1. März 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Unterhändler in Bonn

1. März 1989: Zum ersten Mal in diesem Jahr ist ein DDR-Funktionär im Bundeskanzleramt zu Gast, den in der Öffentlichkeit kaum jemand kennt: Alexander Schalck-Golodkowski. Seine Daueraufgabe: für den SED-Staat Geld beschaffen.

Bundeskanzleramt in Bonn mit der Plastik 'Large Two Forms' von Henry Moore

Treffen im Bundeskanzleramt

Foto: Bundesregierung/Schambeck

Die Dauermisere der DDR

Die zentrale Lenkungswirtschaft der DDR – im Volksmund "Planwirtschaft" – ist ein einziger Misserfolg. Es gelingt weder, die Bevölkerung ausreichend mit Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen, noch, innovative Produkte für den internationalen Markt herzustellen. Andererseits leistet sich die SED-Diktatur die Subventionierung mancher Grundnahrungsmittel und einen riesigen Staats- und Funktionärsapparat.

Zudem ist die DDR-Mark eine Währung, die sich nicht in andere Währungen umtauschen lässt. Um dringend benötigte Waren aus dem "NSW", dem "nicht-sozialistischen Wirtschaftsgebiet", einführen zu können, braucht die DDR also frei konvertierbare Devisen, beispielsweise D-Mark oder US-Dollar.

Die Rolle des Unterhändlers

Oberster "Devisenbeschaffer" der DDR ist bereits seit 1966 der Leiter des "Bereichs Kommerzielle Koordinierung", der Stasi-Offizier "im besonderen Einsatz" Alexander Schalck-Golodkowski . 1983 hat er mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit für die DDR vereinbart.

1988 ist es Schalck-Golodkowski gelungen, mit Kanzleramtsminister Wolfgang Schäuble eine deutlich höhere "Transitpauschale" auszuhandeln: Für die Benutzung der Transitstrecken von und nach West-Berlin sollte die Bundesregierung von 1990 bis 1999 jährlich 860 statt 525 Millionen D-Mark bezahlen – plus 55 Millionen für den Durchgangsverkehr nach Polen oder in die Tschechoslowakei. Als Gegenleistung hat sich die DDR zur "Reinhaltung" der Elbe verpflichtet, also dazu, in den Fluss weniger giftige Abwässer einzuleiten.

Die Verschmutzung der Flüsse Elbe und Werra ist auch Thema bei dem Treffen am 1. März 1989. Außerdem geht es um den Ausbau der Eisenbahnstrecke Hannover-Berlin. Auch hierfür will Schalck-Golodkowski vor allem – Geld.