31. Dezember 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Kohl: Grund zur Zuversicht

31. Dezember 1989: "Das vor uns liegende Jahrzehnt kann für unser Volk das glücklichste dieses Jahrhunderts werden", sagt Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Neujahrsansprache. Es biete die Chance auf ein freies und geeintes Deutschland in einem freien und geeinten Europa.

Bundeskanzler Helmut Kohl.

Kohl: Grund zur Zuversicht

Foto: Bundesregierung/Reineke

Bundeskanzler würdigt den Freiheitskampf

"Liebe Landsleute, wir haben allen Grund, am heutigen Silvesterabend mit Zuversicht das neue Jahrzehnt zu erwarten. Wir nähern uns dem Ende eines Jahrhunderts, das so viel Leid und Elend sah", ruft der Bundeskanzler in seiner Fernsehansprache den Deutschen in Ost und West zu.

1989 sei das Jahr eines großen Umbruchs in der Geschichte Europas gewesen. "Die Menschen in der DDR und in anderen Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas erkämpfen sich nach über 40 Jahren Freiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung." Die Verwirklichung dieser Grundwerte sei Voraussetzung für den Aufbau des gemeinsamen Hauses Europa.

"Das vergangene Jahr hat uns der Einheit unseres Vaterlandes ein gutes Stück nähergebracht", sagt der Bundeskanzler. Auch nach Jahrzehnten der Teilung sei das Bewusstsein für die Einheit der Nation lebendig. Kohl dankt den Westdeutschen für die Unterstützung, "die Sie unseren Landsleuten aus der DDR erwiesen haben."

Unabhängige Parteien und freie Wahlen

Mit seinem Zehn-Punkte-Programm habe er "den Weg aufgezeigt, wie das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangen kann". Wichtige Schritte auf diesem Weg seien die Zulassung unabhängiger Parteien und freie Wahlen in der DDR. Und er sagt zu: "Wir wollen alles tun, um die wirtschaftliche Lage für die Menschen in der DDR rasch und spürbar zu verbessern. Sie sollen sich in ihrer Heimat - in Mecklenburg und Thüringen, in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt - wohlfühlen können."

"Europa ist unsere Zukunft!"

Kohl erinnert auch an die äußeren Umstände, die zur Entwicklung in der DDR beigetragen haben: "Ohne die grundlegenden Veränderungen in der Sowjetunion, in Ungarn und in Polen wäre die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen. Dies wollen wir in Dankbarkeit anerkennen." Der Bundeskanzler würdigt insbesondere die Ungarn: Sie hätten Zehntausenden den Weg in die Freiheit geöffnet und damit den ersten Stein aus der Mauer geschlagen.

Gleich mehrfach unterstreicht der Kohl den Zusammenhang zwischen deutscher Wiedervereinigung und europäischer Einigung. "Europa unsere Zukunft! Die Europäische Gemeinschaft darf nicht an der Elbe enden", lautet sein Credo. Man dürfe allen Grund zur Hoffnung auf ein Ende des Ost-West-Konflikts haben. Auch die "Chancen für zügige und weitreichende Fortschritte bei der Abrüstung und Rüstungskontrolle" seien 1990 günstiger denn je.

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