Silvesterparty am Brandenburger Tor

Silvesterparty am Brandenburger Tor

31. Dezember 1989: Ein bewegendes Jahr endet mit der größten Silvesterparty, die Deutschland je gesehen hat: Hunderttausende feiern den Jahreswechsel rund ums Brandenburger Tor. Die Bilder gehen um die Welt.

Ausgelassen feiern die Berliner am 31.12.1989 auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor.

Erstes Silvester nach Mauerfall

Foto: picture-alliance / dpa

Die Bilder nehmen vorweg, was erst ein Dreivierteljahr später offiziell stattfindet. Die ausgelassene Stimmung in der Silvesternacht zeigt, wie sehr sich die Deutschen über das Ende der Teilung ihres Landes freuen. Denn inzwischen zweifeln nur noch wenige daran, dass die Wiedervereinigung Deutschlands bevorsteht.

Schon am Nachmittag des 31. Dezember 1989 ist die Stadt voller Menschen. Darunter sind viele, die seit dem Mauerfall noch keine Gelegenheit hatten, nach Berlin zu reisen. Züge, Flüge und Hotels sind restlos ausgebucht. Links und rechts vom Brandenburger Tor ist tausendfaches Hämmern zu hören: „Mauerspechte“ versuchen, Erinnerungsstücke aus der Mauer herauszumeißeln – oft mit ungeeignetem Werkzeug, denn der Beton ist viel härter als gedacht. Die meisten Souvenirjäger müssen sich mit kleinen Stücken zufrieden geben.

Eine unvergessliche Nacht

Die DDR-Grenzer schauen diesem Treiben bereits seit mehreren Tagen tatenlos zu. Selbst diejenigen unter ihnen, die bislang noch bemüht waren, wenigstens die wichtigsten Pflichten zu erfüllen, sind jetzt überfordert. Der Menschenmassen, die am Silvesterabend auf die Ostseite des Brandenburger Tores wollen, werden sie nicht mehr Herr. Seit dem 22. Dezember ist hier ein Grenzkontrollpunkt. Die Kontrolleure schaffen es jedoch nicht mehr, jeden einzelnen Ausweis zu prüfen. Wer irgendein Dokument in die Luft hält. wird durchgewunken.

Um Mitternacht zünden die Feiernden Tausende von Feuerwerkskörpern, die sie mitgebracht haben. Kein professioneller Pyrotechniker hätte ein beeindruckenderes Feuerwerk inszenieren können. Menschen aus allen Teilen Deutschlands liegen sich in den Armen und stoßen hoffnungsfroh auf das neue Jahr an. Niemand, der in dieser Nacht am Brandenburger Tor dabei war, wird das je vergessen.

Selbst Grenzer in Sektlaune

Noch weit nach Mitternacht herrscht an den Grenzübergängen Partystimmung. Auf der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam stehen zwei DDR-Grenzoffiziere, die ihren Alkoholpegel nicht mehr verbergen können. Den vielen Sektgläser, die ihnen angeboten worden sind, haben sie offenbar nicht widerstehen können. Nun stempeln sie alles ab, was die Menschen ihnen entgegenhalten: „Wo wollnse den ’n hinhaben?“ Bizarre Bilder an einem Ort, der jahrzehntelang Symbol des Kalten Krieges war.

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