Gedenken an Opfer von zentraler Bedeutung für Zukunft

Teilstück der Berliner Mauer und Bilder von Opfern

„Fenster des Gedenkens“ – das Mahnmal in der Gedenkstätte Berliner Mauer gibt den Todesopfern Gesicht und Name. 

Foto: picture alliance dpa | Jörg Carstensen

Günter Litfin war das erste Todesopfer. Am 24. August 1961, nur wenige Tage nach Beginn des Mauerbaus, traf den jungen Mann aus Berlin-Weißensee auf der Flucht ein Schuss in den Hinterkopf. Wie er starben zwischen 1961 und 1989 zahlreiche Menschen durch Waffengewalt an der Berliner Mauer. Wer beim Fluchtversuch scheiterte, dem drohten Haft, Misshandlung und Entwürdigung. Auch Angehörige und Freunde waren den Schikanen, Repressionen und Zersetzungsstrategien des Staatssicherheitsdienstes ausgesetzt.

„Wir sind es den Opfern von Mauer und Schießbefehl schuldig, uns weiter an das Leid zu erinnern, das die kommunistische Gewaltherrschaft über unzählige Menschen gebracht hat“, erklärte Kulturstaatsministerin Grütters anlässlich des 60. Jahrestages des Mauerbaus. Im Berliner „Tränenpalast“ am Bahnhof Friedrichstraße nahm die Staatsministerin am 11. August 2021 an einer Abendveranstaltung mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus drei Generationen teil.

Der sogenannte Tränenpalast war zwischen 1961 und 1989 die Grenzabfertigungshalle am Berliner Bahnhof Friedrichstraße. Heute ist er ein Erinnerungs- und Ausstellungsort. Zusammen mit dem Museum in der Kulturbrauerei gehört er zur Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Erinnerung als Chance für die Zukunft

Im Mittelpunkt des Gesprächsabends im „Tränenpalast“ stand die Frage, welche Rolle der Mauerbau im Geschichtsbild der jungen Generation spielt, und wie junge Menschen dazu motiviert werden können, sich mit der kommunistischen Diktatur auseinanderzusetzen. 

Kulturstaatsministerin Grütters unterstrich in ihrer einführenden Rede die Bedeutung des Gedenkens an die Opfer staatlicher Unterdrückung und Gewalt gerade für die junge Generation und ihr Demokratieverständnis: „Erinnerung kann Menschen, die den Schrecken eines totalitären Unrechtsregimes nie selbst erleben mussten, den Wert demokratischer Grundrechte wie auch die Gefahren totalitärer Ideologien vermitteln.“ Auch deshalb sei die Erinnerung an die Opfer des SED-Regimes von zentraler Bedeutung für die Zukunft, so Grütters.

Jugend erinnert
Kürzlich startete das Programm  „Jugend erinnert – Förderlinie SED-Unrecht“. Mit mehr als sieben Millionen Euro fördert der Bund in diesem Rahmen 44 Bildungs- und Vermittlungsprojekte zur Aufarbeitung des SED-Unrechts.
Die Projekte sollen junge Menschen dazu anregen, sich mit der SED-Diktatur und ihren bis heute andauernden Folgen für die Opfer zu beschäftigen. Zugleich sollen sie dazu ermutigen, sich aktiv für demokratische Grundwerte einzusetzen.

Gedenkveranstaltung am 13. August 2021

Die zentrale Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an den Bau der Berliner Mauer vor 60 Jahren fand heute in der Gedenkstätte Berliner Mauer statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kulturstaatsministerin Grütters nahmen daran gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, teil. 

Im Anschluss daran legte Staatsministerin Grütters im ehemaligen Todesstreifen an der Zimmerstraße in Berlin-Kreuzberg einen Kranz an der Gedenkstele für Peter Fechter nieder. Der junge Mann war dort 1962 im Alter von 18 Jahren bei einem Fluchtversuch erschossen worden. 

Die Stiftung Berliner Mauer erinnert vom 13. bis zum 15. August 2021 mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm an den Mauerbau, seine Auswirkungen und seine Opfer. Neben Führungen, Zeitzeugengesprächen und Workshops sind Konzerte, Ausstellungen, Performances und digitale Angebote geplant. Der Eintritt ist frei.

Die Stiftung wird gemeinsam vom Bund und dem Land Berlin finanziert.