Frieden braucht Frauen

Zivile Krisenprävention

Die Rolle von Frauen in der zivilen Krisenprävention

Afrikanische Frauen auf einer Versammlung

Frauen wollen Frieden, Sicherheit und Gleichberechtigung

Foto: Claire Born

Von Hannah Neumeyer, Auswärtiges Amt

„In der Vergangenheit waren wir stumm. Aber als wir getötet, vergewaltigt, entwürdigt und mit Krankheiten infiziert worden waren, als wir die Zerstörung unserer Kinder und Familien mitangesehen hatten, hatte der Krieg uns gelehrt: Die Zukunft liegt in unserem Nein zu Gewalt und unserem Ja zu Frieden. Wir geben nicht auf, bis wir Frieden haben“ (die liberianischen Frauenrechtlerinnen Leymah Gbowee und Comfort Freeman - zitiert nach peacewomen).

Mit diesem Vorsatz bildete sich nach mehr als 15 Jahren grausamen und blutigen Bürgerkrieges in Liberia eine Bewegung christlicher und muslimischer Frauen. Sie setzten sich mit Protestmärschen, Sit-ins und Gesprächen für den Frieden ein. Damit trugen sie maßgeblich dazu bei, den Bürgerkrieg zu beenden.

Mehr Beteiligung von Frauen

Ein Beispiel, das zeigt, wie Frauen zu Konfliktbewältigung, Friedensprozessen und Krisenprävention beitragen können. Aber das ist nicht die Regel: Nur vier Prozent aller Teilnehmer an Friedensverhandlungen in Konflikten weltweit sind Frauen.

  • Frauen sind in Konflikten überproportional Opfer – sie sind überproportional betroffen von Übergriffen auf Zivilisten, die nach internationalem Recht nicht Ziel von Kampfhandlungen sein dürfen;
  • sie sind betroffen von sexueller Gewalt, die oft als Mittel benutzt wird, um die Zivilbevölkerung als Ganzes zu verängstigen;
  • sie sind besonders hart betroffen von Flucht und Vertreibung.

Zudem werden Frauen in Post-Konflikt-Phasen oft durch stereotype Rollenbilder daran gehindert, aktiv Einfluss auf Friedensordnung und Wiederaufbau zu nehmen.

Frauen in bewaffneten Konflikten: Zahlen und Fakten

  • Der Anteil von Frauen an Friedensverhandlungen liegt weltweit bei nur vier Prozent.
  • In VN-Friedenseinsätzen stellen Frauen 30 Prozent des zivilen Personals, neun Prozent des Polizeipersonals und zwei Prozent des militärischen Personals.
  • Beim vom Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) vermittelten deutschen Personal in Friedenseinsätzen liegt der Frauenanteil bei 39 Prozent.

Nur mit Frauen Frieden nachhaltig sichern

Dabei ist inzwischen von Politik und Wissenschaft anerkannt, dass die Beteiligung von Frauen in der Konfliktbeilegung und Friedenssicherung unabdingbar ist, um Frieden nachhaltig zu sichern. Friedenswiederherstellung und -erhaltung sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben und Prozesse. Sie können nur dann nachhaltige Wirkung erzielen, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind.

Rund 50 Prozent der von Konflikten betroffenen Länder fallen innerhalb von fünf Jahren nach einem Friedensschluss zurück in Gewalt und Krieg. Bewaffnete Konflikte haben viele Ursachen. Die Erfahrung aus Konfliktregionen hat gezeigt, dass wirksame Krisenprävention einen umfassenden Ansatz verlangt. Sie kann  längerfristig nur funktionieren, wenn alle wichtigen Akteure mit einbezogen werden.

Versöhnung einer Gesellschaft, Aufbau stabiler politischer Institutionen, Schaffung einer mündigen Zivilgesellschaft, Reform von Justiz- und Sicherheitssektor und nachhaltige Entwicklung lassen sich nicht erreichen, wenn die Hälfte der Bevölkerung mit ihren Bedürfnissen und ihrem Wissen ausgeschlossen bleibt.

Von Frau zu Frau – Gewaltopfer brauchen Vertrauen

verzweifeltes afrikanisches Mädchen in Burundi

Vergewaltigung wird in Konflikten oft als Waffe eingesetzt

Foto: Philipp Ziser

Es geht also nicht darum, ob Frauen friedlicher sind als Männer oder ob sie bessere Friedensstifterinnen sind. Vielmehr ist die Einbindung von Frauen zur Lösung von Konfliktsituationen ein Aspekt des Rechts auf gleichberechtigte Teilhabe. Sie ist eine Bedingung dafür, dass gesamtgesellschaftliche Bedürfnisse und Anliegen nach einem Konflikt berücksichtigt werden: So ist die schwierige Aufgabe der Aufklärung, Verfolgung und Vermeidung von sexuellen Gewalttaten weitaus besser zu bewältigen, wenn die betroffenen Frauen weibliche Ansprechpartner bei Polizei, Militär und anderen befassten Institutionen haben.

In Anerkennung dieser Lage verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seit 2000 eine Reihe von Resolutionen zum Thema "Frauen in Konfliktsituationen". Die Resolutionen fordern die Einhaltung und den Schutz der Rechte von Frauen in gewaltsamen Konflikten. Ebenso fordern sie die Beteiligung von Frauen als gleichberechtigte Akteure in allen Phasen der Konfliktbeilegung.

Eine weitere Forderung lautet, dass sich VN-Institutionen, die im Bereich Friedensschaffung und Friedenssicherung arbeiten, verstärkt mit dem Thema Frauen in Konfliktsituationen befassen. Auch Institutionen, deren Mandat auf Frauen ausgerichtet ist, sollen ihr Augenmerk auf Konfliktsituationen richten.

Die Sicherheitsratsresolutionen zu „Frauen, Frieden und Sicherheit“
Die Resolutionen 1325 (2000) und 1889 (2009) nehmen die Rolle von Frauen in Konfliktsituationen und ihre bessere Repräsentation in Friedensprozessen in den Blick. Resolution 1325 bringt zum ersten Mal völkerrechtlich verbindlich die Überzeugung zum Ausdruck, dass stabile Friedensabkommen und nachhaltige Friedenssicherung ohne Beteiligung von Frauen nicht möglich sind. Der Fokus der drei Resolutionen 1820, 1888 und 1960 liegt auf dem Problem der sexuellen Gewalt in Konfliktsituationen.

Deutschland stärkt Rolle der Frauen in Konfliktregionen

Die Aishe - i - Durani Schule in Kabul

Mehr Selbstbewusstsein durch Bildung und Existenzgründung

Foto: Bundeswehr/Stollberg

Die Bundesregierung setzt sich in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und der Europäischen Union dafür ein, die Rolle von Frauen in Konfliktbewältigung und Krisenprävention zu stärken. Sie unterstützt weltweit konkrete Maßnahmen:

In Afghanistan hilft die Bundesregierung seit 2007 beim Aufbau der afghanischen Polizei. Die Ausbildung von Polizistinnen ist dabei ein besonderer Schwerpunkt.

In Asien, Lateinamerika und Afrika engagiert sich die Bundesregierung in Projekten zum Schutz von Frauen gegen sexuelle Gewalt und zur Gewaltprävention. Im Irak fördert Deutschland Existenzgründungsseminare für irakische Frauen.

Deutschland finanziert ein Programm der Vereinten Nationen, mit dem Ausbildungs- und Trainingsprogramme für Teilnehmer an VN-Friedenmissionen weltweit in Fragen der Geschlechtergerechtigkeit fortgebildet werden sollen.

Das ZIF rekrutiert und trainiert im Auftrag der Bundesregierung ziviles Personal für internationale Friedenseinsätze. Das gilt besonders für Einsätze der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Der Frauenanteil am zivilen deutschen Personal in Friedenseinsätzen liegt inzwischen bei 39 Prozent (Vergleich Frauenanteil im internationalen zivilen Personal insgesamt: 30 Prozent).

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