Ein neues Zeitalter hat begonnen

Erneuerbare Energien Ein neues Zeitalter hat begonnen

Deutschland hat vor ein paar Jahrzehnten begonnen, wegen der Endlichkeit von fossilen Energiequellen seine Energieversorgung grundlegend umzustellen, und zwar auf erneuerbare Energien. Einen zusätzlichen Schub erfuhr dieser Umstieg durch die verheerende Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011, woraufhin hierzulande noch der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen wurde.

Das Bild zeigt einen Solar-Park mit Windrädern im Hintergrund.

Die erneuerbaren Energien haben deutlich zugelegt: Ihr Anteil am Bruttostromverbrauch liegt inzwischen bei rund 43 Prozent.

Foto: Paul Langrock/Zenit/laif

Seinerzeit wurde beschlossen, dass bis 2025 40 bis 45 Prozent der Energiequellen für die Verstromung aus erneuerbaren Energien bestehen sollen. Mit dem zügigen Ausbau vereinbarten die regierenden Koalitionäre eine Steigerung dieses Anteils auf 65 Prozent bis 2030. Dafür bedarf es weiterer Anstrengungen, weil sich die erneuerbaren Energien noch nicht alle selbst tragen, noch bürokratische Hürden zu überwinden sind und das Netz noch nicht optimal für diese dezentrale Energiegewinnung ausgelegt ist.

Der Ausbau liegt im Plan

Grafik "Energiewende schreitet voran"

Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt.

Foto: BMWi

Bereits heute zählen Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu den wichtigsten Quellen bei der Stromversorgung. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Bruttostromverbrauch liegt inzwischen bei rund 43 Prozent. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2010 war der Erneuerbare-Energien-Anteil mit 16,9 Prozent deutlich weniger als halb so hoch.

Außerdem: 2019 leisteten regenerative Quellen einen Beitrag von 17,1 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch in Deutschland, 2018 waren es noch 16,5 Prozent.

Die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen betrug 2019 gut 244,3 Milliarden Kilowattstunden (2018: 224,8 Milliarden Kilowattstunden; 2017: 216,3 Milliarden Kilowattstunden).

Die Wärmebereitstellung aus Erneuerbaren Energien betrug 2019 rund 176,4 Milliarden kWh (2018: 170,2 Milliarden kWh. Damit betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte im Jahr 2019 14,5 Prozent (2018: 14,3 Prozent). Der Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor verblieb 2019 wie in 2018 bei 5,6 Prozent.

Innerhalb der erneuerbaren Energien ist die Windenergie im Strombereich die mit Abstand wichtigste regenerative Stromquelle. Ihr Anteil an der Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien lag 2019 schon knapp über 50 Prozent (126 Milliarden Kilowattstunden). Damit wurde durch Windenergie so viel Strom erzeugt wie durch keinen anderen Energieträger in Deutschland.

Windenergie auf See

Auch der Ausbau von Windenergie-Anlagen schreitet voran. Insgesamt waren bis Ende 2019 in Deutschland 61.428 MW Windenergieleistung installiert, davon 7.516 MW auf See. Zum Vergleich: 2018 betrug der Windenergie-Anteil rund 59.000 MW, davon 6.400 MW auf See. Insgesamt waren Ende 2019 in Deutschland 30.928 Windenergieanlagen installiert, davon 1.469 auf See (Stand: 02/2020).

Eine am 3. Juni 2020 verabschiedete Änderung im "Windenergie-auf-See-Gesetz" sieht eine deutliche Erhöhung des Ausbauziels bis zum Jahr 2030 vor. Dieses soll von bislang 15 auf 20 Gigawatt steigen. Als Langfristziel sieht die Gesetzesänderung eine installierte Leistung von Offshore-Anlagen bis zum Jahr 2040 in Höhe von 40 Gigawatt vor. Dies soll die Planungssicherheit für Bund, Küstenländer, Übertragungsnetzbetreiber und Industrie erhöhen.

Windenergie an Land

In den vergangenen Jahren hat die Nutzung der Windenergie an Land wesentlich zur Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen beigetragen. Sie stellt kurz- und mittelfristig schließlich das kostengünstigste Ausbaupotenzial im Bereich der erneuerbaren Energien dar.

Damit auch in Zukunft diese Sparte der erneuerbaren Energien kontinuierlich wachsen kann, muss auf Nachhaltigkeit, die passenden Standorte und ein transparentes Genehmigungsverfahren geachtet werden. Dabei müssen die Anliegen aller Beteiligten angemessen berücksichtigt werden, um die Akzeptanz vor Ort zu gewährleisten. Dies betrifft in erster Linie den Abstand zwischen Windkrafträdern und Gemeinden.

Mit einem Beschluss des Bundestages vom 18. Juni 2020 wurde nun für Klarheit gesorgt. Anstelle einer bundesweit einheitlichen Abstandsregelung zwischen Windenergieanlagen und Wohngebäuden soll den Ländern mit einer Länderöffnungsklausel im Baugesetzbuch die Möglichkeit eröffnet werden, hier selbst Mindestabstände zu regeln:

Demnach sollen Länder künftig selbst entscheiden, ob sie von der 1.000-Meter-Abstandsregelung für Windräder Gebrauch machen und im jeweiligen Landesrecht Abweichungen regeln. Mit dem neuen Vorschlag sollen Länder in Zukunft Planungsspielräume bei der Ausweisung von Flächen für den Windausbau erhalten. Vor allem geht es hierbei um Akzeptanz, die nur mit den Menschen vor Ort zu erreichen ist.

Ausbau der erneuerbaren Energien

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist ein zentrales Instrument der Energiewende. Schon seit dem Jahr 2000 regelt es die Förderung der erneuerbaren Energien durch garantierte Einspeisevergütungen sowie durch den Einspeisevorrang. Das bedeutet: Jeder, der Strom aus erneuerbaren Energien produziert, darf diese in das Stromnetz einspeisen und erhält dafür einen auf 20 Jahre festgelegten Preis. Auf diese Weise förderte der Bund den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Ziel der Bundesregierung ist es zugleich, die Kosten für die Verbraucher jedoch zu begrenzen, denn sie bezahlen die Ökostrom-Umlage für jede verbrauchte Kilowattstunde. Von einer anfänglich pauschalen Vergütung der Ökostrom-Hersteller passte die Bundesregierung die Vergütung den Erfordernissen an und entwickelte sie schließlich um zu einer marktwirtschaftlichen Ausschreibungslösung. Bürgerenergiegenossenschaften können sich an diesen Ausschreibungen mit erleichterten Bedingungen beteiligen, denn eine große Akteursvielfalt ist gewünscht. Das Prinzip der Ausschreibungen betrifft die Windenergie an Land und auf See, Photovoltaik und Biomasse. Kleine Anlagen sind davon ausgenommen und bekommen die Vergütung weiterhin nach dem ursprünglichen System.

Als das Netz mit dem rasanten Ausbau drohte, nicht mithalten zu können, legte die Bundesregierung Ausbaumengen für die einzelnen Energieträger wie Sonne, Wind und Biomasse fest, die inzwischen aber schon wieder gelockert wurden. Zugleich setzte es Anreize für eine stärkere Direktvermarktung des Stroms durch die Erzeuger.

Die geplante Novelle der Regelung

Für das 65-Prozentziel hat die Bundesregierung im September 2020 eine Änderung des EEG beschlossen. Darin ist auch das Ziel verankert, die Erzeugung und den Verbrauch von Strom in Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral zu gestalten.

Die Novelle sieht darüber hinaus vor, weitere Kostenbelastung für Bürger wie für Unternehmen zu begrenzen und die Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien zu erhöhen. Hierzu soll den Kommunen eine finanzielle Beteilugung beim Ausbau von Windenergie an Land ermöglicht werden. Auch die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für den sogenannten "Mieterstrom" werden verbessert.

Die Ökostrom-Umlage

Die Kosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien werden mit der Ökostrom-Umlage von den Endverbrauchern getragen.

Ab 2021 soll diese Umlage durch finanzielle Zuschüsse aus Erlösen der CO2-Bespreisung weiter entlastet werden. Darüber hinaus werden klimaschutzrechtliche Anreize zur Nutzung von "grünem Strom" verbessert.

Konkret wird die Ökostrom-Umlage von aktuell 6,756 auf 6,500 Cent pro Kilowattstunde sinken. Das gaben auch die Übertragungsnetzbetreiber am 15. Oktober 2020 bekannt. Dies entspricht der beschlossenen Deckelung auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde in Verbindung mit der ab 2021 geltenden Erneuerbare-Energien-Verordnung. Der Differenzbetrag zwischen der Summe der rechnerischen Höhe und den Einnahmen aus der Ökostrom-Umlage soll dann über die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung finanziert werden. Entsprechend gaben das auch die Übertragungsnetzbetreiber in ihrer jährlichen Verlautbarung bekannt.

Zum Vergleich: Bei ihrer Einführung 2003 Jahren betrug die Umlage 0,41 Cent pro Kilowattstunde Strom. Besonders hoch fielen Anstiege von 2010 auf 2011 und von 2012 auf 2013 aus. Deshalb hat die Bundesregierung das EEG im Jahr 2014 novelliert. Anschließend sank die Umlage 2015 erstmals wieder - und ist seitdem in ihrer Höhe relativ stabil.

Zugleich ist der Börsenstrompreis aufgrund der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren um 10 bis 20 Prozent gesunken. Der Grund liegt darin, dass zum Beispiel Wind- oder Solaranlagen teurere Kraftwerke aus der Stromlieferung verdrängt haben. Für die stromintensive Wirtschaft gibt es zudem Ausnahmen. Die "Besondere Ausgleichsregelung" sorgt dafür, dass stromkostenintensive Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, nur eine reduzierte Umlage zahlen müssen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die Arbeitsplätze in diesen Betrieben nicht gefährdet sind.

Die Energiewende hilft dem Klimaschutz

Die Erneuerbaren Energien in Deutschland trugen 2019 dazu bei, die Treibhausgas-Emissionen um rund 203 Millionen Tonnen zu reduzieren (2018: 187 Millionen Tonnen). Auf den Stromsektor entfielen knapp 159 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (2018: 144 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente), 36,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf den Wärmesektor (2018: 35,5 Millionen CO2-Äquivalente) und 7,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf den Verkehrssektor (2018: 7,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente).

In allen Verbrauchssektoren (Strom, Wärme, Verkehr) werden fossile Energieträger wie Kohle und Gas durch erneuerbare Energien ersetzt. Die energiebedingten Treibhausgasemissionen sinken entsprechend. Diese Emissionsvermeidung über alle Sektoren erfolgt wesentlich durch die Windenergie (89 Millionen CO2-Äquivalente, davon 71,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente "an Land" und 17,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente "auf See". Danach folgen Biomasse (65,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente), Photovoltaik (29,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, Wasserkraft (15,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente), Geothermie mit 2,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente sowie Solarthermie mit 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (Quelle: Umweltbundesamt).

Erneuerbar beschäftigt

Mit der Energiewende werden in Deutschland neue Arbeitsplätze geschaffen. Die erneuerbaren Energien sind inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Aktuell sind mehr als 330.000 Menschen im Bereich erneuerbare Energien beschäftigt. Zugpferd ist vor allem die Windenergiebranche. Mit 160.000 Beschäftigten davon ist fast die Hälfte aller Erneuerbaren-Beschäftigten in der Windbranche angestellt.

Auf Windenergie an Land entfallen 133.000 Arbeitsplätze, Wind auf See bietet 28.200 Jobs. Danach rangiert die Biomasse mit 105.600 Beschäftigten. In der Solarenergie sind um die 40.000 Menschen tätig. Damit hat sich seit 2000 die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien mehr als verdreifacht. Damals waren es 106.700 Arbeitsplätze.

Erneuerbare Ziele auf europäischer Ebene

Auf EU-Ebene gilt für Deutschland ein verbindliches EU-Erneuerbaren-Ziel von 18 Prozent für den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch bis 2020. Für das aktuelle Jahr verbleibt nun noch eine Lücke von 0,9 Prozentpunkten zur Erreichung dieses Ziels, die nach aktuellen Prognosen geschlossen wird.

Bis zum Jahr 2030 sieht der am 10. Juni 2020 beschlossene "Nationale Energie- und Klimaplan" nachfolgende "EU-2030-Ziele" für Deutschland vor:

  • den Ausbau erneuerbarer Energien auf 30 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch,
  • die Steigerung der Energieeffizienz durch Minderung des Primärenergieverbrauchs um 30 Prozent gegenüber 2008 und
  • die Treibhausgasminderung um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990.

Der Plan berücksichtigt größtenteils die Zielsetzungen und Maßnahmen des Klimaschutzprogramms 2030. Außerdem enthält er das Bekenntnis Deutschlands vom 23. September 2019 auf dem UN-Klimagipfel in New York, Treibhausgasneutralität bis 2050 als langfristiges Ziel zu verfolgen.

Internationales Engagement

Die Bundesregierung setzt sich auch international für den Ausbau erneuerbarer Energien ein. Denn Wind, Sonne und andere erneuerbare Energiequellen haben ein enormes Potential, das weltweit genutzt werden sollte. So wurde unter anderem mit maßgeblicher Unterstützung Deutschlands 2009 die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (International Renewable Energy Agency – kurz IRENA) gegründet. 2011 eröffnete in Bonn das IRENA-Innovations- und Technologiezentrum (IITC). Die Bundesregierung fördert diese Beratungseinrichtung und stellt jährlich zwischen zwei und drei Millionen Euro für das Zentrum bereit.

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