Netzanbindung von Offshore-Windanlagen

Netzausbau Netzanbindung von Offshore-Windanlagen

Eine technische, finanzielle und logistische Herausforderung besonderer Art ist die Anbindung der Offshore-Windparks. Denn sie erzeugen in Stoßzeiten große Mengen Strom weitab von der Küste, der abtransportiert werden muss. Über lange Seekabel gelangt er in das Stromnetz an Land.

28.06.2011. Norddeich, Niedersachsen, Deutschland.Offshore Windpark Alpha Ventus ( 45 Kilometer vor Borkum ). Alpha Ventus ist der erste deutsche Offshore Windpark.

Die Netzanbindung von Offshore-Windenergie ist eine zentrale Herausforderung

Foto: Sebastian Bolesch

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung soll bis zum Jahr 2025 auf 40 bis 45 Prozent und danach kontinuierlich weiter steigen. Die Offshore-Windenergie ist dafür ein wesentlicher Baustein. Ein "Netzentwicklungsplan-Offshore" erhöht die Planungssicherheit bei Netzbetreibern, Betreibern von Offshore-Windanlagen und der Zulieferindustrie. 

Sogenannte Clusteranbindung sorgen für schnelleren Ausbau: Hier werden mehrere Offshore-Windparks an eine Anschlussleitung mit hoher Transportkapazität angeschlossen. Damit muss nicht jeder Windpark separat ans Netz angeschlossen werden und die Eingriffe in die Meeresumwelt werden vermindert.

Mehrstufige Planung für die Anschlüsse

Die Offshore-Netze werden seit 2013 zentral geplant, ähnlich wie für die Stromnetze an Land. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erstellt zunächst als zuständige Raumordnungsbehörde einen sogenannten Bundesfachplan Offshore. Der Plan legt die Standorte für Umspannplattformen und Trassen für Seekabel fest. Dabei berücksichtigt das Amt die Planungen für neue Offshore-Windparks ebenso wie andere Nutzungen und den Schutz des Meeres.

Die Übertragungsnetzbetreiber entwerfen dann einen sogenannten Offshore-Netzentwicklungsplan, orientiert am Bundesfachplan Offshore und an der Netzplanung an Land. Sie legen in ihrem Plan auch die Reihenfolge für den Bau der Netzanbindungen fest. Dieser Entwurfsplan wird von der Bundesnetzagentur überprüft und nach einem öffentlichen Beteiligungsverfahren vom Bundestag beschlossen.

Mit dem am 01.01.2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Entwicklung und Förderung der Windenergie auf See (Windenergie-auf-See-Gesetz – WindSeeG) ergibt sich eine wesentliche Änderung im Prozess zur Ermittlung des Netzausbaubedarfs onshore und offshore. Auf Grundlage des WindSeeG wird der Offshore-Netzentwicklungsplan durch den sogenannten Flächenentwicklungsplan des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie durch Angaben im Netzentwicklungsplan (insbesondere zu Maßnahmen zum Ausbau der Offshore-Anbindungsleitungen einschließlich der Netzverknüpfungspunkte an Land) abgelöst. Der O-NEP 2030, Version 2017 ist der letzte durch die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) erstellte Offshore-Netzentwicklungsplan.

20 Gigawatt bis zum Jahr 2030

In einer "Offshore-Vereinbarung" vom 12. Mai 2020 zwischen Bund, den Küstenländern sowie den Übertragungsnetzbetreibern verpflichten sich alle Beteiligten zu einer engen Zusammenarbeit, um den Windenergieausbau in Nord- und Ostsee mit einer Kapazität von 20 Gigawatt bis zum Jahr 2030 zu realisieren. Mit dieser Offshore-Vereinbarung wird die Basis für die Anhebung des Offshore-Ziels von 15 Gigawatt auf 20 Gigawatt bis 2030 gelegt.

Mit dieser Vereinbarung wird zudem eine Vorgabe aus dem Klimaschutzprogramm 2030 vom Oktober 2019 umgesetzt. Es sieht vor, eine verbindliche Vereinbarung mit den betroffenen Küstenländern sowie den Übertragungsnetzbetreibern als Voraussetzung für die Anhebung des Offshore-Ziels auf 20 Gigawatt zu schließen.

Offshore-Windausbau schreitet voran

Die gesamte Leistung der inzwischen 1.469 Offshore-Windenergieanlagen in Betrieb (mit Netzeinspeisung) beträgt in Deutschland inzwischen mehr als 7,5 Gigawatt (gut 7.500 Megawatt; Stand: Ende 2019). Das entspricht einer Zunahme von 160 Offshore-Windenergieanlagen gegenüber 2018 (Quelle: Bundesverband WindEnergie).


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