Grenzlandmuseum Eichsfeld

Ein Leben mit der Grenze

An kaum einen anderen Ort lässt sich die Brutalität der innerdeutschen Grenze so gut nachvollziehen wie am früheren Grenzübergang Duderstadt-Worbis.

Hauptgebäude Grenzlandmuseum Eichsfeld

Grenzlandmuseum Eichsfeld: Leben in einer Grenzregion

Foto: Grenzlandmuseum Eichsfeld

Nach der Teilung Deutschlands waren die einst nachbarschaftlichen Dörfer Gerblingerode im Westen und Teistungen im Osten lange Zeit getrennt. Begegnungen waren erst ab 1973 durch den sogenannten kleinen Grenzverkehr wieder möglich.

Der kleine Grenzverkehr galt für Menschen aus grenznahen Regionen. Unter bestimmten Bedingungen konnten sie die Grenze übertreten. Bilaterale Vereinbarungen schränkten jedoch den Personenkreis und die mitgeführten Waren und Gegenstände ein.

Für die innerdeutsche Grenze schaffte 1972 der Grundlagenvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR kleine Erleichterungen. Allerdings durften nur Einwohner der Bundesrepublik die Grenze übertreten, vorausgesetzt sie hatten ihren Hauptwohnsitz in grenznahen Städten und Landkreisen. Zudem durften sie nur grenznahe DDR-Gebiete bereisen und mussten am Tag der Einreise auch wieder ausreisen.

Verwandten- und Bekanntenbesuche waren so wieder möglich, aber auch touristische Reisen. Fast sechs Millionen Reisende nutzen zwischen 1973 bis 1989 den Grenzübergang Duderstadt-Worbis.

Originale und Modelle veranschaulichen Grenzanlagen

Heute befindet sich an diesem Ort das Grenzlandmuseum Eichsfeld. Besucher können sich im Museumsgebäude und dem Außengelände ein Bild über die damalige Grenze und das Leben mit der Grenze machen.

Einbezogen sind alle Gebäude des ehemaligen Grenzübergangs: sowohl die Grenzsperranlage mit Wachturm und Beobachtungsbunker als auch eine sogenannte "Führungsstelle" und die Kfz-Sperranlagen. In einem restaurierten Bewachungsturm können die originalen Schalt-, Steuerungs- und Signalanlagen der Grenzsicherung besichtigt werden.

Eine Bildungsstätte und eine Bibliothek vervollständigen das umfangreiche Informationsangebot. Wechselnde Sonderausstellungen vertiefen Themen der DDR-Geschichte.

Flucht und Schießbefehl

Das Leben an und mit der Grenze kann auch im Grenzlandmuseum "Schifflersgrund" bei Sickenberg erkundet werden. Das Museum befindet sich in der Nachbarschaft des Grenzlandmuseums Eichfeld. Neben einem Grenzbeobachtungsturm und einem Stück des originalen Grenzzauns, können hier Fahrzeuge und Hubschrauben betrachtet werden, die zur Grenzsicherung eingesetzt waren.

Ein Teil der Ausstellung zeigt außerdem, wie DDR-Bürger versucht haben, über die innerdeutsche Grenze in den Westen zu flüchten. Exponate belegen den Erfindungsreichtum, aber auch die Verzweiflung der Menschen. Auch der Text des offiziell immer dementierten Schießbefehls kann hier nachgelesen werden. Wachhabende Grenzsoldaten wurden mit ihm verpflichtet, Grenzflüchtlinge "zu vernichten".

Beide Museen geben einen guten Einblick in das Leben in einer Grenzregion im geteilten Deutschland.

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