Deutsch-deutsches Museum Mödlareuth

Die Mauer im Dorf

Nicht nur Berlin war durch eine Mauer getrennt. Auch das kleine Dorf Mödlareuth hatte einen Ost- und einen Westteil. Das deutsch-deutsche Museum Mödlareuth erinnert an das geteilte Dorf.

Museum in Mödlareuth: ein Stück Betonmauer, Beobachtungstürme, DDR-Grenzsäulen, Metallgitterzäune

Mödlareuth: Ein geteiltes Dorf

Foto: Sebastian Bolesch

Der kleine Tannbach, der schon immer durch Mödlareuth floss, bekam nach dem Zweiten Weltkrieg große Bedeutung. Plötzlich bildete er die Demarkationslinie zwischen zwei Besatzungszonen: Mödlareuth-Ost lag in der sowjetischen und Mödlareuth-West in der amerikanischen Besatzungszone. Mit der Gründung der beiden deutschen Staaten gehörte Mödlareuth-Ost zur DDR und Mödlareuth-West zur Bundesrepublik.

Zwar galt der Bach schon seit 1810 als "Grenzlinie" zwischen dem Königreich Bayern und dem Fürstentum Reuß, doch er war nur eine Verwaltungsgrenze. Das Leben der Dorfbewohner beeinflusste das kaum.

Ein Bach wird zur Grenze

Teil der Mauer in Mödlareuth, heute Museum

Die Mauer von Mödlareuth

Foto: Sebastian Bolesch

Das änderte sich 1945 nach dem Kriegsende drastisch. Zunächst konnten die Menschen den Tannbach noch mit Passierschein und "kleinem Grenzschein" überqueren. Ab 1952 war auch damit Schluss. Der DDR-Ministerrat beschloss die "Verordnung über die Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands" und besiegelte damit die endgültige Teilung Deutschlands. Entlang der Demarkationslinie wurden Sperranlagen errichtet.

Auch Mödlareuth bekam seine Grenze. Zunächst trennte ein übermannshoher Holzbretterzaun die beiden Dorfhälften. Nach dem Vorbild der Berliner Mauer teilte ab 1966 eine Betonmauer den Ort. Das 50-Einwohnerdorf wurde zum "Little Berlin", wie es die Amerikaner nannten.

Berliner Mauer fällt – Mödlareuther Mauer bleibt nachts zu

23 Jahre hielt die Betonmauer im Mödlareuth. Nach dem Fall der Berliner Mauer bekam auch die Mauer in Mödlareuth Risse. Doch es sollte noch bis zum 9. Dezember 1989 dauern, bis ein Grenzübergang Besuche auf beiden Seiten der Mauer wieder zuließ - allerdings nur tagsüber. Von 22.00 Uhr bis 8.00 Uhr blieb der Übergang geschlossen. Erst ein halbes Jahr später verschwand die Mödlareuther Mauer langsam. Anlass war die Gedenkveranstaltung zum 17. Juni 1953 – dem Tag des DDR-Volksaufstands.

Heute hat das Dorf zwar einen bayerischen und einen thüringischen Teil, aber der Tannbach trennt nicht mehr die Menschen.

Teile der 700 Meter langen Betonsperrmauer, des Metallgitterzauns und der Beobachtungsturm können im Original im deutsch-deutschen Museum Mödlareuth besichtigt werden. Das Museum will jedoch nicht nur an Mauer und Stacheldraht erinnern. Gezeigt werden auch die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Aspekte der Teilung – wo möglich, anhand regionaler und lokaler Beispiele erläutert.

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