31. Mai 1990

Gorbatschows unerwartetes Ja

31. Mai 1990: Bislang hat Moskau eine Nato-Mitgliedschaft des wiedervereinigten Deutschlands abgelehnt. Bei einem Gipfeltreffen mit US-Präsident George Bush sen. lenkt Kreml-Chef Michail Gorbatschow unerwartet ein. Deutschland soll sich frei entscheiden können.

Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und sein amerikanischer Amtskollege George Bush bei ihrem Treffen am 31.5.1990 im Oval Office im Weißen Haus in Washington D.C.

1990-05-31 Amerikanisch-sowjetischer Gipfel in Washingtin

Foto: picture-alliance/dpa

Der Gast aus Moskau nickt

Welchem Militärbündnis darf das wiedervereinigte Deutschland angehören? Diese Frage ist in diesen Wochen eine der international meistdiskutierten. Mitte Mai hat der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse in einem Interview noch erklärt, sein Land sei gegen eine gesamtdeutsche Nato-Mitgliedschaft.

Deshalb hat der amerikanische Präsident wenig Hoffnung, als er Gorbatschow in Washington empfängt. Doch dann wendet sich das Blatt: Bush weist auf die KSZE-Schlussakte von Helsinki hin. Der zufolge hätten alle Staaten das Recht, ihre Bündniszugehörigkeit frei zu wählen. Also sollte auch Deutschland selbst entscheiden dürfen, welchem Bündnis es sich anschließen wolle. Dies sei doch richtig?, fragt Bush. Und Gorbatschow – nickt.

Einer der entscheidenden Schritte

Die Mitglieder der amerikanischen, erst recht die der sowjetischen Delegation reagieren verwundert. Beiderseits des Verhandlungstisches tuschelt man. Doch Gorbatschow bestätigt seine Haltung, dass Deutschland frei über seine Bündniszugehörigkeit entscheiden kann. Nach dem Gipfel steht es so auch in der amerikanischen Erklärung für die Presse.

Das Abrücken Gorbatschows vom sowjetischen Veto gegen die Nato-Mitgliedschaft ganz Deutschlands: Es ist einer der entscheidenden Schritte auf dem Weg zur Wiedervereinigung.

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