Langfristige Renovierungsstrategie für mehr Energieeffizienz

Energetische Sanierung Langfristige Renovierungsstrategie für mehr Energieeffizienz

Öffentliche und private Gebäude in Deutschland verbuchen für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung einen Anteil von 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Sie stehen für fast 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes.

Ein Mann montiert eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an die Fassade eines Mehrfamilienhauses.

Energieverbrauch senken, zum Beispiel durch Wärmedämmung.

Foto: picture-alliance/Weigel

Dass hier gespart werden kann und muss, liegt auf der Hand. Viele Häuser in Deutschland sind ungenügend isoliert, denn sie wurden vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung von 1979 errichtet. Durch fachgerechtes Sanieren und moderne Gebäudetechnik können teilweise bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs eingespart werden. Dieses Potential gilt es zu erschließen.

Die Bundesregierung hat am 17. Juni die langfristige Renovierungsstrategie beschlossen. Es geht darum, die Energieeffizienz im Gebäudebereich merklich zu erhöhen. Mit Meilensteinen und Maßnahmen sollen Anreize zur energetischen Sanierung geschaffen werden. Eine solche Strategie hat die EU von ihren Mitgliedstaaten jeweils erbeten; zusammen werden sie die Grundlage der im Green Deal angekündigten Renovierungswelle bilden.

Mehr Energieeffizienz: geringerer CO2-Ausstoß

Die Menge der pro Jahr eingesparten Energie - werden Gebäude und Wohnungen im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms der Bundesregierung saniert oder besonders energieeffizient errichtet - entspricht etwa der Energieproduktion von zwei Kernkraftwerken. Zugleich wird jedes Jahr der Ausstoß von gut sechs Millionen Tonnen CO2 vermieden.

Deswegen ist die energetische Gebäudesanierung das Herzstück der Maßnahmen der Bundesregierung zur Energieeinsparung. Und sie schafft Wachstum und Arbeit. Aktuellen Studien zufolge könnten gut 215.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Bauhandwerk entstehen, wenn der Gebäudebestand bis 2050 energetisch modernisiert wird.

Mit dem Mietrechtsänderungsgesetz aus dem Jahr 2013 passt die Bundesregierung das Mietrecht den aktuellen Herausforderungen an: Beispielsweise um energetische Sanierungsmaßnahmen zu erleichtern. Ziel ist ein gerechter Interessenausgleich zwischen Vermieter und Mieter. Vermieter dürfen - wie bei anderen Sanierungen auch - nach geltendem Recht jährlich maximal elf Prozent der Kosten für die Modernisierungen auf die Miete umlegen. Wobei der Erhaltungsaufwand allein vom Vermieter zu tragen ist. Der Mieter profitiert zweifach: Die Sanierung senkt die Betriebskosten und die Wohnqualität steigt.

"Energetischer" Zuschuss für Heizungsanlagen

Die Modernisierung von Fenstern, Dämmung von Fassaden, Dach und Kellerdecken oder Installation einer neuen Heizungsanlage reduziert Heizkosten erheblich. Eigentümer und Mieter werden zugleich unabhängiger von steigenden Energiepreisen. Nicht zuletzt profitieren sie auch von einem behaglicheren Wohnklima.

Wer also seine Heizungsanlage mit Hilfe erneuerbarer Energien saniert, wird finanziell unterstützt: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gibt einen Zuschuss für kleine Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien aus dem Programm "Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt". Mit dem Förderprogramm Nr. 167 stellt die KfW eine ergänzende Kreditfinanzierung zur BAFA-Förderung bereit. Das neue Programm kann entweder mit einem BAFA-Zuschuss kombiniert oder eigenständig genutzt werden. Allerdings darf Summe aus Kredit und Zuschuss nicht die förderfähigen Kosten übersteigen.

Was wird genau gefördert?

Die KfW-Förderung gilt für

  • thermische Solarkollektoranlagen bis 40 m2 Bruttokollektorfläche,
  • Biomasseanlagen mit einer Nennwärmeleistung von fünf kW bis 100 kW sowie
  • Wärmepumpen mit einer Nennwärmeleistung bis 100 kW.

Wichtig für eine Förderung ist, dass die Heizungsanlage im Wohngebäude vor dem 1.1.2009 installiert wurde. Gefördert werden auch Gebäude, für die vor dem 1.1.2009 ein Bauantrag gestellt beziehungsweise eine Bauanzeige erstattet wurde. Wird beispielsweise ein Gebäude überwiegend zum Wohnen (Miet- oder Eigentumswohnungen) genutzt, ist auch eine zentrale Heizungsanlage und/oder eine zentrale Lüftungsanlage für das Gesamtgebäude förderfähig. Ausgeschlossen von der Förderung sind Ferien- und Wochenendhäuser sowie gewerblich genutzte Flächen.

Für wen gilt das Förderprogramm?

Den KfW-Ergänzungskredit kann betragen, wer

  • durch Kauf Eigentümer an selbst genutzten oder vermieteten Wohngebäuden wird
  • bereits Eigentümer ist und die Heizungsanlage austauschen möchte.

Maximal gefördert werden 50.000 Euro pro Wohneinheit. Die Laufzeit des Kredits beträgt bis zu 10 Jahre bei einem festgeschriebenen Zinssatz für die Gesamtkreditlaufzeit. Die Konditionen für die jeweils geltenden Maximalzinssätze (Soll- und Effektivzinssätze nach den gesetzlichen Bestimmungen) sind in einer Übersicht für die einzelnen KfW-Förderprogramme enthalten. Der Förderantrag ist vor dem Heizungsaustausch bei der Hausbank zu stellen. Nachdem die KfW-Förderbank geprüft hat, gewährt die Hausbank den Kredit.

Prämie für Austausch von Ölheizungen

Es lohnt sich, in den kommenden Jahren von alten Öl- und Gasheizungen auf klimafreundliche Anlagen oder direkt auf erneuerbare Wärme umzusteigen. Um die Austauschrate von Ölheizungen zu erhöhen, wird es eine "Austauschprämie" mit einer 40-prozentigen Förderung geben.

Ab 2026 soll in Gebäuden, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist, der Einbau von Ölheizungen nicht mehr erlaubt sein.

Beraten, fördern, finanzieren

  • Deutlich mehr Fördermittel: jährlich rund 3,6 Milliarden Euro stehen 2020 bis 2023 zur Finanzierung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms zur Verfügung. Für die Förderung wurde der Energie- und Klimafonds eingerichtet.
  • Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) wird der ordnungspolitische Rahmen abgesteckt. Sie regelt, welche energetischen Mindeststandards Neubauten und Bestandsgebäude bei einer größeren Sanierung einhalten müssen. Ambitionierte Standards sollen die Effizienz von Gebäuden weiter erhöhen. Dies gilt soweit es im Rahmen einer ausgewogenen Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigung der Belastungen der Eigentümer und Mieter wirtschaftlich vertretbar ist.
  • Informations- und Beratungsmaßnahmen und vor allem der Energieausweis sorgen für mehr Transparenz. Um eine Sanierung gut vorzubereiten, fördert die Bundesregierung die "Vor-Ort-Beratung" durch qualifizierte Energieberater.
  • Im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms hat der Bund die KfW- Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren aufgelegt. Sie unterstützen Haus- und Wohnungseigentümer bei der Finanzierung energiesparender Baumaßnahmen.
  • Für den Gebäudebestand gibt es einen Sanierungsfahrplan. Dieser gibt als Handlungsempfehlung eine Orientierung für Eigentümer, mit welchen Sanierungsmaßnahmen der Niedrigstenergiestandard bis 2050 erreicht werden kann. Die wirtschaftlichen Anreize für energetische Gebäudesanierungen werden sich am Sanierungsfahrplan ausrichten. Bundesbauten sollen bei der Reduzierung des Energieverbrauchs eine Vorbildfunktion einnehmen.

Effizient heizen mit Brennstoffzellen

Auch wenn ihre Markteinführung hierzulande noch am Anfang steht, sind die innovativen und hocheffizienten Heizungen mit Brennstoffzelle ein wichtiger Baustein, Energie effizienter einzusetzen.

Diese Heizungen kombinieren Strom- und Wärmeerzeugung. Das besondere an ihnen ist, dass sie im Vergleich zu normalen Öl- oder Gas-Heizsystemen einen deutlich höheren Wirkungsgrad entfalten. Das heißt, der eingesetzte Brennstoff (z.B. Erd- oder Biogas) wird direkt in Strom umgewandelt. Die dabei entstandene Wärme kann sowohl zum Heizen als auch zur Warmwasserbereitung genutzt werden.

Und der Bund fördert das Heizen mit Brennstoffzellen über das KfW-Programm "Energieeffizient Bauen und Sanieren - Zuschuss Brennstoffzelle".

Die Förderung erfolgt über reine Investitionszuschüsse mit bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten – maximal 28.200 Euro pro Brennstoffzelle. Der Grundbetrag beläuft sich auf 5.700 Euro. Ergänzt wird dieser durch einen leistungsabhängigen Betrag von 450 Euro je angefangener 100 Watt elektrische Leistung.

Bei der Antragstellung ist ein Energieeffizienz-Experte aus der „Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes“ einzubeziehen.

Förderung für Kommunen wird verstärkt

Mit den KfW-Programmen zur CO2-Gebäudesanierung in wird die energetische Sanierung von Gebäuden der kommunalen und sozialen Infrastruktur auch für finanzschwache Kommunen erheblich erleichtert. In den gut 300.000 Gebäuden der kommunalen und sozialen Infrastruktur liegen große Potenziale für Energieeinsparung und Klimaschutz. Die Kommunen profitieren unmittelbar von sinkenden Energiekosten in ihren Gebäuden. Zugleich werden sie so ihrer Vorbildrolle für ihre Bürger gerecht.

Förderkonditionen:

  • Die Förderung wird um die Förderbausteine für energetisch anspruchsvolle Sanierungen auf das Niveau Effizienzhaus 70 und 55 erweitert.
  • Da häufig gerade Rathäuser, Museen oder Schulen unter Denkmalschutz stehen oder als besonders erhaltenswerte Bausubstanz gelten, wird den Erfordernissen schützenswerter Gebäude mit dem neuen Förderbaustein "KfW-Effizienzhaus Denkmal" künftig verstärkt Rechnung getragen.
  • Erstmals werden auch Maßnahmen an Gebäuden kommunaler Unternehmen (z.B. Betreiber von Schwimmbädern oder Veranstaltungseinrichtungen) mit dem KfW-Programm "Energieeffizient Sanieren – Kommunale Unternehmen" gefördert.
  • Mit der Einführung von Tilgungszuschüssen gestaffelt nach KfW-Effizienzhaus-Niveau wird die Förderung auch für finanziell schwächere Kommunen attraktiver. Zugleich steigt der Anreiz, in höhere Energieeffizienz zu investieren.