In Leipzig siegt der Mut über die Stasi

In Leipzig siegt der Mut über die Stasi

25. September 1989: "Also fürchtet euch nicht!", so beendet Pfarrer Christoph Wonneberger in der Leipziger Nikolaikirche an diesem Tag seine Predigt. Die Menschen in der Kirche fassen sich an den Händen und singen das amerikanische Protestlied "We shall overcome" – "Wir werden es überstehen". Singend gehen sie auf die Straße.

Bereits seit dem 4. September 1989 finden im Anschluss an die Friedensgebete Montagsdemonstrationen statt. Während sich Polizei und Stasi beim ersten Mal noch zurückhalten, weil westliche Medienvertreter anwesend sind, schlagen sie am 11. und am 18. September zu: Sie kesseln die Demonstranten ein, es gibt Verhaftungen und sogenannte Zuführungen.

Doch die Menschen lassen sich nicht entmutigen. Nach dem Friedensgebet am 25. September 1989 schließen sich mehr Menschen dem Demonstrationszug an als je zuvor: Rund 7.000 sind es an diesem Montag. Damit hat die Stasi nicht gerechnet. Ihre Taktik der Einkesselung lässt sich nicht mehr anwenden. Die Zahl der Demonstranten steigt nun von Woche zu Woche.

Deshalb hat der 25. September in der Geschichte der Leipziger Montagsdemonstrationen eine besondere Bedeutung. Er ist eines der wichtigsten Ereignisse der Friedlichen Revolution.

Zentrale Figur bei der Gestaltung und Organisation der Friedensgebete ist Pfarrer Christoph Wonneberger. Bereits 1982 hat er in Dresden die ersten Friedensgebete angeregt. Am 25. September predigt Wonneberger in der Leipziger Nikolaikirche:

"Mit Gewalt ist der Mensch durchaus zu ändern. Mit Gewalt lässt sich aus einem ganzen Menschen ein kaputter machen, aus einem freien ein Gefangener, aus einem lebendigen ein Toter. Beweise gibt es dafür viele ...

Wer Gewalt übt, mit Gewalt droht und sie anwendet, wird selbst Opfer der Gewalt. Wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert umkommen. [...]

Wer einen Gummiknüppel schwingt, sollte besser einen Schutzhelm tragen. [langer Beifall] Wer andere blendet, wird selbst blind. Wer andere willkürlich der Freiheit beraubt, hat bald selbst keine Fluchtwege mehr. [Lachen, Beifall]".

Die Gebete für Gewaltfreiheit als Mittel politischer Auseinandersetzungen übertragen sich auf die Parolen der Straße: "Keine Gewalt!" rufen im Herbst 1989 Demonstranten in der ganzen DDR.

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