Deutsche Einheit

6. Januar 1990 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Lindenberg startet DDR-Tournee

6. Januar 1990: Für Rocksänger Udo Lindenberg geht sein "größter Traum" in Erfüllung. Das jahrelange Auftrittsverbot gegen ihn hat sich erledigt. Mit "Hallo Suhl" begrüßt er seine Fans im Süden der DDR.

Rockmusiker Udo Lindenberg bei seinem Auftritt in der Messehalle 2 in Leipzig im Rahmen seiner ersten Tournee durch die DDR im Januar 1990.

Udo Lindenberg bei seinem Auftritt in Leipzig

Foto: picture-alliance/ADN

Der Sonderzug nach Pankow

1983 hatte Lindenberg sein Lied "Sonderzug nach Pankow" veröffentlicht – eine ironisch verpackte Aufforderung an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, ihn in der DDR auftreten zu lassen. Tatsächlich bekommt er noch im selben Jahr eine Einladung zu einem FDJ-Festival. Allerdings nur, weil der westdeutsche Konzertveranstalter, der Harry Belafonte verpflichten sollte, darauf bestanden hatte.

Eine Viertelstunde lang darf Lindenberg am 25. Oktober 1983 im Ostberliner "Palast der Republik" auftreten – vor einem sehr ausgewählten, linientreuen Publikum. Lindenberg hat viele Fans in der DDR, doch für die Stasi ist er "feindlich-dekadent". Eine erhoffte Tournee kommt deshalb 1984 nicht mehr zustande Erst nach dem Fall der Mauer kann Udo Lindenberg endlich die DDR-Tournee nachholen.

"Mein größter Traum"

"Für mich geht durch die DDR-Tournee mein größter Traum in Erfüllung", bekennt der Sänger.

38 Mark kostet ein Ticket. Fans haben stundenlang angestanden, um eine Karte für das Konzert zu ergattern. Groß ist der Jubel, als Udo Lindenberg die Bühne betritt: "Das ist ein großer Tag auch für mich als Privatmensch, nach all den Klemmigkeiten mit eurem Oberfuzzi Honecker."

In Suhl spielt er den "Sonderzug nach Pankow" im Original und in einer leicht veränderten Version: "Der Whisky, der ist sehr lecker, den trinken wir jetzt ohne den Erich Honecker." Wunderkerzen begleiten die Songs "Mädchen aus Ostberlin" und "Horizont". Leipzig, Halle, Rostock und Schwerin sind weitere Stationen.