Deutsche Einheit

22. Juni 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Wider die chinesische Lösung

22. Juni 1989: In Peking werden die ersten "Konterrevolutionäre" im Zusammenhang mit den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens zum Tode verurteilt und hingerichtet. Als das bekannt wird, organisiert eine Gruppe aus Berlin-Pankow erneut einen Demonstrationszug zur chinesischen Botschaft.

Oppositionelle Gruppe schreibt Protestbrief

Am 22. Juni 1989 treffen sich etwa 50 vorwiegend junge Leute in den Räumen der Superintendentur Pankow. Sie verfassen einen offenen Protestbrief an die chinesische Parteiführung sowie an die SED-Führung und wollen ihn dem Botschafter überreichen.

Das Gelände ist jedoch weiträumig von Volkspolizei und Stasi abgesperrt. Unmöglich, überhaupt in die Nähe der Botschaft zu gelangen. Alle Demonstranten werden festgenommen, stundenlang verhört und teilweise misshandelt. Die Festgenommenen erhalten später Ordnungsstrafen und erhebliche Geldstrafen wegen "Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit".

Zahlreiche Demonstranten, die während der Ereignisse im Herbst 1989 auf die Straße gehen, haben die Ereignisse vom Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) im Hinterkopf: Das brutale Vorgehen der chinesischen Staatsmacht gegen die Oppositionsbewegung ist unvergessen. Als im September und Oktober 1989 in Dresden, Leipzig und Berlin schwerbewaffnete Polizisten mit Wasserwerfern und Räumfahrzeugen gegen die friedlichen Demonstranten vorgehen, befürchten viele eine Eskalation wie auf dem Tian'anmen. Nicht umsonst ist "Keine Gewalt!" eine der häufigsten Parolen bei den Demos dieser Zeit.

Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens

Mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, das vielen Menschen das Leben gekostet hat, hat das chinesische Militär Anfang Juni 1989 eine breite Bewegung zerschlagen, die mit Streiks und Demonstrationen für eine Demokratisierung der Volksrepublik China eingetreten ist.

Die SED-Führung solidarisiert sich mit der chinesischen Führung und sendet damit auch ein deutliches innenpolitisches Signal: eine Warnung an die eigene Oppositionsbewegung, dass es auch in der DDR eine "chinesische Lösung" geben könnte.

Dennoch verfassen viele Menschen in etlichen Städten der DDR unmittelbar nach dem Massaker Protestschreiben an die chinesische Staatsführung und sammeln Unterschriften. Bereits am 6. Juni 1989 versammeln sich knapp 30 Menschen vor der chinesischen Botschaft in Berlin-Pankow, um ihre Solidarität mit den chinesischen Studenten zu demonstrieren. Sie werden verhaftet, verhört und mit Ordnungsstrafen belegt.

Chinesische Lösung
Im Frühsommer 1989 forderten Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Reformen und Freiheit. Doch die chinesische Staatsführung setzte in der Nacht zum 4. Juni Soldaten gegen friedliche Demonstranten ein, Schüsse fielen, Panzer überrollten die Menschen. Dieses Verbrechen ging als die "chinesische Lösung" in die Geschichte ein.