Erinnern und Gedenken

Gedenken zum 20. Juli 1944

"Sie handelten, als andere schwiegen"

Mit einer Gedenkstunde im Berliner Bendlerblock hat die Bundesregierung den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gewürdigt. Zuvor hatten rund 400 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr bei einem feierlichen Appell ihr Gelöbnis abgelegt.

Kanzlerin Merkel legt einen Kranz zu Ehren der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 nieder.

Am Ort der Hinrichtung der Widerständler gedenkt Kanzlerin Merkel der Ereignisse vor 75 Jahren.

Foto: Bundesregierung/Steins

Am 20. Juli 1944 verübte Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Attentat auf Adolf Hitler. Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs wurden die Widerstandskämpfer noch in derselben Nacht hingerichtet.

An der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag dieses Ereignisses nahmen heute neben der Bundeskanzlerin und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer auch Repräsentanten aller Verfassungsorgane des Bundes sowie Vertreter des Landes Berlin teil. 

In den Tagen nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 nahm die Gestapo tausende Regimegegner fest. Anfang August 1944 begannen die Prozesse vor dem "Volksgerichtshof". Sie dauerten bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes im Mai 1945. Die genaue Zahl der Verurteilten ist nicht bekannt. Hunderte wurden hingerichtet. Auch viele Familienangehörige wurden in "Sippenhaft" genommen, kamen ins Gefängnis oder Konzentrationslager.

"Sie stellten Menschlichkeit über ihr eigenes Menschenleben"

Das Scheitern des Aufstandes vom 20. Juli 1944 "bedeutete eine Katastrophe für unser Land, für Europa und die Welt", betonte Merkel angesichts der Millionen Menschen, die noch bis zum Kriegsende 1945 ihr Leben verloren.

Den Akteuren des 20. Juli gedenke sie mit größter Hochachtung: "Sie handelten, als andere schwiegen. Sie folgten ihrem Gewissen und übernahmen Verantwortung für ihr und unser Land, als andere wegsahen. Sie stellten Menschlichkeit über ihr eigenes Menschenleben". 

"Inspiration für die Mütter und Väter des Grundgesetzes"

Die Kanzlerin betonte, das ehrende Andenken gelte allen, die sich der Tyrannei des Nationalsozialismus entgegengestellt haben. Angetrieben durch ihr Gewissen hätten sie für Menschlichkeit, Recht und Freiheit gekämpft. Nach Kriegsende sei ihr Handeln "eine Inspiration für die Mütter und Väter unserer Grundgesetzes" geworden. 

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Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des 20. Juli 1944

Aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus ergäben sich Verpflichtungen auch für die heutige Zeit: "Erweisen wir den Widerstandskämpfern Ehre, indem wir Zivilcourage aufbringen und allgemeingültige Werte verteidigen, statt wegzusehen und zu schweigen!", so Merkel. Ebenso sei es Verpflichtung, "dass das Wissen um unsere Geschichte nicht verblasst". 

"Multilateral statt unilateral denken und handeln"

Zum Erbe des Widerstands gehöre auch die Aufgabe, für die internationale Ordnung einzutreten, die als Lehre aus den Schrecknissen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges entstand: "Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral denken und handeln, global statt national, weltoffen statt isolationistisch, kurzum: gemeinsam statt allein". 

Haltung und Verantwortung zeigten sich in großen Taten, aber auch in kleinen Gesten. Die beste Weise, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus heute zu ehren, sei es, daran mitzuarbeiten, "unser Land noch lebens- und liebenswerter zu machen", so die Kanzlerin.

20. Juli wichtige Traditionslinie der Bundeswehr

Unmittelbar vor der Gedenkfeier legten rund 400 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr bei einem feierlichen Appell auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums ihr Gelöbnis ab. Mit der bewussten Anknüpfung an den 20. Juli unterstreicht die Bundeswehr, dass der Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine ihrer wichtigsten Traditionslinien darstellt. 

Als Ehrengast sprach auch Bundeskanzlerin Merkel zu den Soldatinnen und Soldaten. Angesichts persönlicher Härten und Entbehrungen zolle sie allen, die den Beruf des Soldaten ergreifen, "Hochachtung und Respekt". Deutschland sei ihnen dankbar "für ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Bereitschaft, unserem Land zu dienen."

Kanzlerin Merkel hält eine Rede bei der Gedenkfeier zum 20. Juli 1944

"Was alle, die aufstanden, einte, das war ihr Gewissen", unterstrich Merkel in ihrer Rede.

Foto: Bundesregierung/Steins

Dienst der Soldaten verdient Respekt und Wertschätzung

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer betonte, die Bundeswehr verlange keinen Kadavergehorsam, vielmehr erfordere der Soldatenberuf heute "Haltung und Gewissen". Der Dienst der Soldaten verdiene mehr als nur Dank - er verdiene Respekt und Wertschätzung. "Sie können sich auf mich verlassen", sagte die Ministerin den Rekrutinnen und Rekruten zu.

Neben Vertretern aus Politik, Gesellschaft und öffentlichem Leben nahmen auch zahlreiche Angehörige, Freunde und Bekannte der Rekruten an dem Gelöbnis teil. 

Nach Abschluss des feierlichen Gelöbnisses spricht die Kanzlerin mit Rekruten der Bundeswehr.

Nach Abschluss des feierlichen Gelöbnisses spricht die Kanzlerin mit Rekruten der Bundeswehr.

Foto: Bundesregierung/Steins

Auch mit dem Ziel der Bürgernähe führt das Bundesministerium der Verteidigung seit 1996 feierliche Gelöbnisse auch in Berlin durch. Seit 1999 waren Veranstaltungsorte mehrfach der Berliner Bendlerblock und der Platz vor dem Reichstagsgebäude.