Deutsche Einheit

24. Dezember 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Der erste Heiligabend ohne Grenze

24. Dezember 1989: Im thüringischen Heinersdorf findet der alljährliche Heiligabendgottesdienst statt. Doch dieses Mal ist alles anders als sonst in der evangelischen St. Marien-Kirche. Es wird ein für die Teilnehmer ein ganz und gar unvergesslicher Gottesdienst.

Kirche St. Marien in Heinersdorf (Thüringen).

Kirche St. Marien in Heinersdorf (Thüringen).

Foto: Störfix/Wikimedia Creative Commons by-sa 3.0 de

Besuch aus der bayerischen Nachbarschaft

Heinersdorf liegt ganz im Süden des Thüringer Landkreises Sonneberg, in Sichtweite der deutsch-deutschen Grenze – im 500 Meter breiten "Schutzstreifen", der nur mit Sondergenehmigung zu erreichen ist. Seit dem Mauerfall vor gut sechs Wochen können die Heinersdorfer endlich wieder ihre Nachbarschaft zu den bayerischen Gemeinden Welitsch und Neukenroth pflegen.

Was lange Jahre undenkbar war, ist heute möglich: Die Welitscher und Neukenrother kommen zu Besuch, um mit den Heinersdorfer Heiligabend zu feiern. Ruth Spitzenpfeil, 1989 Studentin in München, ist unter ihnen und wird Zeugin der tiefen Bewegtheit, die die Menschen bei diesem ersten gemeinsamen Heiligabendgottesdienst erfasst.

Weihnachtslied bekommt anderen Sinn

Alle hätten ihre Sänger mitgebracht, berichtet Spitzenpfeil in einem Artikel für die "Neue Zürcher Zeitung", für die sie seit 1990 arbeitet. "Die vereinten Chöre mussten zwei Mal beginnen, weil vor Rührung der erste Ton nicht kommen wollte: ´Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…‘ Was hatte das alte Lied jetzt plötzlich für eine Bedeutung."

Der Heinersdorfer Pfarrer, so erinnert sich Ruth Spitzenpfeil, beschließt seine Predigt mit dem Satz: "Dem Stern von Bethlehem lasst uns folgen und nie mehr einem anderen Stern." Jeder weiß sofort, welcher andere Stern gemeint ist.