Volksaufstand am 17. Juni 1953

Gedenken wach halten

Am Jahrestag des Volksaufstandes in der damaligen DDR hat die Bundesregierung der Opfer gedacht. Auch 66 Jahre nach den Ereignissen bleibt der 17. Juni ein wichtiger historischer Tag. Die zentrale Gedenkveranstaltung fand am Mahnmal für die Opfer des Volksaufstandes in Berlin statt.

Bundesinnenminister Seehofer und Berlins regierender Oberbürgermeister Müller legen Blumenkränze nieder.

Bundesinnenminister Seehofer und Berlins Regierender Bürgermeister Müller legen am Mahnmal für die Opfer des Volksaufstandes Kränze nieder.

Foto: Henning Schacht

"Ohne den 17. Juni 1953 hätte es womöglich keinen Mauerfall am 9. November 1989 gegeben", hob Bundesinnenminister Horst Seehofer die Bedeutung dieses Gedenktages hervor. Die Opfer mahnten, Freiheit und Demokratie wertzuschätzen und zu verteidigen. Zugleich rief der Minister dazu auf, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die innere Einheit des Landes zu stärken und sich für gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West einzusetzen.

Ein starker Funke

Seehofer verglich in seiner Ansprache die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten mit denen vor 66 Jahren. Damals habe es noch nicht das Internet gegeben, über das sich Menschen blitzschnell zum Streik organisieren konnten. "Wie stark muss der Funke gewesen sein, der die Massenproteste am 17. Juni 1953 an so vielen Orten gleichzeitig entzündete", fragte der Minister.

17. Juni 1953: Historischer Tag für Deutschland

Nicht einmal vier Jahre nach ihrer Gründung steht die DDR kurz vor ihrem Ende: Eine knappe Lebensmittelversorgung, lange Schlangen vor den Geschäften und kein Strom in der Nacht machen die Menschen unzufrieden. Die Verbitterung wächst, als das -Regime Arbeitsnormen erhöht, was einer Lohnkürzung gleichkommt.

Ausgerechnet die Bauarbeiter in der Ost-Berliner Stalinallee, dem Prestigeprojekt der SED, beginnen zu streiken. Binnen Stunden greift der Aufstand auf mehr als 700 Orte über, weitet sich zum Generalstreik und schließlich zum Volksaufstand aus. Nur mit Hilfe sowjetischer Panzer gelingt es dem SED-Regime, den Aufstand niederzuschlagen – und damit die Rufe nach freien Wahlen und einer Wiedervereinigung Deutschlands zu ersticken.

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17. Juni 1953 - Volksaufstand in der DDR

Gedenken in der Zeit des kalten Krieges

Im Gedenken an den Aufstand in der DDR erklärt die damalige Bundesrepublik Deutschland den 17. Juni als "Tag der deutschen Einheit" zum gesetzlichen Feiertag. Schon am 4. August 1953 wird ein entsprechendes Gesetz erlassen. Der 17. Juni soll an die Menschen erinnern, die für ihre Rechte und ihre Freiheit gekämpft und unter der Niederschlagung des Aufstands gelitten haben. Vor allem aber soll er daran erinnern, dass die beiden deutschen Staaten, dass Ost und West, zusammengehören.

In der DDR hingegen gibt es kein Gedenken an die Opfer des 17. Juni. Die Ereignisse des Tages sollen in Vergessenheit geraten.

Gedenken im wiedervereinten Deutschland

Der Einigungsvertrag, der am 29. September 1990 in Kraft tritt, erklärt den 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit, zum staatlichen Feiertag. Der 17. Juni bekommt den Status eines Gedenktages. Der Feiertag wird aufgehoben.

Auch wenn der 17. Juni kein Feiertag mehr ist: Der Aufstand in Ost-Berlin und der DDR gehört zu den prägendsten und bedeutendsten Ereignissen der jüngeren deutschen Geschichte. Ohne ihn lässt sich die deutsche Geschichte der vergangenen Jahrzehnte nicht erklären.

Die Fluchtbewegung in den Folgejahren, die "Abstimmung mit den Füßen", lässt sich ebenso wenig nachvollziehen wie der Bau der Mauer, die systematische Verfolgung Andersdenkender, die Proteste gegen das Regime oder die Friedliche Revolution. Schon deshalb muss der 17. Juni ein Gedenktag bleiben. Aber auch, weil er das Bewusstsein dafür schärft, was Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie bedeuten.

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