Strom aus virtuellem Speicher

Batterien im Forschungslabor

Die Kapazitäten von Speichern können durch den Verbund effektiver genutzt werden

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Für das Projekt "green2store" haben sich Firmen der Energie-, IT- und Kommunikationstechnik zusammengetan. Sie wollen Speicherkapazitäten verschiedener Betreiber an unterschiedlichen Standorten zusammenfassen, zentral verwalten und anschließend der Energiewirtschaft zur Verfügung stellen. "Den Zugriff auf die Speicher haben zunächst einmal die lokalen Anwender der Speicher selbst", sagt Magnus Pielke, Koordinator des Forschungsvorhabens bei der Firma EWE in Oldenburg. Die Anwender können Netzbetreiber, Betreiber regenerativer Energieanlagen oder Energiehändler sein.

Speicher noch intensiver nutzen

Voraussichtlich 13 Energiespeicher kommen bei "green2store" zum Einsatz: zehn Hausenergiespeicher mit einer Kapazität von fünf bis acht Kilowattstunden. Hinzu kommen ein Ortsnetzspeicher von bis zu 500 Kilowattstunden, ein Speicher am Industriecampus des Stuttgarter Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent mit rund 100 Kilowattstunden und ein Speicher des Energieversorgers Süwag mit ebenfalls 100 Kilowattstunden, der in Teilen die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit Gas und Strom versorgt.

Grafik, die das Konzept der Energy-Storage-Cloud zeigt

Das Konzept der Energy-Storage-Cloud

Foto: green2store

Die Kapazitäten dieser Speicher können durch den Verbund wesentlich effektiver und von verschiedenen Akteuren gleichzeitig genutzt werden – und das unabhängig vom Standort.

Dabei ist an eine Kurzzeitspeicherung von mehreren Stunden gedacht, nicht für mehrere Tage. Das hilft, wenn beispielsweise die Solarproduktion durch viel Sonne um die Mittagszeiten Spitzenwerte erreicht.

Auch wenn die Speicher bei der "Stromwolke" über die 13 Standorte verteilt sind, kommt es durch den Transport nicht zu erhöhten Stromverlusten. Auch die häufige Beanspruchung der Speicher ist aus Sicht von Magnus Pielke unproblematisch: Die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien könne bis zu 20 Jahren betragen. Dabei ließen sie sich bis zu 5.000 Mal be- und entladen.

Steuerung und Verwaltung

Die Speicher werden über das Internet mit einer zentralen Einheit, einer Cloud, gesteuert. Das System ist sehr gut skalierbar: Bei einer weiter steigenden Zahl von angeschlossenen Speichern lässt sich das IT-System dem Bedarf anpassen. Dabei gibt es keine Beschränkungen.

Um alle Speicher miteinander zu verbinden, übersetzt man die "Sprache" des einzelnen Batteriespeichers in einen gemeinsamen Standard.

Sicherheit

Ist eine IT-gesteuerte Verwaltung vieler verstreuter Batteriespeicher eine Beute für Hacker? Nein, meint Projektleiter Pielke – wenn die Sicherheitsstandards der Energiewirtschaft erfüllt werden. "Wird dieses sehr hohe Sicherheitsniveau eingehalten, ist die Anzapfung von Speichern durch Unbefugte ausgeschlossen."

Das Forschungsprojekt "green2store" ist im Jahr 2012 gestartet und läuft über vier Jahre. Es ist Teil des Leuchtturms "Batterien in Verteilnetzen" der Förderinitiative "Energiespeicher" der Bundesregierung. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit neun Millionen Euro.
Folgende Partner sind am Projekt beteiligt: EWE AG, EWE NETZ GmbH, Alcatel-Lucent Deutschland AG, BTC AG, ABB AG Deutschland, Süwag Energie AG, OFFIS e. V., NEXT ENERGY, TU Braunschweig.
Energiespeicher sind eine Schlüsseltechnologie im Energiesystem der Zukunft. Die "Förderinitiative Energiespeicher" unterstützt Forschung und technologische Entwicklungen in diesem Bereich und stellt dafür rund 200 Millionen Euro bereit. Ziel ist, mittelfristig eine große Bandbreite wettbewerbsfähiger Speichertechnologien für Strom, Wärme und andere Energieträger verfügbar zu machen.