18-Jährigen im Interview.

 Felix Sewing und Alex Korocenev zeigen ihr Hoverboard.

Hoverboard-Erfinder Felix Sewing (l.), Alex Korocenev: Rotierende Scheiben, die ein Magnetfeld erzeugen.

Foto: Stiftung Jugend forscht e. V.

Mit ihrer Magnetschwebevorrichtung sicherten sich Felix Sewing und Alex Korocenev einen der vier ersten Preise und gewannen jeweils 7.000 Euro. Außerdem erhielten sie eine Einladung Anfang Dezember zum "Stockholm International Youth Science Seminar" und werden dort auch die Nobelpreisverleihung besuchen. Für ihr Forschungsprojekt waren die beiden beim "Jugend forscht“-Bundesfinale Mitte Mai in Chemnitz bereits mit dem ersten Preis im Fachgebiet Technik ausgezeichnet worden. Seit Herbst studiert Alex Korocenev Physik in Basel, Felix Sewing macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker.

Wie sind Sie auf die Idee für Ihr Hoverboard gekommen?

Alex Korocenev: Die Hauptinspiration an unserer Arbeit lieferte der Unternehmer Elon Musk mit seinem Hyperloop-Projekt. Musk ist der CEO von Tesla und SpaceX. Er möchte junge Leute inspirieren, über magnetische Technologie zu forschen. Denn er will den ersten Überschall-Zug der Welt bauen, ist aber noch auf der Suche nach der richtigen Technologie. 

Felix Sewing: Das Schweben hat uns immer schon fasziniert. Der Hyperloop-Wettbewerb hat uns gezeigt, dass das Schweben wirklich möglich ist. Dass man die Idee aus "Zurück in die Zukunft II" umsetzen zu kann. Wir haben beschlossen, daran zu forschen und zu versuchen, diese Idee zu verwirklichen.

Wie funktioniert Ihr Hoverboard und welchem Zweck kann es dienen?

Alex Korocenev: Magnetschwebezüge sind sehr schnell und energieeffizient. Aber die sind leider auch sehr teuer, weil da extrem komplizierte Technologie verwendet wird. Bisher musste man sehr viel Technologie in die Schienen unter dem Zug einbauen, im Grunde die Schiene mit riesigen Kupferspulen mit Stromversorgung auslegen. Wir haben daran gearbeitet, die Technologie aus der Schiene rauszunehmen und in den Zug reinzupacken. Wir benötigen nur noch eine fünf Millimeter dicke Aluminiumplatte als Schiene. Und das wiederum hat das Potenzial, die Kosten enorm zu senken.

Als Sieger beim Wettbewerb "Jugend forscht" bekamen Sie die Chance, beim EU-Wettbewerb in Bulgarien teilzunehmen. Wie haben Sie sich auf den Wettbewerb in Sofia vorbereitet? 

Alex Korocenev: Der Hauptunterschied zu "Jugend forscht" war, dass alles auf Englisch war. Wir mussten unser ganzes Projekt übersetzen und unseren Vortrag neu trainieren. Aber wir haben sehr viel Unterstützung bekommen. Zum Beispiel konnten wir unsere Projektdokumentation über "Jugend forscht" an ein Übersetzungsbüro geben. Und wir bekamen eine Einladung zu einem Coaching.

Wie lief der Wettbewerb ab?

Felix Sewing: Wir sind erstmal in Sofia angekommen und haben unseren Stand aufgebaut, wo wir unsere Arbeit präsentieren sollten. Es gab bestimmte Zeiten, in denen die Jury sich die Projekte angeguckt hat. In der freien Zeit konnten wir uns Sofia anschauen. 

Wie war der Austausch mit den anderen Jungforschern?

Felix Sewing: Vom Austausch her ist es ähnlich wie bei "Jugend forscht". Der Wettbewerb steht gar nicht so im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, sich selber, sein Projekt, seine Ansätze dort zu zeigen und sich mit anderen auszutauschen. Es geht aber genauso auch darum, von anderen inspiriert zu werden und Ratschläge entgegenzunehmen. 

Was dann neu beim Europa-Wettbewerb dazu kam, war, dass es auch einen kulturellen Austausch gab. Ich habe zum Beispiel erlebt, dass man Spezialitäten aus anderen Ländern angeboten bekam, Mandelgebäck aus Tunesien oder Lebkuchen aus Russland.

Alex Korocenev: Wir haben einige Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft. Wir werden auch an weiteren Wettbewerben und anderen internationalen Veranstaltungen teilnehmen.

Haben Sie Jugendliche kennengelernt, die ein ähnliches Projekt hatten?

Alex Korocenev: Ähnliche Projekte wie unseres gab es nicht. Die Projekte waren alle einzigartig. Trotzdem gab es viele gemeinsame Interessen mit den Jugendlichen - weil alle eine Faszination für die Wissenschaft geteilt haben.

Können Sie sich vorstellen, in einem anderen Land zu studieren oder zu leben?

Alex Korocenev: Die Wettbewerbe haben ziemlich Mut gegeben und gezeigt, dass die wissenschaftlichen Disziplinen international sind und sehr ähnliche Standards haben. Ein Physiker in Deutschland und ein Physiker in Amerika lernen sehr ähnliche Dinge. Das hat mich ermutigt, vielleicht meinen Master später in einem anderen Land zu machen.

Der EU--Europäische Union-Wettbewerb "European Union Contest for Young Scientists"

 wird von der EU-Kommission veranstaltet. 155 Teilnehmer aus 39 Ländern waren diesmal dabei. In zehn Disziplinen gab es Preise im Wert von mehr als 50.000 Euro sowie Praktika und Forschungsreisen.
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