Deutsche Einheit

18. Oktober 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Honecker geht – Krenz kommt

18. Oktober 1989: Das Zentralkomitee der SED gibt den Rücktritt von Staats- und Parteichef Erich Honecker bekannt. Noch am selben Tag schlägt Honecker Egon Krenz als seinen Nachfolger vor.

Die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik hat am 24. Oktober 1989 Egon Krenz (stehend) zum neuen Staatsratsvorsitzenden und zum Chef des Nationalen Verteidigungsrates gewählt.

Honecker geht, Krenz kommt

Foto: picture-alliance/dpa

"Aus gesundheitlichen Gründen…"

"Das ZK hat der Bitte Erich Honeckers entsprochen, ihn aus gesundheitlichen Gründen von der Funktion des Generalsekretärs, vom Amt des Staatsratsvorsitzenden und von der Funktion des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrates der DDR zu entbinden." So die offizielle Erklärung zu Honeckers Rücktritt, die das Zentralkomitee am 18. Oktober 1989 bekanntgibt.

Unfreiwilliger Abgang

In Wahrheit geht Erich Honecker nicht freiwillig. Gegen seinen Willen hat das Zentralkomitee tags zuvor einstimmig seine Absetzung beschlossen. Der Druck der gesellschaftlichen Entwicklungen ist zu groß geworden.

Dieter Reinfried, 1989 Sprecher des Neuen Forums, sagt heute: Die vielen Ausreisen und der Unwillen der Bevölkerung, so weiter zu leben, habe die SED-Führung reaktionsunfähig gemacht.

Nun will man ein Zeichen setzen und auch einen Sündenbock präsentieren.

"Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen", soll Ministerpräsident Willi Stoph am 17. Oktober im Politbüro gesagt haben. Stoph stellt den Antrag auf Abwahl. Als Honecker trotzdem zur Tagesordnung übergehen will, soll Mielke gedroht haben, falls Honecker nicht zurücktrete, werde er kompromittierende Informationen herausgeben, die er besitze.

Alter Saft in alten Schläuchen

Noch am Abend des 18. Oktober hält Nachfolger Krenz, lange Kronprinz und Vertrauter Honeckers, im DDR-Fernsehen eine einstündige Ansprache. Der Theologe und Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs, Ehrhart Neubert, beschreibt diesen Auftritt so: "Schon die ersten Worte der Rede des neuen SED-Generalsekretärs bestätigten, dass alter Saft in alte Schläuche abgefüllt worden war. Krenz redete die Menschen, die gerade dabei waren, sich ihre Rechte als Bürger zu erkämpfen, mit 'liebe Genossen und Genossinnen' an."

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