Modern wohnen in historischen Gebäuden

Forschung konkret Modern wohnen in historischen Gebäuden

Naumburg an der Saale: Reizvolle historische Gebäude kennzeichnen hier die Altstadt. Der Dom ist bekannt, aber nur eine der Sehenswürdigkeiten. Viele Bürgerhäuser stammen aus der Zeit vor 1800. Modellvorhaben untersuchen, wie es sich auch in den alten Gebäuden energiesparend und klimaneutral leben lässt.

Altstadt von Naumburg an der Saale.

Ein Sanierungsmanager wird die Umsetzung des Quartierskonzeptes begleiten

Foto: DSK

Energetische Gebäudesanierung ist der Weg zu energiesparendem und nachhaltigem Wohnen. Gebäude, vor allem die mehr als 18 Millionen Wohngebäude, beanspruchen mehr als ein Drittel unseres gesamten Energiebedarfs. Die Sanierung ganzer Stadtteile gewinnt daher an Bedeutung und geeignete Konzepte sind gefragt.

Modellvorhaben legen Maßstäbe

Naumburg ist eines von 16 Modellvorhaben in den Ländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen. In den Vorhaben werden Zusammenhänge, Methoden, Erfolge und Hemmnisse der energetischen Stadterneuerung untersucht. Das Bundesbauministerium finanziert die Projekte. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung koordiniert sie.

Seit dem Auftakt im Jahr 2007/2008 ging es darum herauszufinden, wie Naumburg Energie sparen und den CO2-Ausstoß vermindern kann. Schwerpunkte waren der Gebäudebestand, die Energie- und Wärmeversorgung, die Erschließung für den Verkehr und das Mobilitätsangebot.

Naumburg an der Saale, Luftbild

Quartiersabgrenzung und Blockeinteilung

Foto: DSK, nach Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt

Maßnahmen im Modellvorhaben

Die Naumburger erarbeiteten zunächst das gesamtstädtische Klimaschutzkonzept "Naumburg atmet auf". Sie analysierten den Energiebedarf und die bisherigen CO2-Emissionen nach Verbrauchergruppen, definierten anschließend Ziele und Maßnahmen. Diese richten sich darauf, mehr Erneuerbare Energien einzusetzen und Energie zu sparen: in Gebäuden, Technik, Verkehr und Beleuchtung.

Das integrierte Quartierskonzept "Südöstliche Altstadt" griff die Besonderheiten der historischen Altstadt auf. Zunächst wurden alle Gebäude und deren eingesetzte Gebäudetechnik, wie Heizungen, flächendeckend erhoben. Damit lag eine fundierte Bestandsanalyse vor mitsamt einer Energie- und CO2-Bilanz für das Quartier. Das war die Voraussetzung für eine Quartiersentwicklung mit dem Ziel, bis zum Jahr 2050 eine klimaneutrale CO2-Bilanz zu erreichen.

Gemeinsam Potenziale entdecken

Die Projektgruppe besteht aus Sanierungsträger, Architektin, Landschaftsarchitektin und Planungsingenieur. Sie entwickelte vor Ort Lösungen für die energetische Stadtsanierung. Gemeinsam mit Stadtverwaltung, Denkmalschutzbehörde, Wohnungs- und Energieunternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern.

Grafik: Stadtplan mit energetischer Bewertung des Gebäudebestandes

Energetische Bewertung der Gebäude

Foto: DSK/Holz

Die Fachleute unterteilten die Gebäude in beispielhafte Kategorien und Typen. Die Eigentümerinnen und Eigentümer erhielten detaillierte Sanierungsempfehlungen für ihre Gebäude. Möglichkeiten einer dezentralen, blockeigenen Energieversorgung wurden gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern erarbeitet.

Potenziale für den Einsatz Erneuerbarer Energien wurden im Quartier aufgezeigt und berechnet. Weiterhin ermittelte man Maßnahmen für die Freiflächengestaltung des dichten Altstadtgebietes. Ziel ist es, damit das Quartiersklima zu verbessern, die Qualität des Aufenthalts- und Wohnumfeldes zu erhöhen und den Folgen des Klimawandels Rechnung zu tragen.

Auf der Grundlage dieser Entwicklungsstrategien wird in Naumburg die energetische Stadtsanierung fortgeführt. Ein Sanierungsmanager wird in den nächsten Jahren die Umsetzung des Quartierskonzeptes begleiten. Diese Umsetzungsbegleitung wird durch das KfW-Programm "Energetische Stadtsanierung" mit Fördermitteln bezuschusst. 

Integriert sanieren
Der quartiersbezogene und integrierte Ansatz stellt nicht einzelne Gebäude, sondern ganze Stadtviertel in den Fokus der energetischen Sanierung. Er ist im KfW-Förderprogramm "Energetische Stadtsanierung" verankert. Das Programm startete als Teil des Energiekonzeptes der Bundesregierung im November 2011. Rund 50 Millionen Euro stehen 2013 bereit, um die energetische Stadtsanierung zu fördern.