Deutsche Einheit

10. März 1990 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Erster Direktflug von Frankfurt/Main nach Leipzig

10. März 1990: Zum ersten Mal seit dem Kriegsende fliegt eine Lufthansa-Maschine wieder direkt von Frankfurt am Main nach Leipzig. Bereits kurz vor dem Mauerfall waren innerdeutsche Linienverbindungen wieder eröffnet worden. Die Flieger mussten allerdings einen Umweg machen.

Nebeneinander auf dem Leipziger Flughafen im März 1990: Vorn ein Flugzeug der DDR-Gesellschaft Interflug, dahinter eine Maschine der Lufthansa.

Direktflug einer Lufthansa Maschine Frankfurt-Leipzig

Foto: picture-alliance/dpa

Innerdeutsche Flüge nur mit Umweg

Eigentlich ist es per Flugzeug von Frankfurt am Main nach Leipzig/Halle nur ein Katzensprung. Die 310 Kilometer sind in 35 bis 40 Minuten zu schaffen. Allerdings nicht, wenn die Route über Bamberg, Bayreuth, Pilsen, Prag und Dresden führt. Denn das Überfliegen der deutsch-deutschen Grenze war ausgerechnet deutschen Flugzeugen verboten.

Mit der Landung der Boeing 737-300 "Reutlingen" (D-ABXT) der Lufthansa am 10. August 1989 in Leipzig-Schkeuditz begann dennoch ein neues Kapitel im innerdeutschen Flugverkehr. Die Lufthansa nutzte von da an für ihre Linienflüge von Frankfurt/Main in die sächsische Messemetropole Leipzig den Umweg über die damalige Tschechoslowakei. Die Gesamtstrecke betrug 700 Kilometer, wodurch für jeden Flug 1.400 Liter Treibstoff nötig waren.

Wirtschaftlichkeit stand auf dieser symbolträchtigen Strecke zu der Zeit nicht im Vordergrund. Die Verbindung war ein Zeichen für die Annäherung beider deutscher Staaten. Am 9. März 1990 haben die Alliierten endlich einen Luftkorridor zwischen Erlangen und Leipzig freigegeben. Jetzt entfällt der Umweg über die Tschechoslowakei, und schon einen Tag später, am 10. März startet der erste wirkliche Direktflug.

Vor dem Mauerfall durfte keine deutsche Airline die damalige innerdeutsche Grenze überfliegen. Es gab zwar drei Luftkorridore, aber die waren insbesondere den Fluglinien der Alliierten vorbehalten.

Der Luftverkehr von und nach Berlin bleibt sogar bis zum 2. Oktober 1990 ein Sonderfall: Auf den Flughäfen Tegel und Tempelhof dominieren alliierte Fluggesellschaften wie PanAm, TWA, British Airways und Air France das Bild. Deutsche Fluggesellschaften dürfen aufgrund des Sonderstatus‘ West-Berlins keinen der dortigen Flughäfen anfliegen.

In der DDR betreibt die staatliche Fluggesellschaft Interflug von Schönefeld aus ein globales Streckennetz – vor allem ins sogenannte „befreundete sozialistische Ausland“.

Verständigung zwischen Lufthansa und Interflug

Einen ersten Versuch zu einem Flug zwischen den Messestädten Düsseldorf und Leipzig hatte es bereits 1986 gegeben. Die Alliierten lehnten die Einigung der beiden deutschen Airlines Lufthansa und Interflug auf einen Linienflug aber ab.

1989 folgte dann der zweite und erfolgreiche Versuch: Lufthansa und Interflug einigten sich auf gegenseitige Linienflüge von Ost nach West. Offizielle Begründung: Unterstützung des Messeverkehrs. Die Strecke von Frankfurt/Main nach Leipzig bediente die Lufthansa ab dem 10. August 1989. Einen Tag später nahm Interflug die Verbindung Leipzig-Düsseldorf auf - mit einer Maschine aus russischer Produktion vom Typ Iljuschin 62 M. Der Flug führte über Prag. Direkt hätte die Strecke 390 Kilometer betragen, so waren es knapp 900.

Sonderfall Berliner Flugverkehr

Unmittelbar nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 forderten die deutschen Airlines dann, auch Berlin direkt anfliegen zu dürfen.
Aber erst nach mehr als 45 Jahren Abstinenz ist es am 5. August 1990 soweit: Eine Boeing 747 der Lufthansa landet auf einem Berliner Flughafen – allerdings in Schönefeld. An Bord sind Kinder aus der Region Tschernobyl, die ihre Ferien in der DDR verbracht hatten und nun wieder nach Hause fliegen.

Bis zur Erstlandung auf einem Flughafen in West-Berlin vergehen weitere knapp zwei Monate. Am Vortag der Wiedervereinigung, am 2. Oktober 1990, landet schließlich eine Maschine der Lufthansa auf dem Flughafen Tegel.