Initiative für Menschenrechte fordert Ende der SED-Herrschaft

Die Initiative für Menschenrechte (IFM) gilt als die erste Bürgerrechtsgruppe außerhalb der Kirche, denn schon seit Anfang 1986 ist die IFM aktiv. Hervorgegangen ist sie aus einem gescheiterten Menschenrechtsseminar. Das wollten Ostberliner Friedenskreise im Herbst 1985 organisieren, doch auf Druck der Stasi musste es abgesagt werden. Der Vorbereitungskreis beschließt weiterzuarbeiten. Dazu gehören Wolfgang Templin, Ralf Hirsch, Ulrike und Gerd Poppe sowie Bärbel Bohley.

Am 24. Januar 1986 gründen sie die IFM, obwohl Bürgerrechtsgruppen in der DDR illegal sind. Die Initiative orientiert sich an der Gruppe "Charta 77" in der Tschechoslowakei. Ab Juni 1986 gibt die IFM mit dem "grenzfall" eine eigene Zeitschrift heraus. Auflage: 1.000 Exemplare, hergestellt mit einfachsten Mitteln. Das Blatt trägt dazu bei, die kritische Gegenöffentlichkeit in der DDR zu stärken. Die Stasi verfolgt die Mitglieder der IFM. 1988 kommt es zu Verhaftungen und Ausbürgerungen. Doch die IFM wird zu einer der wichtigsten Oppositionsgruppen in der DDR.

„Mitbestimmung und öffentliche Kontrolle“

In ihrem Aufruf vom 28. Oktober 1989 wählt die IFM klare Formulierungen. Sie fordert die Trennung von Partei, Staat und Gesellschaft. Denn: „Der Entwicklung von Demokratie steht die Festschreibung der Vormachtstellung einer Klasse, Schicht, Gruppe oder Partei diametral entgegen.“ Die IFM will das Ende der SED-Diktatur, „Mitbestimmung und öffentliche Kontrolle ... in allen Bereichen“ und unabhängige Gewerkschaften. Außerdem fordern sie eine parlamentarische Demokratie, die durch Elemente der direkten Demokratie – wie Volksbegehren und Volksentscheide – ergänzt ist.

Die IFM ist später mit zwei Mitgliedern am "Runden Tisch" beteiligt. Mit Gerd Poppe stellt sie ab Februar 1990 einen Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung Modrow. Zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 geht die IFM mit dem "Neuen Forum" und "Demokratie Jetzt"  ein Wahlbündnis unter dem Namen „Bündnis 90“ ein. Die Listenverbindung erhält 2,9 Prozent der Stimmen und zwölf Sitze in der Volkskammer.

Runder Tisch

Bürgerbewegungen und Repräsentanten der Kirche fordern Verhandlungen zur demokratischen Umgestaltung der DDR. Die Modrow-Regierung versucht, mit den bis dahin kriminalisierten Oppositionsgruppen ins Gespräch zu kommen.

Am 7. Dezember wird in Ost-Berlin der "Zentrale Runde Tisch" eingerichtet, an dem Abgesandte der "alten Kräfte" den Repräsentanten von zunächst sieben Oppositionsgruppierungen gegenübersitzen. Kirchenvertreter übernehmen die Moderation. Vorbild sind Polen und Ungarn - "Schule der Demokratie".

Insgesamt wirken 33 Delegierte bis zu den Volkskammerwahlen im März 1990 daran mit, die DDR-Regierung zu kontrollieren. Auch auf lokaler Ebene, in vielen Bezirken und Kreisen der DDR, werden Runde Tische gebildet.

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