Ein neues Zeitalter 

Erneuerbare Energien Ein neues Zeitalter 

Wegen der Endlichkeit von fossilen Energiequellen hat Deutschland vor ein paar Jahrzehnten begonnen, seine Energieversorgung grundlegend umzustellen, und zwar auf erneuerbare Energien. Einen zusätzlichen Schub erfuhr dieser Umstieg durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011, woraufhin hierzulande zudem der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen wurde. Auf der Weltklimakonferenz Anfang November 2021 in Glasgow haben sich die rund 200 teilnehmenden Staaten erstmals darauf geeinigt, die Kohlenutzung zumindest herunterzufahren.

Das Bild zeigt einen Solar-Park mit Windrädern im Hintergrund.

Die erneuerbaren Energien haben deutlich zugelegt: Ihr Anteil am Bruttostromverbrauch liegt inzwischen bei rund 46 Prozent.

Foto: Paul Langrock/Zenit/laif

Die Bundesregierung hat beschlossen, als Energiequelle für die Verstromung bis zum Jahr 2025 40 bis 45 Prozent aus erneuerbaren Energien zu nutzen. Bis 2030 sollte dieser Anteil auf 65 Prozent steigen. Dafür bedarf es allerdings weiterer Anstrengungen. Denn bislang tragen sich die erneuerbaren Energien noch nicht alle selbst. Außerdem sind weiterhin bürokratische Hürden zu überwinden. Nicht zuletzt ist das Netz noch nicht optimal für diese dezentrale Energiegewinnung ausgelegt.

Fast die Hälfte des Stroms ist aus erneuerbaren Energien

Bereits heute zählen Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu den wichtigsten Quellen bei der Stromversorgung. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch lag Ende 2020 bei rund 46 Prozent. Zehn Jahre zuvor war der Erneuerbare-Energien-Anteil mit 16,9 Prozent deutlich weniger als halb so hoch.

Auch bei der Wärmeversorgung spielen erneuerbare Energien zunehmend eine wichtige Rolle. Im Jahr 2020 wurden 19,3 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt.

Windenergie 

Mit insgesamt 62,50 GW Windenergieleistung in 2020, davon 7,75 GW auf See, schreitet die Windenergie voran – ein Jahr zuvor betrug der Windenergie-Anteil noch 61,43 GW, davon 7,516 GW auf See. Die Leistung in 2020 wurden von 31.109 installierten Windenergieanlagen erbracht, davon 1.501 auf See.

Eine am 3. Juni 2020 verabschiedete Änderung im "Windenergie-auf-See-Gesetz" sieht eine deutliche Erhöhung des Ausbauziels bis zum Jahr 2030 vor. Dieses soll von bislang 15 auf 20 Gigawatt steigen. Als Langfristziel sieht die Gesetzesänderung eine installierte Leistung von Offshore-Anlagen bis zum Jahr 2040 in Höhe von 40 Gigawatt vor. Es gilt, dazu beizutragen, die Planungssicherheit für Bund, Küstenländer, Übertragungsnetzbetreiber und Industrie zu erhöhen.

Damit Windenergie noch weiter wachsen kann, muss mehr auf Nachhaltigkeit, die passenden Standorte und ein transparentes Genehmigungsverfahren geachtet werden. Die Anliegen aller Beteiligten sind angemessen zu berücksichtigen. Nur so kann die nötige Akzeptanz vor Ort erzielt werden. Dies betrifft in erster Linie den Abstand zwischen Windkrafträdern und Gemeinden.

Mit einem Beschluss des Bundestages vom 18. Juni 2020 wurde entschieden, den Ländern mit einer Länderöffnungsklausel im Baugesetzbuch zu überlassen, die Mindestabstände zwischen Windenergieanlagen und Wohngebäuden zu regeln: Länder entscheiden selbst, ob sie von der 1.000-Meter-Abstandsregelung für Windräder Gebrauch machen und im jeweiligen Landesrecht Abweichungen regeln. 

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist ein zentrales Instrument der Energiewende. Schon seit dem Jahr 2000 regelt es die Förderung der erneuerbaren Energien durch garantierte Einspeisevergütungen sowie durch den Einspeisevorrang. 

Ziel der Bundesregierung war und ist es zugleich, die Kosten für die Verbraucher jedoch zu begrenzen, denn sie bezahlen die Ökostrom-Umlage für jede verbrauchte Kilowattstunde. Von einer anfänglich pauschalen Vergütung der Ökostrom-Hersteller passte die Bundesregierung die Vergütung den Erfordernissen an und entwickelte sie schließlich um zu einer marktwirtschaftlichen Ausschreibungslösung. Bürgerenergiegenossenschaften können sich an diesen Ausschreibungen mit erleichterten Bedingungen beteiligen, denn eine große Akteursvielfalt ist gewünscht. Das Prinzip der Ausschreibungen betrifft die Windenergie an Land und auf See, Photovoltaik und Biomasse. Kleine Anlagen sind davon ausgenommen und bekommen die Vergütung weiterhin nach dem ursprünglichen System.

Als mit dem rasanten Ausbau das Stromnaetz drohte, nicht mithalten zu können, legte die Bundesregierung Ausbaumengen für die einzelnen Energieträger wie Sonne, Wind und Biomasse fest, die inzwischen aber schon wieder gelockert wurden. Zugleich setzte es Anreize für eine stärkere Direktvermarktung des Stroms durch die Erzeuger.

"EEG 2021": Auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität

Für das 65-Prozentziel hat die Bundesregierung eine Änderung des EEG ("EEG 2021") beschlossen. Darin ist auch das Ziel verankert, die Erzeugung und den Verbrauch von Strom bis 2050 treibhausgasneutral zu gestalten. Inzwischen wurde dieses Ziel sogar für 2045 vorgezogen.

Das Anfang 2021 in Kraft getrer"EEG 2021" Die Kostenbelastung für Bürger wie für Unternehmen ist zu begrenzen und die Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien zu erhöhen. Hierzu wird den Kommunen eine finanzielle Beteiligung beim Ausbau von Windenergie an Land ermöglicht. Auch die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für den sogenannten "Mieterstrom" sind verbessert. ist Anfang 2021 in Kraft getreten.

Für eine raschere Energiewende verständigte man sich auf  Verbesserungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz: Die Ausschreibungsmengen in 2022 für Photovoltaik wurden von 1,9 Gigawatt auf 6 Gigawatt, für Wind an Land von 2,9 Gigawatt auf 4 Gigawatt erhöht. Das Repowering von Windanlagen wird erleichtert. Darüber hinaus soll die EEG-Umlage weiter gesenkt werden.

Die Europäische Kommission hat die wesentlichen Teile des EEG 2021 beihilferechtlich genehmigt. Nicht von der Genehmigung umfasst sind allerdings die 27. April 2021 vom Bundeskabinett beschlossenen Erhöhungen der Ausschreibungsmengen für Wind an Land und Solar für das Jahr 2022. Diese werden nach Verabschiedung durch den Bundestag in einem separaten Genehmigungsverfahren von der Kommission geprüft.

Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein
Mit einer Änderung des Klimaschutzgesetzes will die Bundesregierung die Klimaschutzvorgaben verschärfen und das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verankern. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende April 2021. Es monierte, dass Vorgaben für die Minderung der Emissionen ab dem Jahr 2031 fehlten. Das Anliegen des Gerichts war es, die Lasten der Aufgabe fairer zwischen den jetzigen und künftigen Generationen verteilt zu wissen.

Die sogenannte Ökostrom-Umlage

Die Kosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien werden mit der Ökostrom-Umlage von den Endverbrauchern getragen.

In 2021 soll die EEG-Umlage durch finanzielle Zuschüsse aus Erlösen der CO2-Bespreisung weiter entlastet werden. Darüber hinaus werden klimaschutzrechtliche Anreize zur Nutzung von "grünem Strom" verbessert.

Die Ökostrom-Umlage sinkt von 6,5 Cent pro Kilowattstunde in 2021 auf 3,752 Cent  im kommenden Jahr. Das gaben die Übertragungsnetzbetreiber am 15. Oktober 2021 bekannt. 

Die Energiewende hilft dem Klimaschutz

Die Erneuerbaren Energien in Deutschland trugen 2020 dazu bei, die Treibhausgas-Emissionen zu senken: Es wurden rund 739 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, was 70 Millionen Tonnen weniger war als noch ein Jahr zuvor. Im Vergleich zu 1990 ist es gelungen, die Treibhausgasemissionen bereits um fast 41 Prozent zu reduzieren.

Den größten Emissionsrückgang verzeichnet der Sektor Energiewirtschaft. Mit rund 221 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente lagen sie unter der im Klimaschutzgesetz erlaubten Menge von 280 Millionen Tonnen pro Jahr. Im Verkehrssektor betrugen die Emissionen mit 146 Millionen Tonnen CO2 rund 19 Millionen Tonnen weniger als 2019 – damit ebenfalls unter der erlaubten Menge von 150 Millionen Tonnen CO2. Ebenfalls rückläufig waren die Emissionen in der Industrie, wo ein Rückgang um knapp neun Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf rund 178 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (- 4,6 Prozent gegenüber 2019) verzeichnet werden konnte. Die erlaubte Menge betrug 186 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Auch im Gebäudebereich gingen die Emissionen zurück: um gut 3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten auf 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (- 2,8 Prozent gegenüber 2019). Das war allerdings mehr als gesetzlich als erlaubte Menge in Höhe von 118 Millionen Tonnen vorgesehen. Die im Gebäudebereich kürzlich aufgelegten bzw. aufgestockten Förderprogramme werden sich erst mit etwas Zeitverzug in den Emissionszahlen zeigen.

Erneuerbar beschäftigt

Mit der Energiewende werden in Deutschland neue Arbeitsplätze geschaffen. Die erneuerbaren Energien sind inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Aktuell sind mehr als 330.000 Menschen im Bereich erneuerbare Energien beschäftigt. Zugpferd ist vor allem die Windenergiebranche. Mit 160.000 Beschäftigten davon ist fast die Hälfte aller Erneuerbaren-Beschäftigten in der Windbranche angestellt.

Auf Windenergie an Land entfallen 133.000 Arbeitsplätze, Wind auf See bietet 28.200 Stellen. Danach rangiert die Biomasse mit 105.600 Beschäftigten. In der Solarenergie sind um die 40.000 Menschen tätig. Damit hat sich im Bereich der erneuerbaren Energien seit 2000 die Zahl der Arbeitsplätze mehr als verdreifacht. 

Weiteres Beschäftigungs- und Entwicklungspotenzial bietet der sogenannte „Start up Energy Transition (kurz: SET) Hub“. Damit werden Start-up-Unternehmen bei der Entwicklung ihrer innovativen Geschäftsmodelle und Lösungen für die Energiewende unterstützt. In einem individuellen Beratungsprogramm („SET Mentoring“) erhalten ausgewählte Gründerinnen und Gründer die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell von der deutschen Energieagentur im Hinblick auf die komplexen Rahmenbedingungen des Energiemarktes unter die Lupe nehmen zu lassen.

Das 2020 gemeinsam von dena und Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Projekt will möglichst vielen Start-ups im Bereich der Energiewirtschaft einen Schub verleihen – und damit auch die Energiewende weiter ankurbeln.

Auch auf europäischer Ebene verpflichtet

Bis zum Jahr 2030 sieht der am 10. Juni 2020 beschlossene "Nationale Energie- und Klimaplan" nachfolgende "EU-2030-Ziele" für Deutschland vor:

  • den Ausbau erneuerbarer Energien auf 30 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch,
  • die Steigerung der Energieeffizienz durch Minderung des Primärenergieverbrauchs um 30 Prozent gegenüber 2008 und
  • die Treibhausgasminderung um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990.

Auch international Flagge zeigen

Die Bundesregierung setzt sich nicht zuletzt auch international für den Ausbau erneuerbarer Energien ein. Denn Wind, Sonne und andere erneuerbare Energiequellen haben ein enormes Potential, das weltweit statt fossiler Energien genutzt werden sollte.

So haben sich auf der Weltklimakonferenz Anfang November 2021 die rund 200 teilnehmenden Staaten in Glasgow erstmals darauf geeinigt, die Kohlenutzung zumindest herunterzufahren. Und – wie auf der Konferenz verkündet – ist Deutschland zusammen mit Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten vom Amerika sowie der Europäischen Union eine Energie-Partnerschaft mit Südafrika eingegangen, um den Ausstieg aus der Kohleverstromung weiter voranzutreiben.

Diese Partnerschaft soll auch beispielhaft dafür sein, wie zwischen einem Schwellenland und internationalen Partnern kooperiert werden kann. Es geht um Finanzierungsoptionen für innovative technische Entwicklungen und Investitionen, die allerdings noch auszuarbeiten sind. Neben der finanziellen Unterstützung ist es zudem Ziel, qualitativ hochwertige, „grüne“ Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei erkennt die Partnerschaft die Anstrengungen Südafrikas an, eine „gerechte Wende“ zu gestalten, zum Wohle der Betroffenen.

Bereits kurz zuvor haben sich die G20-Staaten darauf verständigt, aus der internationalen Finanzierung von Kohlekraftwerken auszusteigen, was auf der Weltklimakonferenz nochmals bekräftigt wurde.