Bundestag erinnert und mahnt

Befreiung von Auschwitz Bundestag erinnert und mahnt

Der Bundestag hat an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. An der Gedenkstunde des Parlaments nahm auch Kanzlerin Angela Merkel teil. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Staates Israel, Reuven Rivlin, hielten in diesem Jahr die Gedenkreden.

Iraels Präsident Reuven Rivlin spricht im Bundestag anlässlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

Die "Verantwortung, die auf Schultern Deutschlands lastet, ist enorm", betont der Präsident des Staates Israel zur Gedenkstunde für die Opfer des Holocausts im Bundestag.

Foto: Bundesregierung/Denzel

75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat der Deutsche Bundestag der Opfer der NS-Diktatur gedacht. Millionen von Menschen - meist jüdischen Glaubens - starben in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eröffnete die Gedenkstunde. In seiner Ansprache betonte er, dass es kein heilsames Schweigen über den Holocaust gebe. "Auschwitz erinnert uns daran, wie verführbar wir Menschen sind", so Schäuble. Lange habe es gedauert, bis sich Deutschland seiner Vergangenheit gestellt habe. Und auch heute gebe es noch immer Versuche, das Verbrechen klein zu reden. "Das wird nicht gelingen", sagte Schäuble.

Bundeskanzlerin Angela Merkel umarmt Reuven Rivlin, Israels Präsident, im Bundestag.

Bundeskanzlerin Merkel dankt dem israelischen Staatspräsidenten Rivlin für seine Worte zur Gedenkstunde im Bundestag.

Foto: Bundesregierung/Denzel

Nach einem Musikstück des polnisch-französischen Komponisten und Auschwitz-Überlebenden Szymon Laks (1901-1983) mit dem Titel "Pogrzeb" ("Das Begräbnis") und einem Text des polnischen Schriftstellers Mieczysław Jastrun (1903-1983) hielten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Staates Israel, Reuven Rivlin, die Gedenkreden.

Steinmeier dankte Rivlin, dass er jüngst als deutscher Vertreter in Yad Vashem reden durfte - als erste deutscher Bundespräsident überhaupt. "Wir werden nicht vergessen, wir stehen an der Seite Israels", betonte Steinmeier. Die Shoah sein ein Teil der deutschen Geschichte. 

Rivlin wurde 2014 von der Knesset, dem israelischen Parlament, zum Staatspräsidenten Israels gewählt. Der 1939 geborene Politiker entstammt einer Familie, die aus Litauen eingewandert war und sich schon Anfang des 19. Jahrhunderts in Jerusalem niedergelassen hatte.

Bundespräsident Steinmeier war bereits am 22. und 23. Januar auf Einladung Rivlins in Israel zu Gast und hielt bei der internationalen Konferenz des World Holocaust Forum in Yad Vashem eine Rede.

Der israelische Präsident Rivlin bezeichnete in seiner Rede im Bundestag Deutschland als einen "Leuchtturm" der Verantwortung. Israel und Deutschland seien heute Partner im Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenhass. Neben Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier nahmen auch die Vertreter aller anderen Verfassungsorgane an der Gedenkstunde teil.

Der 27. Januar ist Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Gedenktag wurde 1996 durch Proklamation von Bundespräsident Roman Herzog eingeführt. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Dort waren etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus findet seit 1996 jährlich im Deutschen Bundestag statt.

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