Letzte Todesschüsse an der Berliner Mauer

Der 20-jährige Gueffroy wollte in der Bundesrepublik ein neues Leben beginnen und seine Träume verwirklichen. Er steht stellvertretend für ein ganzes Land, das den Drang und den Wunsch verspürt, endlich in Freiheit zu leben. Der gelernte Kellner Gueffroy ist ein leidenschaftlicher und talentierter Turner, der drei große Träume hat: Turnweltmeister werden, Amerika sehen und in Freiheit leben. Alle diese Träume enden um kurz nach 23:30 Uhr am Abend des 5. Februars an der Berliner Mauer – die Wende kam für Gueffroy neun Monate zu spät.

Drohender Wehrdienst in der DDR-Armee - für Gueffroy ein Grund zur Flucht

Gueffroy soll im Laufe des Jahres 1989 zum Militärdienst eingezogen werden – dies kann und will sich der Jugendliche nicht vorstellen. Von einem Freund, der seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen ableistet, erfährt er, dass der Schießbefehl an der Berliner Mauer weitestgehend eingestellt worden sein soll. Gueffroy und sein Freund Christian beschließen in die Bundesrepublik zu fliehen. Beide Freunde schaffen auch nahezu jede Absperrung der Berliner Mauer. Doch kurz vor dem rettenden Ziel werden sie von Grenzsoldaten massiv beschossen. Chris Gueffroy wird mehrmals getroffen, sackt zusammen, fällt zu Boden und liegt leblos vor seinem Freund.

Gueffroy stirbt innerhalb weniger Minuten. Ein Schuss eines Grenzsoldaten trifft ihn direkt ins Herz. Der Tod von Gueffroy kommt einer Hinrichtung gleich, da der Grenzsoldat aus weniger als 40 Metern unentwegt auf die Jungendlichen feuert.

Gaudian fällt verletzt, aber lebend, zu Boden – auf der Ostseite der Mauer. Im letzten Augenblick wirft er geistesgegenwärtig seinen Personalausweis auf die andere Seite des Zauns, so wird sein Name durch die westlichen Medien schnell bekannt. Als Gaudian in der anschließenden Haft keine Auskünfte über den Fluchtversuch macht, droht man ihm, seinen verwundeten Fuß nicht zu behandeln.
Gaudian wird drei Wochen später vom Stadtbezirksgericht Pankow wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts in schwerem Fall“ zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Am 17. Oktober 1989 kauft ihn die Bundesrepublik jedoch frei.

Zur Beerdigung des jungen Chris Gueffroy kommen neben Verwandten und Freunden auch westliche Journalisten. In den Folgewochen erhöhen die Journalisten den Druck auf die DDR-Führung wegen des Schießbefehls. Der Befehl, der offiziell nie existiert hatte, wird im April 1989 aufgehoben.

An der Stelle, an der Chris Gueffroy erschossen wurde, erinnert seit 2003 eine Gedenkstelle an sein Schicksal.

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