21. Januar 1990 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Symbolträchtige Wanderung im Eichsfeld

21. Januar 1990: Es ist ein eindrucksvolles Bild: Rund 50.000 Bewohner des Eichsfelds versammeln sich mit Koffern und Umzugskartons. Gemeinsam wollen sie hinüber nach Westdeutschland. Geschlossen ziehen sie über den Grenzübergang Duderstadt-Worbis nach Gerblingsrode in Niedersachsen.

Die Geduld ist zu Ende

Mit dieser "Kofferdemo", wie sie später genannt wird, protestieren die Eichsfelder gegen die Politik der SED. Sie wollen auf die Angst der Menschen aufmerksam machen, die täglich zu Tausenden flüchten, weil sie der SED keinen Reformwillen zutrauen: Menschen, die dringend gebraucht werden, wenn es einen Neuanfang geben soll. "Heute kommen wir noch einmal wieder" und "Wenn die SED-Regierung bleibt, geben wir die Heimat auf!", steht auf Spruchbändern und Gepäckstücken.

Zusammenhalt macht widerstandsfähig

Das Eichsfeld im Nordwesten Thüringens ist eine ganz besondere Region. Die Bevölkerungsmehrheit ist katholisch, der Zusammenhalt sehr ausgeprägt. Jahrzehntelang hat sich das SED-Regime bemüht, die Eichsfelder gefügig zu machen. Es ist ihm nie wirklich gelungen.

In Gerblingsrode verlangen die Demonstranten auf einer Kundgebung ein geeintes Deutschland. "Dies war ein Appell an all diejenigen, die in höherer politischer Verantwortung standen: Bitte sorgt auf euren Ebenen dafür, dass dem deutschen Volk die Einheit gestattet wird. Bis nach Moskau sollte unser Appell gehen", so der Zeitzeuge und Mitorganisator Friedrich Kaufhold später.

Alle kehren nach der Demonstration in ihre Thüringer Heimat zurück. Aber sie haben unmissverständlich klar gemacht: Wir machen ernst, wenn sich nicht mehr bewegt als bisher.

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