Honecker geht – Krenz kommt

Honecker geht – Krenz kommt

18. Oktober 1989: Das Zentralkomitee der SED gibt den Rücktritt von Staats- und Parteichef Erich Honecker bekannt. Die Bevölkerung reagiert nicht mit einem Jubelschrei. Denn noch am selben Tag schlägt Honecker Egon Krenz als seinen Nachfolger vor. Und die Menschen haben noch sehr genau im Ohr, was Krenz im Juni ‘89 zur blutigen Niederschlagung des Aufstandes in Peking gesagt hat: Es sei „etwas getan worden, um die Ordnung wiederherzustellen“.

„Das ZK (Zentralkomitee) hat der Bitte Erich Honeckers entsprochen, ihn aus gesundheitlichen Gründen von der Funktion des Generalsekretärs, vom Amt des Staatsratsvorsitzenden und von der Funktion des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrates der DDR zu entbinden.“ So die offizielle Erklärung zu Honeckers Rücktritt, die das Zentralkomitee am 18. Oktober 1989 bekannt gibt.

Tatsächlich geht Erich Honecker nicht freiwillig. Gegen seinen Willen hat das Zentralkomitee tags zuvor einstimmig seine Absetzung beschlossen. Der Druck der gesellschaftlichen Entwicklungen ist zu groß geworden. Man will ein Zeichen setzen und auch einen Sündenbock präsentieren. „Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen“, soll Ministerpräsident Willi Stoph am 17. Oktober im Politbüro gesagt haben. Stoph stellt den Antrag auf Abwahl. Als Honecker trotzdem zur Tagesordnung übergehen will, soll Mielke gedroht haben, falls Honecker nicht zurücktrete, werde er kompromittierende Informationen herausgeben, die er besitze.

Noch am Abend des 18. Oktober hält Krenz, Kronprinz und Vertrauter Honeckers, im DDR-Fernsehen eine einstündige Ansprache. Ehrhart Neubert beschreibt diesen Auftritt so: „Schon die ersten Worte der Rede des neuen SED-Generalsekretärs bestätigten, dass alter Saft in alte Schläuche abgefüllt worden war. Krenz redete die Menschen, die gerade dabei waren, sich ihre Rechte als Bürger zu erkämpfen, mit ‚liebe Genossen und Genossinnen‘ an.

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