Hilfsorganisationen und zivilgesellschaftliches Engagement

Hilfsorganisationen und zivilgesellschaftliches Engagement

Bei der Durchsetzung ihrer entwicklungspolitischen Ziele arbeitet die Bundesregierung mit so genannten Nichtregierungsorganisationen (NRO’s) und staatlichen Durchführungsorganisationen zusammen.

Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) bereiten Hilfslieferungen für Syrien vor.

Hilfe vor Ort organisieren

Foto: picture alliance / dpa

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wirbt dafür, dass die Entwicklungspolitik in vielfältiger Weise Unterstützung aus der Mitte der Gesellschaft erhält. Es fördert deshalb verstärkt das entwicklungspolitische Engagement der Zivilgesellschaft.

NRO’s tragen entscheidend dazu bei, dass die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit verankert wird. Sie geben entscheidende Anstöße für die gesellschaftliche Diskussion – in Europa ebenso wie in Entwicklungsländern. Immer größere Bedeutung erlangen sie auch als "watchdogs", also als Mahner und "Anwälte" der Menschen, deren eigene Stimme im politischen Raum kein Gehör findet.

Das BMZ unterstützt die entwicklungspolitische Arbeit der NRO’s finanziell, vorausgesetzt, ihre Arbeit entspricht den Grundsätzen der deutschen Entwicklungspolitik.

Netzwerke und Fachkompetenz nutzen

In Deutschland gibt es mehrere tausend entwicklungspolitische NRO’s. Sie leisten mit ihrer Fachkompetenz wichtige Arbeit sowohl vor Ort in den Einsatzländern wie auch in Deutschland.

In den Entwicklungsländern arbeiten sie meist eng mit lokalen Organisationen zusammen und mobilisieren Selbsthilfe und Eigeninitiative. In Deutschland werben sie bei den Bürgerinnen und Bürger für mehr entwicklungspolitisches Engagement. Das BMZ schätzt die Nichtregierungsorganisationen auch als kritische Stimmen in Deutschland, die wichtige Diskussionen anstoßen.

Kompetenz der NRO’s

Die NRO’s spiegeln das zivilgesellschaftliche Engagements Deutschlands sowohl in den Partnerländern als auch hierzulande wider. Ihre Stärke liegt unter anderem in der hohen Motivation und Sachkompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Partner, mit denen sie vor Ort zusammenarbeiten.

Ein großer Vorteil ist auch ihre Nähe zu unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen. Diese Nähe ist einer wesentlichen Voraussetzung zur Mobilisierung von Selbsthilfekräften und Eigeninitiative.

Durch ihre langjährige Erfahrung vor Ort haben NRO’s oftmals langfristige entwicklungsfördernde Strukturen und Netzwerke aufgebaut. Seit einigen Jahren findet daher ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen der Bundesregierung und den NRO’s statt. Zusammen mit Kirchen, politischen Stiftungen und anderen privaten Trägern beteiligt sie das Bundesentwicklungsministerium regelmäßig an der Erarbeitung ihrer entwicklungspolitischen Länder- und Regionalkonzepte.

Nah bei den Menschen

Ein gemeinsames Merkmal aller NRO’s ist, dass sie über keine staatlichen Machtmittel verfügen und dass der Staat keinen direkten Einfluss auf sie hat. Dennoch – oder gerade deshalb – ist die Akzeptanz der Arbeit von NRO’s bei der Bevölkerung und in den Medien weltweit groß. Dadurch haben viele NRO’s einen besseren Zugang zu den Menschen als staatliche Einrichtungen. Sie schaffen vielerorts ein besonderes Vertrauensverhältnis.

Dieses Vertrauensverhältnis hat sich schon oft – gerade in politisch sensiblen Situationen – als grundsolide Basis erwiesen, um auch in kritischen Momenten noch in Kontakt und Gesprächen zu bleiben. Und dies besonders in Ländern, mit denen eine staatliche Zusammenarbeit aus politischen Gründen schwierig oder unmöglich ist. NRO’s können durch ihre Unabhängigkeit auch in Ländern und Regionen tätig werden, in denen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit die Hände gebunden sind.

So ist beispielsweise ein kirchliches Hilfswerk durch seine weltweiten Strukturen ganz nah an den Bedürfnissen der Menschen in Entwicklungsländern. Die Kontakte reichen bis in die Dorfgemeinschaften und sogar in die Familien hinein. Grundbedingung für die Vergabe staatlicher Fördergelder an ein kirchliches Hilfswerk ist dabei allerdings auch, dass dieses nicht missionarisch tätig ist, sondern für alle bedürftigen Menschen eintritt.

Nichtregierungsorganisationen, NRO’s (englisch: non-governmental organisation = NGO), sind prinzipiell alle Verbände oder Gruppen, die gemeinsame Interessen vertreten. Das sind zum Beispiel kirchliche Organisationen, politische Stiftungen, Fördervereine, Initiativgruppen, Aktionsbündnisse, Solidaritätskreise und entwicklungspolitische Netzwerke. Sie sind nicht gewinnorientiert und nicht von Regierungen oder staatlichen Stellen abhängig. Einige typische Betätigungsfelder von NRO’s sind Entwicklungszusammenarbeit, Umwelt- und Menschenrechtspolitik.

Vielfalt der Akteure

Die meisten dieser Organisationen sind private, kirchliche oder politisch orientierte Träger von Programmen und Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Die wichtigsten Arbeitsbereiche der NRO’s sind die Armutsbekämpfung, die Förderung von Meinungsbildungs- und Partizipationsprozessen, der Aufbau sozialer und institutioneller Strukturen, die Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe und entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Derzeit sind 118 deutsche entwicklungspolitisch ausgerichtete Nichtregierungsorganisationen im Dachverband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) zusammengeschlossen. Jährlich kommen im Durchschnitt zehn neue Mitglieder hinzu. Viele kleinere NRO’s sind zudem über entsprechende Landesnetzwerke in die Arbeit von VENRO eingebunden. Die Gesamtzahl der bei VENRO organisierten entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen beläuft sich daher auf rund 2.000.

Förderung von NRO’s

Um ihre Programme durchführen zu können, sind die meisten NRO’s auf ehrenamtliche Arbeit und Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. Bei der Finanzierung ihrer entwicklungspolitischen Arbeit werden sie aber auch von staatlichen Stellen unterstützt. Kommunen, Bundesländer, Bundesregierung, aber auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen können auf Antrag Geld für die Arbeit der NRO’s zur Verfügung stellen.

Diese Fördermittel sind oft eine unverzichtbare Ergänzung der Eigenmittel der NRO’s. Bei vielen Maßnahmen von NRO’s besteht der Hauptanteil der finanziellen Mittel aus solchen staatlichen Zuschüssen.

2012 erhielten die Sozialstrukturträger vom BMZ 42.02 Millionen Euro. Für 2013 sind ebenfalls 42.02 Millionen Euro vorgesehen.
Die Politischen Stiftungen bekamen 2012 247,4 Millionen Euro. Für 2013 sind 249,4 Millionen Euro vorgesehen.
Die Kirchen erhielten 2012 216,0 Millionen Euro. 2013 waren es 218,0 Millionen Euro.
Für die Unterstützung politischer Stiftungen stehen dem BMZ 249 Millionen Euro im Jahr 2014 zur Verfügung, für Kirchen sind es 218 Millionen Euro.

Damit Programme und Projekte privater deutscher Träger der Entwicklungszusammenarbeit bezuschusst werden können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So beispielsweise die Gemeinnützigkeit der Organisation und Sitz in Deutschland oder fachliche und administrative Kompetenz.

Die im Auftrag des BMZ tätige Beratungsstelle für private Träger in der Entwicklungszusammenarbeit (bengo) unterstützt und berät private Träger bei der Antragstellung.

Engagement Global – Service für Entwicklungsinitiativen

Beratung aus einer Hand: Seit Jahresbeginn 2012 bündelt die Bundesregierung alle vom BMZ finanzierten Einrichtungen und Programme zur Förderung des bürgerschaftlichen und kommunalen Engagements und der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in einer zentralen Servicestelle. Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft Engagement Global – Service für Entwicklungsinitiativen ist es, engagierten Akteuren in Vereinen, Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Kommunen Information, Beratung, Förderung und Qualifizierung aus einer Hand anzubieten.

Mit Engagement Global gibt es erstmalig in Deutschland eine zentrale Anlaufstelle für die Vielfalt des entwicklungspolitischen Engagements sowie der Informations- und Bildungsarbeit: eine Telefonnummer, eine Adresse und eine Website.

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