Gedenken für Zusammenhalt und Freiheit

67. Jahrestag des 17. Juni 1953 Gedenken für Zusammenhalt und Freiheit

Am 67. Jahrestag des Volksaufstandes in der damaligen DDR hat die Bundesregierung der Opfer gedacht. Der 17. Juni bleibt weiterhin ein wichtiger historischer Tag. Wegen der Corona-Pandemie fand die Gedenkveranstaltung nur in Form einer stillen Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Volksaufstandes in Berlin statt.

Foto zeigt Gedenkveranstaltung

Bundesjustizministerin Lambrecht (l.) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Müller (2.v.l.), gedachten gemeinsam der Opfer des 17. Juni 1953.

Foto: Bundesregierung/Schacht

In ihrer Rede zum heutigen Gedenktag würdigte die Bundesjustizministerin die Freiheitsbewegung und erinnerte an den "ausgewachsenen Volksaufstand" durch Streiks und Demonstrationen am 17. Juni 1953 in mehr als 700 Orten der damaligen DDR.

In ihrer Videobotschaft betonte sie, dass wir uns "immer aufs Neue den direkten Angriffen auf unsere Freiheit entgegenstellen müssen". "Den tief in unsere Gesellschaft vorgedrungenen Rassismus, den wieder erstarkenden Antisemitismus, all der abscheulichen  Menschenfeindlichkeit der Rechtsextremisten, dem Hass und der Hetze gegen Andersdenkende."

"Für eine gute Zukunft in Freiheit"

Sie appellierte daran, gemeinsam "zusammenzustehen und unser gemeinsames Erbe der Freiheitsbewegungen hochzuhalten". Ebenfalls ermutigte sie dazu, "selbstbewusst und voller Überzeugung" für eine offene und freiheitliche Gesellschaft, für Demokratie und Rechtsstaat, einzustehen - "für eine gute Zukunft in Freiheit" und den "mutigen Menschen den 17. Juni 1953 zu ehren". 

Video 07:22

Video Bundesministerin der Justiz, Christine Lambrecht, zum 67. Jahrestag der Volkserhebung vom 17. Juni 1953 in der DDR

Berlins Regierender Bürgermeister Müller betonte in seiner Rede, dass "unsere gelebte Demokratie nicht selbstverständlich" sei. "Dass sie im Laufe deutscher Geschichte erkämpft, ja auch mühsam zurückgewonnen werden musste." Die Kraft des 17. Juni liege in der "Botschaft, dass es sich lohnt, für die Werte der Freiheit zu kämpfen - selbst dann, wenn das nicht sofort zum Erfolg führt". Die Frauen und Männer des 17. Juni seien "die Vorbilder unserer Geschichte". Sie in Erinnerung zu halten und zu ehren sei der "Auftrag für uns alle". 

Video 01:47

Video Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, zum 67. Jahrestag der Volkserhebung vom 17. Juni 1953

Zum Gedenktag des Volksaufstandes 1953 in der ehemaligen DDR

Nicht einmal vier Jahre nach ihrer Gründung steht die DDR kurz vor ihrem Ende: Eine knappe Lebensmittelversorgung, lange Schlangen vor den Geschäften und kein Strom in der Nacht machen die Menschen unzufrieden. Die Verbitterung wächst, als das SED-Regime Arbeitsnormen erhöht, was einer Lohnkürzung gleichkommt.
Ausgerechnet die Bauarbeiter in der Ost-Berliner Stalinallee, dem Prestigeprojekt der SED, beginnen zu streiken. Binnen Stunden greift der Aufstand auf mehr als 700 Orte über, weitet sich zum Generalstreik und schließlich zum Volksaufstand aus. Nur mit Hilfe sowjetischer Panzer gelingt es dem SED-Regime, den Aufstand niederzuschlagen – und damit die Rufe nach freien Wahlen und einer Wiedervereinigung Deutschlands zu ersticken.

Bedeutender Tag seit 1953
Im Gedenken an den Aufstand in der DDR erklärt die damalige Bundesrepublik Deutschland den 17. Juni als "Tag der deutschen Einheit" zum gesetzlichen Feiertag. Schon am 4. August 1953 wird ein entsprechendes Gesetz erlassen. Der 17. Juni soll an die Menschen erinnern, die für ihre Rechte und ihre Freiheit gekämpft und unter der Niederschlagung des Aufstands gelitten haben. Vor allem aber soll er daran erinnern, dass die beiden deutschen Staaten, dass Ost und West, zusammengehören.

Entscheidend für die Geschichte
Der Einigungsvertrag, der am 29. September 1990 in Kraft tritt, erklärt den 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit, zum staatlichen Feiertag. Der 17. Juni bekommt den Status eines Gedenktages. Der Feiertag wird aufgehoben. Auch wenn der 17. Juni kein Feiertag mehr ist: Der Aufstand in Ost-Berlin und der DDR gehört zu den prägendsten und bedeutendsten Ereignissen der jüngeren deutschen Geschichte. Ohne ihn lässt sich die deutsche Geschichte der vergangenen Jahrzehnte nicht erklären.
Die Fluchtbewegung in den Folgejahren, die "Abstimmung mit den Füßen", lässt sich ebenso wenig nachvollziehen wie der Bau der Mauer, die systematische Verfolgung Andersdenkender, die Proteste gegen das Regime oder die Friedliche Revolution. Schon deshalb muss der 17. Juni ein Gedenktag bleiben. Aber auch, weil er das Bewusstsein dafür schärft, was Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie bedeuten.

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