Jugend im Juni – Aus der Geschichte lernen

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Volksaufstand 17. Juni Jugend im Juni – Aus der Geschichte lernen

Ein Zeichen gegen das Vergessen setzen – das ist das Anliegen eines Schulprojekts zum 17. Juni 1953 von Schülerinnen und Schülern aus Magdeburg. Sie befassten sich mit der Geschichte des Volksaufstandes in der DDR. In Gesprächen mit Zeitzeugen, die damals im gleichen Alter waren, erlebten und verstanden sie deren Geschichten. 

3 Min. Lesedauer

Bild von drei jungen Frauen.

Nele Gottschall, Emma Fischer, Joline Rudloff und Ulrike Timm vom Geschwister-Scholl-Gymnasium Magdeburg. Das Projekt „Jugend im Juni“ brachte sie mit Menschen zusammen, die 1953 genau wie sie heute 16 Jahre alt waren.

Foto: Christian Csink/Geschwister-Scholl-Gymnasium Magdeburg

Seit Anfang des Jahres befassen sich Schülerinnen und Schüler der integrierten Gesamtschule Willy Brandt und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Magdeburg mit dem gemeinsamen Projekt „Jugend im Juni“. Darin geht es um die Ereignisse vom Juni 1953 in Magdeburg.

Welchen Blickwinkel haben junge Menschen heute auf den Volksaufstand?  Wie beurteilen sie den Umgang mit dem Gedenken? Die Schülerinnen Envy Fischer, Nele Gottschall, Joline Rudloff und Ulrike Timm des Geschwister Scholl-Gymnasiums haben im Interview ihre Sicht auf den Volksaufstand dargestellt.

Hat der Volksaufstand noch eine Bedeutung für euch?

Es beschäftigt uns im Besonderen, da dieses Ereignis auch in Magdeburg stattfand. Wir können heute durch diese Straßen gehen und uns daran erinnern, dass hier vor 70 Jahren Panzer standen. Dies ist erschreckend, aber zum Glück nur eine Vorstellung. Hier bei uns gibt es zum Glück keine Waffengewalt und auch keine Panzer mehr.

In anderen Ländern leben noch unzählige unterdrückte Menschen, welche ihre Meinung nicht frei äußern können und sogar Angst haben auf die Straße zu gehen. Wenn über sowas berichtet wird, klingt es immer so weit weg. Durch dieses einzigartige Projekt haben wir gelernt, dass so etwas auch direkt vor unserer Haustür stattfand. Der 17. Juni 1953 und besonders seine Folgen prägten den Verlauf der Geschichte und daher auch unser Heute.

Was hat euch am meisten im Gespräch mit den Zeitzeugen beeindruckt?

Am meisten hat uns beeindruckt, dass total verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen einen einzigen Tag miteinander teilen, der sie dann irgendwie eint. Wir erfuhren zwar verschiedene Perspektiven und es war wichtig zu sehen, wie unterschiedlich der Volksaufstand die Menschen geprägt hat. Eines war aber gleich: Die Offenheit der Zeitzeugen uns gegenüber und ihre Bereitschaft über die Vergangenheit zu sprechen. Das überraschte uns.

Die Gespräche weckten unerwartete Emotionen, was uns selbst mehr mit den Zeitzeugen und dem historischen Ereignis verbunden hat. Zu sehen, dass unsere Mitmenschen, denen wir beim Einkaufen oft achtlos begegnen, solche Schicksale mit sich tragen, hat uns ein Stück weit erwachsener und bedachter gemacht.

Das Projekt „Jugend im Juni“ zeigte uns, dass es äußerst wichtig ist, Zeitzeugen zu interviewen, da wir dadurch ein besseres Verständnis zu historischen Geschehnissen erlangen. Beispielsweise sorgten die Gespräche dafür, dass wir Bilder vom 17. Juni im Kopf haben. Die dürfen niemals in Vergessenheit geraten.

Was sind aus eurer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse, die wir alle daraus ziehen sollten?

Der 17. Juni lehrte uns, uns bedingungslos für unsere Träume und Meinungen einzusetzen Wir müssen für unsere Rechte kämpfen. Auch wenn eine Situation unmöglich erscheint, müssen wir versuchen einen Weg auch manchmal gegen die eigentliche Norm zu finden.

Gegen die Demonstrierenden wurden Panzer eingesetzt. Glaubt ihr, sowas wäre heute immer noch möglich?

Heutzutage wird auf der ganzen Welt noch viel Krieg geführt, beispielsweise in der Ukraine oder im Nahostkonflikt, welcher bis heute noch nicht gelöst ist. Krieg in Deutschland war das letzte Mal im Zweiten Weltkrieg. Wir gehören zu einer Generation, welche in einer sorglosen Kindheit aufgewachsen ist, wo es keine solch schrecklichen Verhältnisse gab. Es fühlt sich erschreckend an über die Vorkommnisse zu lesen, zu hören oder zu sprechen. 

Euer Wunsch oder Änderungsvorschlag zum Gedenken an den Volksaufstand?

Wir wünschen uns zukünftig mehr Interaktionen von Schülerinnen und Schülern. Auch sie sollten Zeitzeugeninterviews führen, um zu verstehen, was Geschichte bedeutet. Darüber hinaus sollten es mehr Ausstellungen geben oder spezielle Gedenkprojekte, welche jedem Interessierten frei zugänglich sind.  

Mehr zum Schulprojekt „Jugend im Juni“ und den Zeitzeugeninterviews finden Sie hier .